In Stuttgart wird erneut um die richtige Betreuungsform für Grundschüler gestritten. Foto: dpa

Eltern hoffen fest darauf, dass Horte weiterhin Bestand in Stuttgart haben. Die CDU hat die Stadt aufgefordert, beim Land Zuschüsse für die flexible Schülerbetreuung zu beantragen.

Stuttgart - Die Landesregierung plädiert für den Erhalt der flexiblen Nachmittagsbetreuung, ungeachtet des Ausbaus der Ganztagsschulen. Bei den Eltern-Kind-Initiativen, den Trägern von Kindertagesstätten, Kinderläden und Horten, hat diese Ankündigung Hoffnung geweckt.

„Es wäre schön, wenn wir weitermachen dürften, so lange der Bedarf da ist“, sagt ­Anne Künzig aus dem Vorstand des Dachverbands der Stuttgarter Eltern-Kind-Gruppen. Seit Einführung der Ganztagsgrundschulen hat die Stadt nur noch dort Hortplätze bezuschusst, wo es kein Ganztagsangebot in der Nähe gab. Die anderen Horte erhielten nur noch Zuschüsse, wenn sie die Plätze sukzessive für Kleinkinder umgebaut haben, was laut Künzig allein schon räumlich nicht überall machbar sei.

So sei zum Beispiel ihre eigene Eltern-Kind-Gruppe in einem Gebäude untergebracht, wo auch das Untergeschoss genutzt werde und kleine Kinder gar nicht allein hingelangen könnten. Deshalb sagt Künzig: „Es wäre gut, jetzt innezuhalten, die Beschlüsse des Landes und das Ergebnis der Elternbefragung abzuwarten.“

Furcht vor Überforderung

In der Elterschaft der Schulen gibt es seit Einführung des Ganztagsbetriebs an Grundschulen Diskussionen um eine Betreuung zweiter Klasse für Halbtagskinder. Weil die Stadt keine Doppelstrukturen schaffen wollte, gab es für Halbtagskinder nur noch eine Betreuung bis 14 Uhr.

„Wenn Eltern keine Ganztagsschule wollen, hat das oft sehr handfeste Gründe“, sagt Sabine Wassmer, die Vorsitzende des städtischen Gesamtelternbeirats: zusätzliche Musik- und Sportstunden, „oder dass Kinder mit dem langen Schultag emotional überfordert gewesen wären“. Die Ganztagsschule sei „finanziell, räumlich und personell sehr gut ausgestattet“ in Stuttgart, „es wäre ein falsches Signal, wenn man dieses Konzept zerstören würde“.

Diese Gefahr besteht dort, wo nicht mehr genügend Ganztagskinder zusammenkommen, um eine Klasse zu bilden und stattdessen Halbtags- und Ganztagskinder gemeinsam in einer sogenannten Mischklasse sitzen. Sabine Wassmer sieht allerdings die Chance, dass die Ganztagsschule, die inzwischen an 31 Stuttgarter Grundschulen eingeführt ist, jetzt von den Eltern „aus der Zuschauerperspektive“ erlebt werden könne und Bedenken sich so relativieren würden.

Stadt soll Zuschüsse beantragen

Die CDU-Fraktion im Gemeinderat hat kurz vor der Sommerpause Auskunft über die Zahl der Grundschüler beantragt sowie darüber, wie viele davon eine Ganztagsschule besuchen und wie viele Umschulungsanträge für das kommende Schuljahr eingegangen und genehmigt seien. Zudem fordert die Fraktion die Stadt auf, wieder mehr ­Zuschüsse zur flexiblen Schulkindbetreuung beim Land zu fordern.

Landesweit sind für dieflexible Nachmittagsbetreuung, die verlässliche Grundschule und Hortgruppen in diesem Jahr rund 62 Millionen Euro in den Landeshaushalt eingestellt, fast doppelt so viel wie noch im Jahr 2007.

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