Die USA sind ein beliebstes Auslandsziel für deutsche Jugendliche. Foto: Gottfried Stoppel

Bei der Schüleraustausch-Messe informieren sich Jugendliche über Aufenthalte in aller Welt.

S-West - Ein Jahr nach England, ein halbes nach Russland oder China – oder nur eine zweiwöchige Familiensprachreise. Davon träumen viele Jugendliche. Was es zu beachten gilt, bevor das Abenteuer Ausland beginnt, darüber haben sich die Besucher am Samstag bei der Schüleraustausch-Messe der Deutschen Stiftung Völkerverständigung im Dillmann-Gymnasium informieren können.

Moritz Birkhold hat das Abenteuer gewagt. Als 16-Jähriger ist er für ein Jahr in ein Internat in England gegangen. Den Besuchern hat er am Samstag von seinen Erlebnissen berichtet. „Die prägendste Erfahrung war, auf viele andere Kulturen zu treffen“, erzählt der inzwischen 18-Jährige. Im Internat nahe bei Manchester kamen viele Jugendliche aus Europa und der ganzen Welt zusammen. Er habe tolle Menschen getroffen, aber auch solche, von denen er sagt: „So will ich nie werden.“ Klar, die Sprache habe er in der Zeit sehr gut gelernt, aber sein Aufenthalt habe auch andere Effekte gehabt: „Ich bin selbstständiger geworden und habe das Lernen gelernt“, so Birkhold. Inzwischen ist er wieder ans Dillmann-Gymnasium zurückgekehrt und macht dort sein Abitur.

Ein Schüleraustausch muss gut vorbereitet sein

Martin Schairer hat seine Reifeprüfung am Dillmann-Gymnasium bereits 1971 abgelegt. Der Ordnungsbürgermeister hat in seiner Vita zwar kein Auslandsjahr verzeichnet, aber er hat sich als 16-jähriger Schüler am Austausch mit Frankreich beteiligt. „Das hat mich geprägt bis heute“, sagt Schairer, der, wie er selbst sagt, ein Fan des Austauschs sei, wenn er gut vorbereitet ist. Negative Erfahrungen habe hingegen seine Tochter bei einem Austausch mit Indien gesammelt. Schlecht vorbereitet und schlecht organisiert sei das gewesen. „Schade“, meint der Bürgermeister und gibt den Eltern einen wichtigen Gedanken mit: „Der Schüler, der nicht ins Ausland gehen will, hat kein schlechteres Leben später und ist auch nicht benachteiligt.“ Wegen eines Auslandsjahres müsse sich keiner Stress machen. Die Eltern müssten sich immer fragen: „Was ist gut für mein Kind?“

Ein Jahr in England kostet rund 40 000 Euro

Dieser Frage sind die Eltern mit ihrem jugendlichen Nachwuchs auf der Messe nachgegangen. Die Halle war bereits am Vormittag gut gefüllt. Insgesamt kamen laut der Deutschen Stiftung Völkerverständigung rund 1300 Besucher. Die Messe tourt derzeit durch Deutschland, gastierte vor zwei Wochen in Bremen und zieht im November nach Berlin. In Stuttgart waren mehr als 40 Organisationen beteiligt. Darunter war auch die Firma Fee Sprachreisen aus Stuttgart. Was man beachten sollte bei einem Auslandsjahr? „Man sollte sich gut beraten lassen“, sagt die Fee-Vertriebsleiterin Kristin Schwab, und ein gutes Gefühl haben. Im Programm von Fee sind unter anderem Internatsaufenthalte. Ein Jahr in England mit zusätzlichen Angeboten in Musik, Kunst oder Sport kostet um die 35 000 bis 40 000 Euro. Für Kanada sind es einige tausend Euro mehr.

Der Verein AFS Interkulturelle Begegnungen hat seit mehr als 60 Jahren Erfahrungen mit Schüleraustausch- und Gastfamilienprogrammen in aller Welt. Die Liste der Länder, mit denen AFS beim Austausch kooperiert, ist lang: von A wie Ägypten über China, Island, Malaysia, Schweiz bis Thailand, Türkei, USA und V wie Venezuela. Am Stand von AFS steht Marcos Fabricio da Silva und berichtet in perfektem Deutsch von seinen Erfahrungen. Als 17-Jähriger war der Brasilianer für ein Jahr nach Stuttgart gekommen und war Schüler am Königin-Olga-Stift gewesen. Inzwischen ist er nach seinem Schulabschluss in der Heimat wieder in Stuttgart gelandet, studiert Mechatronik in Vaihingen und wirbt nebenher ehrenamtlich für seine Austauschorganisation. Da Silva: „Das Gute daran ist, dass ich selbst Erfahrungen mit einem Austausch gemacht habe und hier darüber berichten kann.“

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