Nico Huber demonstriert, wie „Elefantenzahnpasta“ entsteht. Foto: Jens Noll

Nico Huber versteht viel von Naturwissenschaften. Der Zwälftklässler des Sielminger Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums ist Landessieger bei der Chemie-Olympiade gewonnen.

Sielmingen - Der Versuchsaufbau sieht zunächst unspektakulär aus. In einem hohen Glaszylinder befindet sich etwas Spülmittel. In diesen kippt Nico Huber zwei klare Flüssigkeiten. Dann wird das Gemisch plötzlich braun und schießt in die Höhe. Schnell bläht sich die Masse auf und ergießt sich über den Rand des Zylinders. Als gelblicher Schaum bleibt sie schließlich auf dem Tisch liegen.

Nico Huber beschreibt den Versuch: Wasserstoffperoxid und Kaliumjodid sind neben dem Spülmittel die Zutaten des Experiments. „Das Kaliumjodid braucht man, damit sich das Wasserstoffperoxid zersetzt“, erklärt der Zwölftklässler. Bei der Zersetzung entstehe Wasser und Sauerstoff, was zusammen mit dem Spülmittel für das Aufschäumen sorge, fährt er fort.

Zusammenhänge zwischen Chemie und Alltag

Man ahnt schnell: Der 17-jährige Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG) versteht etwas von Chemie. Er engagiert sich in der Chemie-AG der Schule, hat Spaß an der Naturwissenschaft und kann Zusammenhänge zwischen chemischen Themen und dem Alltag erkennen. „Ich überlege mir bei Versuchen in der Schule: Wo könnte man das einsetzen, wo braucht man das?“, erzählt er. „Nico ist einer, der weiter denkt“, sagt Christel Wolf, die ihn seit der achten Klasse am DBG in Chemie unterrichtet.

Bei der Chemie-Olympiade ist Nico zum besten Nachwuchschemiker Baden-Württembergs gekürt worden. Ein Jahr zuvor war der Schüler aus Neuhausen noch in der zweiten Runde gescheitert. Diesmal hat er sich als Landessieger für die dritte Runde weiterqualifiziert. „Die ersten beiden Runden bestanden aus Aufgaben in Heimarbeit“, erzählt Nico. So galt es zum Beispiel, einige Substanzen zu identifizieren oder zu berechnen, wie viele Schadstoffe bei der großtechnischen Synthese von Schwefeldioxid entstehen.

Im Dezember bereitete sich Nico in einem Seminar mit theoretischen und praktischen Übungen auf die nächste Runde in Göttingen vor. Dabei kam der Gymnasiast mit namhaften Instituten und Forschungseinrichtungen in Kontakt. In Göttingen selbst werden in zwei fünfstündigen theoretischen Prüfungen 15 Schüler ermittelt, von denen sich wiederum vier für die internationale Chemie-Olympiade (siehe Info) qualifizieren können.

Wettbewerb auf Universitätsniveau

„Die Chemie-Olympiade ist sehr anspruchsvoll“, sagt Christel Wolf über den nationalen Wettbewerb, hinter dem das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel steht. „Die erste Runde hat noch ein bisschen was mit Schule zu tun, die zweite Runde ist auf Universitätsniveau.“ Wer im Bewerbungsgespräch eine Teilnahmebescheinigung vorlege, bekomme eine Zusage, meint sie und ergänzt: „Für hochbegabte Schüler braucht man solche Fördermöglichkeiten.“

Vier Stunden Chemie hat Nico pro Woche an der Schule. Für die Chemie-Olympiade beschäftigt er sich darüber hinaus in seiner Freizeit mit der Materie. „Da investiert man auch am Wochenende Zeit“, sagt er. Doch der 17-Jährige ist kein Typ, der sich in Büchern vergräbt. Sport gehört ebenfalls zu seinen Freizeitbeschäftigungen.

Nico findet es spannend, dass man mit der Chemie Dinge erklären kann. Er ist sich noch unsicher, ob er das Fach nach seinem Abitur auch studieren will. Sein Favorit heißt derzeit Physik. Vielleicht verbindet er auch beides. Wer Naturwissenschaften miteinander verknüpfen kann, habe optimale Voraussetzungen im Studium, meint seine Lehrerin, die sich bereit erklärt, die Reste des Versuchs von vorhin wieder wegzuputzen. „Giftig ist es nicht“, sagt Nico über den gelben Schaum, „aber wegen des Wasserstoffperoxids sollte man Handschuhe anziehen, sonst wird die Hand weiß.“

Info: Chemie-Olympiade

Die Internationale Chemie-Olympiade ist ein Wettbewerb, in dem Schüler und Schülerinnen ihre Leistungen bei der Bearbeitung theoretischer und experimenteller Aufgaben aus dem Bereich der Chemie miteinander messen. Sie findet im Juli in Moskau statt. Jedes der mehr als 70 Teilnehmerländer kann vier Jugendliche unter 20 Jahren stellen. Sie werden in nationalen Auswahlverfahren ermittelt. In Deutschland hat das Verfahren vier Runden. Die Entscheidung, wer die Bundesrepublik in Moskau vertreten wird, fällt im Juni.

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