Das Bild „Eidos“ von Willi Baumeister spielt eine tragende Rolle in dem Krimi der Schülerinnen und Schüler des Nürtinger Hölderlingymnasiums. Foto: Horst Rudel

Mit „Eidos – das Geheimnis der Domnicks“ haben Schüler den ersten Nürtingen-Krimi veröffentlicht. In dem Roman verknüpfen sie geschickt echte Ereignisse der Zeitgeschichte und Fiktion.

Nürtingen - Geschafft. Nach zwei Workshops mit der Autorin Carola Kupfer, zahlreichen Treffen, viel Schreib-, Korrektur- und Redigierarbeit halten die zwanzig Schüler der Schreibwerkstatt des Nürtinger Hölderlingymnasiums ihren fertigen Roman in der Hand. Jetzt wurde das druckfrische Werk mit dem Titel „Eidos – das Geheimnis der Domnicks“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Wir sind mit viel Motivation an das Projekt herangegangen“, erinnert sich die Schülerin Katharina Albertin (14). Im Laufe der vergangenen Monate habe es aber auch viele Diskussionen innerhalb der Autorengruppe gegeben. „Wir mussten einige Kompromisse eingehen“, berichtet sie. Weil die Texte der vielen unterschiedlichen Autoren aneinander angepasst werden mussten, wurden die Entwürfe stark überarbeitet. Dennoch habe es viel Spaß gemacht, das Buch zu schreiben, versichert die 14-Jährige. „Am Ende hat es besser geklappt, als wir es uns vorgestellt haben“, ergänzt Katharinas Mitschülerin Gizem Turunc (16).

Intensive Recherche vor Ort bei Mondschein

Ein wichtiger Handlungsort des Romans ist das Haus der Sammlung Domnick in Nürtingen, das Ottomar und Greta Domnick vom Stuttgarter Architekten Paul Stohrer im Jahr 1967 in die Landschaft zwischen Aichtal und Albtrauf bauen ließen. Die Sammlung Domnick besteht unter anderem aus Werken abstrakter Malerei aus dem Europa der Nachkriegszeit. Eines dieser abstrakten Kunstwerke, das Bild mit dem Titel „Eidos“ von Willi Baumeister, spielt eine tragende Rolle in dem Buch.

Eine der Protagonisten ist die Doktorandin Thaila, die sich im Zuge ihrer Arbeit in der Sammlung zunehmend mit „Eidos“ beschäftigt. Als sie sich immer tiefer einarbeitet, kommt sie einem jahrzehntelang gehüteten Geheimnis auf die Spur, das das Leben der Domnicks seit den 60er-Jahren aufwühlte. Die Doktorandin merkt, dass die Folgen dieses Geheimnisses bis in die Gegenwart wirken und dass es Menschen in ihrem persönlichen Umfeld gibt, denen sie besser niemals hätte vertrauen sollen.In dem Roman verknüpfen die Schüler geschickt echte Ereignisse der Zeitgeschichte und Fiktion. Die Jugendlichen haben also nicht nur ihrer Fantasie freien Lauf gelassen, sie haben darüber hinaus allerhand zur Geschichte der Domnicks und deren Kunstsammlung nachgelesen und ins Buch eingearbeitet. „Es war eine intensive Recherche vor Ort nötig“, verrät der 15-jährige Luca Swoboda.

Bildungsprojekt „Buch macht Schule, Schule macht Buch“

Auch ein nächtlicher Besuch in der Sammlung Domnick gehörte zur Recherche für das Buch. Im Mondschein wurden die Atmosphäre und die Stimmung in der Sammlung aufgesogen, die später im Buch wiedergegeben werden sollten. „Das war total faszinierend“, erinnert sich Swoboda. Dass das Bild mit dem Titel „Eidos“, das zumindest teilweise auch auf dem Cover zu sehen ist, eine wichtige Rolle in dem Krimi spielt, das habe sich auch erst im Zuge der Arbeit in der Sammlung ergeben, erinnert sich Lucas Schulkamerad Constantin Demattio (14).

Begleitet wurden die Gymnasiasten von der Lehrerin Jessica Jahn. „Ich war fasziniert von der Begeisterung der Schüler“, sagt sie. Dabei habe sie erst einmal Bauchschmerzen gehabt, die Schüler mit abstrakter Kunst in Verbindung zu bringen. Doch das Buch entstand im Rahmen des Bildungsprojekts „Buch macht Schule, Schule macht Buch“ und eine der Bedingungen zur Teilnahme war die Zusammenarbeit mit einer kulturellen Einrichtung. Und die Sorgen der Lehrerin stellten sich rasch als unbegründet heraus. Die Schüler hatten weniger Berührungsängste mit der abstrakten Kunst, als sie zunächst befürchtet hatte. „Ich war immer wieder überrascht, was die Schüler leisten können und was sie dazugelernt haben“, erzählt Jahn.

Lob von Nürtingens Oberbürgermeister

Darüber, dass es nun auch einen Nürtingen-Krimi gibt, freut sich der Oberbürgermeister Otmar Heirich während der offiziellen Buchpräsentation. „Ein Krimi über Nürtingen, das hat noch gefehlt“, sagt der Verwaltungschef. Einerseits passe das neue Werk aus dem Hölderlingymnasium zum Bemühen der Stadt, junge Leute für Kunst, Kultur und Literatur zu begeistern. Andererseits gebe es in Nürtingen bereits die Krimitage – und nun noch einen Nürtingen-Krimi. „Die Schule hat junge Leute ans Schreiben herangeführt, das finde ich toll“, sagt Heirich. Und er hoffe, dass dem nun veröffentlichten Roman aus dem Hölderlingymnasium weitere folgen werden.

Das Buch: Der Krimi „Eidos – das Geheimnis der Domnicks“ erscheint im Verlag Edition Schröck-Schmidt. Es kostet 11,95 Euro.

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