Zweierlei Stubenküken, Pfifferlingrisotto mit Parmesanschaum, Schokoladentarte und einiges mehr: Ein solches Menü dürften die wenigsten der Achtklässler schon mal genossen haben. Foto: Sägesser

Die Köche der Hohenheimer Speisemeisterei haben vergangene Woche besondere Gäste zu Tisch gebeten: Zu Gast waren Achtklässler vom Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium Bad Cannstatt, um etwas übers Essen und das Leben zu lernen.

Hohenheim - Das Besteck verwirrt selbst die lässigen Jungs. „Ich frag mich, warum es in solchen Restaurants so viele Gabeln und Messer geben muss“, sagt Samuel. „Von allem nur eins wäre doch praktischer.“ Der 13-jährige Schüler aus Cannstatt sitzt mit seinen Kumpels Can und Tolger an einem Tisch im Hohenheimer Sternerestaurant Speisemeisterei. Ein Ort den sie wohl nicht so schnell vergessen werden – und das nicht nur, weil sie Fenchel in für sie bis dato unbekannten Variationen gekostet haben.

Der Starkoch holt die Jugendlichen aus der Müdigkeit

Der Koch Frank Oehler hat die Klasse 8 b des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums in Bad Cannstatt zu sich eingeladen. Für Freunde des guten Essens ein Hauptgewinn. Ob sie Freunde des guten Essens sind, sollten die 25 Mädchen und Jungen just an jenem Mittag herausfinden. Denn darum geht es Frank Oehler, während er und sein Team für die Schüler Parmesanschaum aufschlagen, Stubenküken panieren und die Schokoladentarte portionieren. „Also, immer frische Sachen kaufen, das ist die Schöpfung“, wird er später sagen. Den Starkoch live zu sehen und einen Blick in seine Küche werfen zu dürfen, holt die Schüler aus ihrer Mittagsmüdigkeit nach dem dreistündigen Menü mit gefühlten zehn Gängen. Ob das Pilzrisotto nicht geschmeckt hat, will Frank Oehler wissen, „da kam einiges zurück“. Nein, nein, es sei einfach zu viel gewesen.

Mit dieser schnellen Einladung hätte wohl keiner gerechnet

Frank Oehler, den viele aus der RTL-Show „Die Kochprofis“ kennen, hat sich schon einmal mit den Mädchen der 8 b übers Essen unterhalten. Das ist noch gar nicht lang her. Zusammen mit seinen Speisemeisterei-Kollegen Markus Eberhardinger und Gerd Schmid. Anlass war eine Spendenübergabe an ABAS, eine Anlaufstelle bei Essstörungen. Die Mädchen vom Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium waren dabei, weil die Spitzenköche es schöner fanden, bei der Gelegenheit mit jungen Leuten über ihre Liebe zum Essen zu sprechen. Es ging um Selbstbewusstsein, um Gesundheit, regionale Produkte und vieles mehr. Ein Mädchen war so mutig, Frank Oehler zu fragen, ob er die Klasse zum Essen einlädt. Dass die Schüler schon Tage später an hübsch eingedeckten Tischen sitzen würden, hätte keiner gedacht.

Weiße Oberhemden und Sakkos treffen auf Turnschuhe, kleine feine Kleidchen auf Schnürschuhe. Die Cannstatter Schüler haben sich schick gemacht fürs besondere Mittagessen. Die Allermeisten von ihnen haben ein Etablissement wie die Speisemeisterei bisher höchstens im Fernsehen gesehen. „Ich dachte, dass es vielleicht ein Büfett gibt“, sagt der 13-jährige Samuel. Dass dem nicht so ist, wusste er spätestens, als er die edlen Tische gesehen hat. Die Hände der auf dem Pausenhof sicher vorlauten Jungs zittern leicht, als sie sich Butter aufs Baguette schmieren. „Dürfen wir überhaupt schon anfangen?“, fragt Tolger. Samuel geht auf Nummer sicher und isst sein Butterbrot mit Messer und Gabel.

Die Jungs gingen erst mal Hände waschen

Zur Begrüßung hat es im Empfangssalon alkoholfreien Birnensekt gegeben, der Speisemeister Gerd Schmid hat etwas über Geschmack erzählt, und die Jugendlichen haben sich in die Sofas und Sessel gelümmelt. Im Hintergrund plätscherte ein Hauch von Musik. Und als die jungen Gäste zu Tisch gebeten wurden, erhoben sich alle gleichzeitig. Eine Horde Jungs lief erst mal in die entgegengesetzte Richtung, „wir sind gleich wieder da, wir gehen uns nur kurz die Hände waschen“, sagte einer. Die Klassenlehrerin Heike Hirsch musste lachen.

Bei Tisch klicken die Handykameras, und die Menükarte wird studiert. Vinaigrette? Nie gehört. Ratatouille? Das ist doch so was Französisches. Samuel, Can und Tolger erzählen, dass sie sich mittags meistens einen Döner holen, „in die Mensa gehen nur wenige“, sagt Samuel. Nachdem das dritte Dessert vertilgt ist, sagt er: „Ich fand es hervorragend, alles war schön angerichtet, das war sehr schön anzusehen.“ Er sagt es sicher nicht nur, weil es sich so gehört.

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