Ulrich Reiser stellt den Hegel-Schülern den Care-o-bot vor. Der Name setzt sich aus dem Begriff „care“ (Englisch für pflegen) und dem Wort Roboter zusammen. Foto: Rebecca Stahlberg

Schüler des Vaihinger Hegel-Gymnasiums haben den Service-Roboter „Care-o-bot“ des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) besichtigt. Der soll künftig Menschen Arbeit abnehmen.

Vaihingen - Eine hübsche junge Frau sitzt in einem Wartezimmer. Ein schmucker weißer Roboter mit leuchtend blauen Augen fährt vorbei, hält an, dreht um und fährt wieder zurück. Mit seinen beweglichen Armen und vorsichtigem Griff pflückt er eine Rose, kehrt zu der Frau zurück und bietet sie ihr an. Die schaut überrascht, lächelt das futuristische Gerät dann aber freundlich an. Der Care-o-bot, so sein Name, lächelt zurück, indem er seine blauen Leuchteaugen verzieht. Das ist eine nette Geste, mag man denken, aber wofür ist diese hochkomplexe Maschine denn sonst noch gut? Das haben 13 Sechstklässler des Hegel-Gymnasiums am 18. Juni erfahren. In Kooperation mit dem Jugendhaus Vaihingen besuchten sie das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA).

Bevor es zum Care-o-bot geht, dürfen sich die Schüler einen Film anschauen. „Wer von euch spielt Tischtennis?“, fragt Huu Tuan Nguyen. Mehrere Hände gehen in die Höhe. „Kennt ihr Timo Boll?“ Nicken unter den Schülern. Boll ist Tischtennisspieler, und zwar ein sehr guter. Er gehört zur Weltklasse und ist der beste deutsche Spieler. In dem Video, das der Fraunhofer-Mitarbeiter den Schülern zeigt, tritt er gegen seinen härtesten Konkurrenten an – einen Roboter. Zunächst sieht es so aus, als hätte Boll keine Chance. Der einarmige Roboter ist verflucht schnell, pariert alle Bälle und lässt seinen menschlichen Gegenspieler von einer Seite zur anderen springen. Doch dann wendet sich das Blatt. Boll erkennt die Schwachpunkte der Maschine: mit Netzrollern oder knapp auf die Kante gespielten Bällen kann ihre Programmierung nicht umgehen. Boll gewinnt das Match.

Roboter sind keine Gefahr, sondern eine Chance

„Bei vielen besteht die Angst, dass Roboter den Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen könnten, weil sie besser sind als wir“, sagt Nguyen. Doch diese Angst sei ungerechtfertigt. Roboter seien gut, um Menschen schwere, ungesunde oder unangenehme Arbeiten abzunehmen. Parallel würden dadurch neue, höherwertige Arbeitsplätze geschaffen, sagt er. Und weiter: „Man darf Roboter nicht als Gefahr sehen, sondern als Chance für die Zukunft.“

Im Anschluss geht es zwei Stockwerke höher zu Ulrich Reiser. Er ist der Gruppenleiter in der Abteilung Roboter-Assistenzsysteme. „Wir beschäftigen uns seit fast 20 Jahren mit dem Thema Service-Roboter. Man darf diese nicht mit fest montierten Fabrik-Robotern vergleichen“, erklärt er den Jungen und Mädchen. Der Service-Roboter habe die Aufgabe, mit Menschen zu kommunizieren. Er sei nicht für nur eine feste Aufgabe programmiert, sondern solle intelligent sein und lernen können, so Reiser.

Die aktuelle Version des Care-o-bot ist die vierte Weiterentwicklung; vorgestellt hat sie das Fraunhofer-Institut zu Beginn des Jahres. Bei der Entwicklung habe man Wert darauf gelegt, dass der Roboter sympathisch aussehe, aber nicht zu menschlich wirke, erzählt Reiser. Denn dies hätte eventuell bei manchen Menschen Ängste auslösen können. Die Konstruktion der physischen Komponenten, der Hardware also, sei abgeschlossen, nun gehe es darum, sich um die Software zu kümmern – also zu überlegen, was genau der Care-o-bot denn tun könnte. Bereits vor einigen Jahren haben die Institutsmitarbeiter bei einem Versuch in einem Pflegeheim von den Pflegekräften erfragt, wobei ihnen der Roboter helfen könnte und haben dies dann umgesetzt. „Der Care-o-bot kann beispielsweise Schmutzwäsche in den Keller bringen. Er kann alleine Aufzug fahren und findet den Weg dorthin“, beschreibt Reiser. Auch könne er nachts in den Gängen Wache halten und Senioren, die auf dem Weg zu Toilette möglicherweise nicht mehr zurückfänden, unterstützen sowie Hilfe rufen. „Er kann an einem Spender ein Glas mit Wasser holen und es den Patienten anbieten“, erzählt Reiser. Ältere Menschen vergessen oftmals, genügend zu trinken.

Sie nehmen Arbeit ab und sind lernfähig

All diese Dinge sollen die Pflegekräfte bei ihrer Arbeit unterstützen. „Die eigentliche Pflege bleibt beim Menschen, denn das hat mit Hingabe und Zuneigung zu tun“, sagt Reiser. „Der Roboter kann anstrengende Arbeiten abnehmen, damit die Pfleger noch mehr Zeit für die Bewohner haben.“ Auch in Warenlagern könne der Care-o-bot gut eingesetzt werden: Er kann zielsicher Dinge greifen und einsortieren. Bislang ist der Roboter allerdings noch relativ teuer. Je nach Ausstattung kostet er 30 000 bis 220 000 Euro.

Seit dem Frühjahr haben das Jugendhaus und das Fraunhofer eine Kooperation unter dem Motto „Forschen-Staunen-Lernen“. Für Juli ist bereits die nächste Veranstaltung geplant. Der IPA-Leiter Thomas Bauernhansl wird über Digitalisierung sprechen. Ziel der Zusammenarbeit ist, bei den Kindern früh das Interesse an den sogenannten Mint-Fächern zu wecken: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik. Der Care-o-bot jedenfalls schindet bei den Schülern des Hegel großen Eindruck. Still und staunend lauschen sie der Vorstellungssequenz des Roboters, während der von seinen Fähigkeiten berichtet. „Don’t be afraid, I’m a gentleman – Keine Angst, ich bin ein Kavalier“, sagt der Roboter und seine blau leuchtenden Augen verziehen sich zu einem Lächeln.

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