Tamara Lang (links) und Lena Stanislawsczyk wollen nicht irgendein Studium absolvieren, sondern eines, das genau zu ihnen passt. Foto: Cedric Rehman

Tamara Lang und Lena Stanislawsczyk nehmen an einem Programm teil, dass Jugendliche aus Familien mit nicht-akademischen Eltern optimal auf das Studium vorbereiten will.

Sillenbuch - Es ist die Angst, irgendwas zu studieren, die Lena Stanislawczyk und Tamara Lang, beide 16 Jahre alte Schülerinnen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, umtreibt. „Dann bist du 30 und denkst, was hast du da nur getan“, sagt Tamara Lang. Sie und ihre Mitschülerin haben sich deshalb im vergangenen Jahr für ein Stipendium der Stiftung Deutsche Wirtschaft, der Deutsche-Bank-Stiftung und anderen Trägern beworben. Nun sind sie froh, dass das Programm sie aufgenommen hat. Die beiden Gymnasiastinnen hoffen, mit der Hilfe des sogenannten „Studienkompass“ Klarheit darüber zu gewinnen, was für sie das richtige Studienfach ist.

Neben den beiden Schülerinnen des Sillenbucher Gymnasiums kommen noch 20 weitere Schüler aus der Region Stuttgart in den Genuss des Stipendiums. „Nur wir kommen direkt aus der Stadt“, sagt Tamara Lang.

Hilfe bei der Suche

Das Programm möchte eine besondere Gruppe von Gymnasiasten unterstützen: diejenigen, die in ihren Familien die Ersten sind, die ein Studium aufnehmen werden. Workshops sollen helfen, das geeignete Studienfach zu finden. Die Eltern von Tamara Lang und Lena Stanislawczyk haben beide nicht studiert. Beide Mädchen bestätigen, dass die Eltern sie ermutigen, nach dem Abitur an die Universität zu gehen. „Aber sie können uns aus erster Hand nichts über das Studieren erzählen“, sagt Lena Stanislawczyk.

In diese Lücke stoßen aus ihrer Sicht die Angebote des Studienkompass-Stipendiums. Den ersten Workshop haben die beiden Stipendiatinnen bereits hinter sich. Er diente erst einmal dem Kennenlernen der Teilnehmer, erzählen die beiden Schülerinnen. Allerdings sei es auch schon darum gegangen, sich selbst ein bisschen besser einschätzen zu können, berichtet Tamara Lang. „Das ist der erste Schritt, um zu wissen, was ich später wirklich machen will“, sagt sie. Um den richtigen Beruf zu finden, will die 16-jährige Schülerin also mehr über ihre Interessen und Motive herausfinden. Ob der Zeitpunkt für eine solche Selbstreflexion mit 16 Jahren noch etwas zu früh ist? Tamara Lang glaubt das nicht. „Viele sagen ja, ich gehe nach dem Abitur ins Ausland, um mich selbst zu finden. Dann entscheiden sie sich für irgendein Studium, damit sie einen Platz bekommen. Das ist sicher nicht der richtige Weg.“

Der Beruf soll erfüllend sein

Tamara Lang und Lena Stanislawczyk wollen es anders machen und aus einem ziemlich breit gefächerten Angebot an Studienfächern das Fach wählen, das ihnen im späteren Leben einen erfüllten Beruf ermöglicht. Die beiden haben bereits eine Vorstellung, wie sich eine solche berufliche Erfüllung anfühlt. „Es heißt, dass ich nicht nur um 9 Uhr zur Arbeit gehe und warte, dass es 5 Uhr nachmittags ist und ich wieder gehen kann“, sagt Tamara Lang. „Ich möchte jeden Tag zur Arbeit gehen und wissen, dass es ein guter Tag wird“, sagt Lena Stanislawczyk .

Sie erhoffen sich also einen Lebenssinn von der Tätigkeit, mit der sie später ihren Unterhalt verdienen. Beide verneinen aber, dass nur ein Beruf, für den es ein Studium braucht, wirklich erfüllend sein kann. „Das ist auch das Gute an dem Stipendium: Wenn am Ende herauskommt, dass eine Ausbildung eher passt, ermutigen sie uns auch dazu“, sagt Tamara Lang. Der Zuspruch an sich scheint ihr und ihrer Mitschülerin bei ihrer Suche nach dem richtigen Weg in die Zukunft auf jeden Fall schon viel wert zu sein.

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