Schrottlaster im Rems-Murr-Kreis Rollende Zeitbomben

Von Phillip Weingand 

Kaputte Lenkung, gerissene Bremsscheiben an allen Achsen: Immer wieder entdeckt die Backnanger Verkehrspolizei erschreckende Mängel an Lastwagen. Zuletzt am Mittwochnachmittag.

Waiblingen - Die Liste der Mängel ist lang: Eine lose Auspuffanlage, eine mangelhafte Lenkung, ein leckender Motor, eine beschädigte Luftfederung und abgefahrene Reifen. All dies – und noch einiges mehr – haben Polizisten vom Verkehrskommissariat Backnang am Mittwochnachmittag an einem einzigen Lastwagen entdeckt. Eine Weiterfahrt war aus Sicht der Ordnungshüter unmöglich: „Am Sattelauflieger waren auf allen Achsen die Bremsscheiben mehrfach gerissen. Je nach Beladungszustand hätte dies zu einem Bremsversagen führen können“, heißt es im Polizeibericht.

Damit nicht genug: Offenbar hatte der Fahrer des ukrainischen Lastwagens auch an seinem digitalen Fahrtenschreiber manipuliert. Auf diese Weise versuchen immer wieder Kraftfahrer, die vorgeschriebenen Ruhezeiten zu umgehen. In diesem Fall die vorerst letzte Fahrt daher zur Kfz-Prüfstelle nach Weinstadt. Dort bestätigte ein Gutachter die schwerwiegenden Mängel an dem Laster. Der Unternehmer muss nun ein Bußgeld von 3000 Euro bezahlen, ehe er wieder Zugriff auf seinen Sattelzug erhält. Der Fahrer kam mit 75 Euro Bußgeld davon. Er darf erst weiterfahren, wenn die Mängel beseitigt sind.

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In unregelmäßigen Abständen kontrolliert die Polizei Lastwagen, die über die Straßen der Region rollen – und stößt dabei immer wieder auf erschreckende Versäumnisse von Unternehmen und Fahrern. Erst im April diesen Jahres hatten die Spezialisten einen tschechischen Schwertransport aus dem Verkehr gezogen, der schwankend und mit Rissen im Auflieger 21 Tonnen Betonteile transportiert hatte.

Für ihre Arbeit sind die Backnanger Polizisten mit einem Spezialtransporter ausgerüstet: In dem schwer beladenen Mercedes Vito steckt unter anderem eine mobile Radlastwaage, mit der die Polizisten prüfen können, ob ein Laster überladen ist – und Werkzeug, mit dem sie die manchmal komplett festgerosteten Nummernschilder abnehmen können. Und das müssen sie oft: Die Beamten haben ein echtes Bauchgefühl, welchen Laster sie kontrollieren sollten. Haben sie einen Truck einmal zur Untersuchung auf einen Parkplatz gelotst, stehen die Chancen neun zu eins, dass sie Mängel finden, die es aus ihrer Sicht rechtfertigen, eine Weiterfahrt zu verbieten.

Erst vor einer Woche gab es einen tödlichen Lkw-Unfall

Eine Statistik darüber, wie viele Lastwagen die Polizei jährlich aus dem Verkehr zieht, gibt es laut einem Sprecher keine. Fest steht aber: „Solche Kontrollen sind die Kernaufgabe unserer Überwachungstrupps.“ Die Aufgabe sei immens wichtig: „Laster mit solchen schweren Mängeln sind eine riesige Gefahr.“ Auch Verstöße gegen die Lenkzeiten seien keine lässliche Sünde, sondern könnten böse enden.

Erst in der vergangenen Woche hatte sich auf der A 7 im Raum Aalen ein tragischer Unfall ereignet, bei dem ein Pannenhelfer von einem aus der Spur geratenen Lastwagen erfasst und tödlich verletzt worden war. Die genaue Ursache dieses Unfalls ist zwar noch nicht geklärt – dennoch zeigt der Fall: Dort, wo zig Tonnen Gewicht im Spiel sind, spielt die Sicherheit eine besonders große Rolle.

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