Vor 90 Jahren war Bruno Frank ein Literaturstar. Sein Theaterstück „Sturm im Wasserglas“ kam damals in Starbesetzung in die Kinos. Eine Erinnerung.
Stuttgart - Es hat entweder mit ausgeprägtem Spürsinn oder einfach nur mit Zufall zu tun, in Stuttgart an den Schriftsteller Bruno Frank erinnert zu werden. In seiner Heimatstadt fristet er als Namensgeber einer Heumadener Wohnstraße ein postmortales Schattendasein. Und so hoch wie das Gedenkschild an seinem Geburtshaus in der Silberburgstraße 159 angebracht ist, fällt es auch nicht gerade ins Auge. Dabei war Bruno Frank eine der auffälligsten Figuren im Literaturbetrieb der Weimarer Republik.
Heute würde man im Fall von Bruno Frank vom einem Starautoren sprechen. Seine großbürgerliche Herkunft, das charmante Auftreten, die ausgelebte Leidenschaft für schöne Frauen und der Hang zum Glücksspiel füllen in den 1920er und frühen 1930er Jahren die Klatschspalten. Den Feuilletons liefert er ebenso jede Menge Stoff. In seinem Werk finden sich Gedichte ebenso wie zeitgenössische und historische Romane, dazu Novellen, Dramen und Komödien.
Der Hauptdarsteller nimmt sich das Leben
Seinen größten Erfolg feiert Bruno Frank vor 90 Jahren. Anfang 1931 kommt sein locker-leichtes Theaterstück „Sturm im Wasserglas“ als Spielfilm unter dem Titel „Die Blumenfrau von Lindenau“ in die Kinos. Zu dieser deutsch-österreichischen Koproduktion liefert Bruno Frank auch das Drehbuch. In der Hauptrolle ist der damalige Publikumsliebling Paul Otto zu sehen. Die Menschen strömen in die Vorstellungen. Der ebenfalls in Vergessenheit geratene Paul Otto nimmt sich 1943 zusammen mit seiner Frau das Leben. Nachdem herausgekommen war, dass der von den Nazis zunächst hofierte Berliner Staatsschauspieler jüdische Wurzeln hat, soll das Ehepaar deportiert werden.
Auch Bruno Frank war Jude. So wie für Paul Otto spielte der Glauben für ihn aber keine Rolle. Schon Franks Eltern, die zur besseren Stuttgarter Gesellschaft gehörten, waren nicht religiös. Sein Vater war Miteigentümer des Privatbankhauses Gebrüder Rosenfeld in der Kronprinzenstraße und Förderer verschiedener Kultureinrichtungen. Der 1887 geborene älteste Sohn von fünf Geschwistern besuchte zunächst das Karls-Gymnasium in der Tübinger Straße. Das Abitur machte Bruno Frank auf dem ebenfalls humanistischen Eberhard-Ludwigs-Gymnasium. Die Familie hatte sich im Stuttgarter Westen mittlerweile ein Haus gekauft, in der Forststraße. Bruno Frank studierte seinem Vater zuliebe Jura, unter anderem in Tübingen. Mit weitaus größerem Interesse beschäftigte er sich aber mit Literatur. „Er hatte auch nach dem Studienabschluss nie die Absicht, einen bürgerlichen Beruf zu ergreifen“, berichtet Sascha Kirchner, der 2009 die Bruno-Frank-Biografie „Der Bürger als Künstler“ verfasst hat. Und als solcher schrieb Frank zu Beginn des 20. Jahrhunderts erste Gedichte und Erzählungen.
Obwohl Bruno Frank sowohl Pazifist also auch ein Bewunderer Frankreichs war, sah er es als seine Pflicht an, sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs freiwillig zu melden. Aufgrund chronischer Krankheiten wurde er bald vom Militärdienst befreit und ließ sich zunächst am Starnberger See und dann in München nieder. Dort war ihm Thomas Mann erst Nachbar, dann enger Freund. Der Literaturnobelpreisträger förderte Bruno Frank, nachdem Mann als Juror eines Literatur-Nachwuchswettbewerbs schon früh auf ihn aufmerksam geworden war.
In weiser Voraussicht Deutschland früh verlassen
Mit historischen Werken über Friedrich den Großen und den spanischen Nationaldichter Cervantes brachte es Bruno Frank selbst zu literarischen Ruhm und auch zu Geld, um gut von der Kunst leben zu können. Die Ehe mit Liesl Pallenberg, Tochter der damals bekannten Operettensängerin Fritzi Massary, soll dann deutlich mehr Stabilität in das Privatleben des Schriftstellers gebracht haben. Das Haus der Franks im gediegenen Bogenhausen wurde zu einem beliebten Künstlertreffpunkt. In München erlebte das Ehepaar aber auch hautnah und mit Abscheu Adolf Hitlers Aufstieg vom Brauhaus-Agitator zum Reichskanzler.
Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 verlassen die Franks in weiser Voraussicht Deutschland. Über Zwischenstationen in der Schweiz, Südfrankreich und England landen sie mit ihren drei Pudeln in den USA. Bruno Frank wird im kalifornischen Exil Mitbegründer der deutschen Sektion des Autorenverbunds P.E.N., während in der Heimat sein ganzes Werk auf der „Liste schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ aufgeführt ist. 1938 wird ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.
Nach Deutschland kehrt Bruno Frank nicht mehr zurück. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs stirbt er am 20. Juni 1945 in seinem Haus in Beverly Hills mit nur 58 Jahren. Er erwacht nicht mehr aus dem Mittagsschlaf. Die Trauerfeier findet im Haus des ebenfalls emigrierten Thomas Mann in Pacific Palisades statt. Der verabschiedet sich dort von seinem „klugen, heiteren, zuverlässigen schwäbischen Wegbegleiter“.