Schorndorferin gründet Feuerwehr in Paraguay Der Traum von der eigenen Feuerwehr hat sich erfüllt

Von Isabelle Butschek 

Zurzeit ist Maria-Elena Dubberke zu Besuch im Schorndorfer Teilort Miedelsbach. Dort ist sie aufgewachsen, mittlerweile lebt die 17-Jährige in Paraguay. Foto: Jan Potente
Zurzeit ist Maria-Elena Dubberke zu Besuch im Schorndorfer Teilort Miedelsbach. Dort ist sie aufgewachsen, mittlerweile lebt die 17-Jährige in Paraguay. Foto: Jan Potente

Im vergangenen Herbst ist die begeisterte Jugendfeuerwehrlerin Maria-Elena Dubberke aus Schorndorf mit ihrer Familie nach Paraguay ausgewandert. Im Gepäck hatte die 17-Jährige ein Löschfahrzeug, Helme, Schläuche und den Plan, eine eigene Wehr zu gründen. Das hat sie inzwischen geschafft.

Schorndorf - Seit Sonntag ist Maria-Elena Dubberke wieder da. Zum ersten Mal, seit sie im vergangenen Oktober mit ihrer Familie nach Paraguay ausgewandert ist, besucht sie ihre alte Heimat Miedelsbach. Und – wie könnte es anders sein – als erstes hat sie am Montagabend ihre ehemaligen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr getroffen. Zu berichten hat die 17-Jährige so einiges. Denn sie hat es tatsächlich geschafft: Seit Ende August gibt es in Carlos Pfannl, einem Teil der deutschen Kolonie Independencia, eine Freiwillige Feuerwehr.

Den erste Einsatz hat die neue Feuerwehr schon absolviert

Dafür hat sich Maria-Elena Dubberke unermüdlich eingesetzt. „Am längsten hat es gedauert, den ganzen Papierkram zu erledigen, weil immer wieder etwas gefehlt hat und weil wir ein komplettes Reglement abgeben mussten, das von mehreren Stellen durchgelesen und beglaubigt werden musste“, erzählt sie, die es selbst noch gar nicht richtig realisiert hat, dass ihr Traum Wirklichkeit geworden ist: „Als das Schreiben kam, wurde ich gerade zu einem Flächenbrand gerufen, da war nicht viel Zeit“, erzählt sie und lacht.

Auch viele andere Bürger von Carlos Pfannl dürften erstaunt darüber sein, dass die junge Frau ihren Plan umgesetzt hat. „Einige haben mir gut zugesprochen, andere waren sehr skeptisch. Denn es hat schon einmal in einem Teilort eine Feuerwehr gegeben, aber die hat sich aufgelöst“, erzählt sie – weil es keine Disziplin gegeben habe, weil manche Mitglieder offensichtlich korrupt waren. „Die sind manchmal einfach nicht gekommen, wenn es gebrannt hat.“ Maria-Elena Dubberke weiß, dass sie nun für Vertrauen in die neue Feuerwehr kämpfen muss. Aber mit dem ihr eigenen langem Atem dürfte das kein Problem sein.

Vor der Abreise nach Paraguay viele Spenden für Feuerwehr gesammelt

Denn um ihr Ziel zu erreichen, hat sie schon vor ihrer Abreise nach Paraguay über eine Fund-Raising-Plattform Geld gesammelt, um ein altes Tanklöschfahrzeug zu kaufen. Dieses kam zwei Tage vor Weihnachten in Paraguay an. Andere Ausrüstung wie Helme, Uniformen oder Schläuche bekam sie von anderen Freiwilligen Feuerwehren gespendet. Immer noch ist die Unterstützung groß, erst vor kurzem hat sie eine Pumpe sowie 15 Flammschutzhauben entgegengenommen.

Außerdem hat sie in Paraguay schon einige Mitstreiter gefunden: Sieben Jugendliche haben sich für eine Jugendfeuerwehr gefunden, acht Erwachsene machen bei der aktiven Abteilung mit. „Wir fangen aber erst jetzt richtig zu suchen an und wollen ab Herbst eine eigene Grundausbildung vor Ort anbieten.“ Bei einer großen Messe will sich die Feuerwehr mit einem Stand präsentieren. Ein Gebäude gibt es auch schon: Man kommt in der ehemaligen deutschen Schule unter.

Die Technik ist in Paraguay gleich, der Umgang ein anderer

Sie selbst absolviert zurzeit die Grundausbildung der Feuerwehr und fährt dafür jedes Wochenende in die nächstgrößere Stadt. „Von der Feuerwehrtechnik gibt es keine großen Unterschiede zu Deutschland, aber der Aufbau ist ziemlich anders, sehr paramilitärisch“, berichtet sie. Liegestützen gehörten genauso dazu wie das Einüben von Formationen und ein manchmal sehr rauer Umgangston. „Das soll einen darauf vorbereiten, die Nerven zu behalten.“

Die Feuerwehrpläne haben das Heimweh gelindert

Die 17-Jährige ist froh, dass sie in Paraguay ihre Leidenschaft ausleben kann. „Ich glaube, ohne die Feuerwehr und die ganze Arbeit für die eigene Gruppe hätte ich ziemlich Heimweh gehabt. Das hat mich sehr gut abgelenkt“, erzählt sie. Weil die Anerkennung ihrer Zeugnisse zu lange gedauert hatte, konnte sie bisher nicht in die Schule gehen und war eigentlich nur daheim. „Aber da gibt es viel zu tun, wir haben viele Tiere.“ Gerade die viele Natur gefalle ihr gut. Was ihr fehlt? „Discounter. Hier kostet das Nutellaglas vier Euro. Deswegen werde ich wahrscheinlich meinen ganzen Koffer damit vollpacken“, sagt sie und lacht.

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