Die Stadt Schorndorf entgegnet den Vorwurf, dass zu wenige Baugebiete erschlossen würden (Symbolfoto). Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Eine Gruppe Grundstücksbesitzer möchte verkaufen. Doch die Stadt Schorndorf mahnt zur Geduld – und wehrt sich gegen den Vorwurf, zu wenig Baugebiete zu erschließen.

Schorndorf - Andreas Knauss bezeichnet sich als Ur-Schorndorfer – obwohl er bereits seit mehr als 30 Jahren in Essingen wohnt. Unfreiwillig. „Ich wollte nach dem Studium unbedingt in Schorndorf bleiben, habe mich dann zwangsweise im Ostalbkreis niedergelassen.“ Anfang der 1980er Jahre wollte Andreas Knauss sein Eigenheim bauen, auf einem Stück Land, das sich neben bestehender Bebauung an der Schillerstraße befindet.

Die Bauvoranfrage wurde abgelehnt. Genauso war es bereits 1955 seinen Eltern ergangen, und auch die Anfrage seiner Tochter vor etwa acht Jahren wurde negativ beschieden. Sie wohnt inzwischen in Sindelfingen. „Ich bin gespannt, ob es meine Enkel einmal schaffen, hier zu bauen“, sagt Andreas Knauss.

Fast 30 Besitzer teilen sich die Fläche

Besagtes Grundstück befindet sich am Rand der sogenannten Oberen Straßenäcker. Das Gewann besteht aus Äckern, Feldern und Streuobstwiesen und ist zum großen Teil Bauerwartungsland. Insgesamt fast 30 Besitzer teilen sich die sechs Hektar Fläche zwischen der Schillerstraße und dem Hegnauhofweg. Sie eint ein Wunsch: „Wir wollen verkaufen“, sagt Andreas Knauss. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sie sich zu einer Interessensgemeinschaft zusammengetan.

Der Bedarf sei doch da, meint Andreas Knauss: „Es gibt 300 Antragsteller, die Bauland in Schorndorf suchen – und nichts von uns wissen“, berichtet er. Ihren Verkaufswunsch hat die Interessengemeinschaft bereits der Stadtverwaltung mitgeteilt. „Wir haben eine Abfuhr bekommen“, sagt Andreas Knauss, der eine Firma für griechisches Olivenöl führt.

Auch an die Fraktionen des Schorndorfer Gemeinderates haben sich die Grundstücksbesitzer gewandt: „Wir hatten das Gefühl, dass sie zuerst durchaus positiv angetan waren. Aber dann haben wir keine Antworten mehr bekommen“, sagt der 63-Jährige, der das nicht verstehen kann.

Bereits ein Baugebiet in Arbeit

Gabriele Koch ist das Anliegen der Grundstücksbesitzer durchaus bekannt. „Sie können einfach nicht abwarten“, sagt die städtische Wirtschaftsförderin und erläutert, warum die Stadt dieses potenzielle Baugebiet bisher nicht angegangen ist. So sei in unmittelbarer Nähe ein Baugebiet gleichen Namens in Arbeit: „Wir sind in den Endzügen der Umlegung“, berichtet Gabriele Koch. 75 Bauplätze sollen dort entstehen, kommendes Jahr könnte es losgehen. Bei den Grundstücken der verkaufswilligen Eigner würde es sich dagegen erst um den übernächsten Abschnitt in diesem Bereich handeln. „Wobei ich nicht weiß, ob der Gemeinderat diesem Gebiet überhaupt zustimmen würde“, sagt Gabriele Koch.

Denn auch wenn es Bebauung an den Grenzen gibt und das Gebiet im Flächennutzungsplan als Bauerwartungsland gekennzeichnet ist, würde es sich doch um Bauen im Außenbereich handeln: „Und unsere Maßgabe ist derzeit: Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Deswegen muss man sehr gute Argumente haben, um in den Außenbereich zu gehen“, sagt Koch, die um die Schwierigkeiten eines solchen Bebauungsplanverfahrens weiß: „Die Tier- und Pflanzenwelt muss für das Artenschutzgutachten ein Jahr lang untersucht werden“, nennt sie als Beispiel.

Koch: So viele Bauverfahren wie noch nie

Den Vorwurf der verkaufswilligen Grundstückseigner, die Stadt interessiere sich nicht für potenzielles Bauland, will sie nicht auf sich sitzen lassen: „Ich bin schon wirklich lange hier, und so viele Verfahren hatten wir noch nie laufen“, sagt Koch und zählt auf: Zu dem großen Neubaugebiet Schölleräcker im Teilort Weiler kämen neun Flächen, die im beschleunigten Bebauungsplanverfahren entwickelt werden sollten. Dazu stünden große Wohnbauprojekte auf dem Breuninger- und Pfleiderer-Areal an sowie mehrere neue Gewerbegebiete. „Wir haben mittlerweile auch eine Flächenmanagerin, die gezielt nach Baulücken und leer stehenden Gebäuden sucht, damit wir weniger nach außen müssen“, sagt Gabriele Koch und betont: „Wir können auch nicht ständig neue Verfahren anfangen, sondern müssen erst einmal die alten Verfahren fertig machen.“

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