Im Dampf der Duschen können gefährliche Keime stecken. Foto: Gottfried Stoppel

270 000 Euro hat die Stadt Schorndorf in die Sanierung zweier Sporthallen gesteckt – man will damit einer Gefährdung durch die Legionärsbakterien möglichst ausschließen.

Schorndorf - In den Duschen der Turnhallen zweier Schorndorfer Teilorte passiert seit Neustem Geisterhaftes. Mitten in der Nacht beginnen in der Schornbacher Brühlhalle und im Buhlbronner Bürgerzentrum die Heizungsanlagen zu rumoren, bis sie unter Hochtemperatur von rund 80 Grad stehen. Automatisch schalten sich dann die Duschen an, laufen einige Minuten und drehen sich selbst wieder ab. All das geschehe zum Schutz vor gefährlichen Keimen, wie Steffen Schultheiß, der Chef des Amtes für Gebäudemanagement, erläutert. Legionella pneumophila, die Erregerin der Legionärskrankheit, soll keine Chance bekommen, sich einzunisten.

Vor zwei Jahren ist die neue Trinkwasserverordnung in Kraft getreten – seit 2013 müssen auch in allen Duschen von Hallen, welche die Stadt Schorndorf betreibt, jährlich Proben gezogen werden. Die Kontrolleure seien dabei „auf Befunde, welche die geforderten Grenzwerte überschreiten“, gestoßen, sagt Steffen Schultheiß. Man habe handeln müssen – entweder manuell oder über eine technische Lösung.

Die manuelle Lösung führte zu einigem Personaleinsatz. Die für die gefährdeten Hallen zuständigen Hausmeister mussten frühmorgens oder spätabends, wenn die Hallen nicht genutzt wurden, die Warmwasserspeicher auf 70 bis 80 Grad erhitzen, die Brausen drei bis fünf Minuten laufen lassen und danach die Temperatur messen. Zeigte das Duschwasser weniger als 65 Grad, musste alles wiederholt werden – Schutzkleidung war dabei Pflicht. Hätte man in den Hallen nichts verändert, so wären pro Jahr allein für das Spülen seitens der Hausmeister 80 Stunden extra zu leisten gewesen, rechnet Schultheiß vor – das ergäbe zwei Extrastellen nur für die Legionellenvorsorge.

Deswegen hat man sich in Schorndorf nun für die technische Lösung entschieden, die freilich erst einmal auch ins Geld geht. Dem Gemeinderat sagte Schulheiß zu, immerhin nicht mehr als 300 000 Euro zu investieren – was allerdings gerade für zwei größere Hallen ausreichte. Dort mussten nicht nur Armaturen, Rohre, Isolierung und die Pufferspeicher erneuert werden – auch die Heizleitungen, ihre Regler und Pumpen waren umzurüsten, und der Verbrühschutz muss für die Zeit der Spülung deaktiviert werden. Obendrein mussten Fließen abgenommen und wieder erneut festgeklebt werden.

Im vorigen Jahr sind die Miedelsbacher Tannbachhalle und die Weilermer Bronnbachhalle auf diese Weise saniert worden, was 290 000 Euro kostete. Die Erneuerung der Schornbacher Brühlhalle und des Buhlbronner Bürgerhauses, die von Mai bis Juli erledigt worden sind, hat zusammen 270 000 Euro gekostet. Nächstes Jahr sind die Sporthallen im Schulzentrum Süd dran, die Grauhaldenhalle sowie die neuere Johann-Philipp-Palm-Halle. In Letzterer sei der Aufwand wegen der neuen Installationen weniger groß, sagt Schultheiß.

Nach Beobachtung des Chefs des Amts für Gebäudemanagement sei die Keimgefährdung direkt damit verbunden, wie oft die Duschen in Betrieb seien. In der stark frequentierten Rainbrunnensporthalle, die eigentlich älter ist als manche der bereits sanierten Hallen, seien überraschenderweise bessere Werte gemessen worden – was daran liege, dass dort einfach häufiger geduscht werde. Für manche der selten benutzten Duschen lohne sich die aufwendige Sanierung nicht, sagt Schultheiß – dort komme ein elektrischer Durchlauferhitzer die Stadt günstiger.

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