Der Kanzler fädelt in den Emiraten, Katar und Saudi-Arabien Energiegeschäfte ein und erntet Kritik. Warum sie zu kurz greift, schreibt StN-Chefredakteur Christoph Reisinger.
Leider hat die Linke Recht: Um das Ausbleiben russischer Energieträger auszugleichen, hat Bundeskanzler Olaf Scholz auf seiner Reise durch die Golf-Monarchien Geschäfte „mit blutigen Diktatoren“ eingefädelt. Das ist mehr als ein Schönheitsfehler. Besonders im Fall Saudi-Arabiens – schließlich bilden die islamistische Staatsideologie, Geld und Attentäter aus diesem Land in weiten Teilen der Welt ein Fundament des dschihadistischen Terrorismus.
Was Deutschland nicht durchhält
Nur, bei aller berechtigten Kritik am Hofieren autoritärer Monarchen darf nicht aus dem Blick geraten: Die Regierung hat die Pflicht, Deutschlands Energieversorgung stabil zu halten. Erdgas, Flüssiggas, Öl, Wasserstoff aus den Niederlanden, Norwegen oder Amerika decken aber nicht den Bedarf des Landes. Außerdem ist zu fragen: Warum soll ein Gasimport aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ethisch problematischer sein als der Autoexport nach China? Ja, das ist bitter, aber Deutschland hält eine allein an moralischen Kategorien ausgerichtete Außenwirtschaftspolitik niemals durch.
Das kleinere Übel
Zudem gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen den Golf-Monarchien und Russland. Anders als der russische Präsident hat noch kein Herrscher am Golf frontal die Friedens- und Rechtsordnung Europas angegriffen. Eine elementare Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands und seiner Verbündeten sind sie nicht, Putin schon. Eindeutig also, welches Übel das kleinere ist.