In einem Stuttgarter Architektenhaus wohnt die „Soko“-Kommissarin Martina Seiffert (Astrid M. Fünderich) mit ihrem Mann Richard Seiffert (Stephan Schad). Foto: Bavaria Fiction

Manche TV-Kommissare leben auf einem Hausboot, manche an Bahngleisen, manche in tollen Architektenhäusern mit Pool wie die Ermittlerin der Soko Stuttgart– doch wie kommen die Kommissare an ihre Behausungen?

Stuttgart - Ob Martina Seiffert irgendwann mal im Swimmingpool vom Verbrecherjagen ausspannen wird? Wer weiß. Seit einiger Zeit könnte die Erste Hauptkommissarin der Soko Stuttgart das tun, im Garten ihres Hauses gibt’s jetzt einen kleinen Pool.

 

So fotogen das Wasser in der Sommersonne funkelt, sind es aber doch eher Farbe und Stil des Einfamilienhauses, die zur Kommissarin (gespielt von Astrid M. Fünderich) und ihrer Familie passen. „Der Ehemann der Soko-Kriminalkommissarin Martina Seiffert ist Architekt“, sagt Dominic Hauschild, Szenenbildner bei der ZDF-Serie „Soko Stuttgart“. „Und so war es damals bei der Auswahl des Objekts wichtig, dass es zum einen in architektonischer Hinsicht auffallend ist und zum anderen in die Gehaltsklasse des Ehepaars passt.“

Das mit 140 Quadratmetern tatsächlich nicht überdimensionierte Einfamilienhaus steht auf der Stuttgarter Halbhöhe in Stuttgart und wird normalerweise von der vierköpfigen Familie der Architekten Katrin und Thilo Holzer bewohnt. Doch wie kam die Fernsehkommissarin zu dem Haus? Klingelte eines Tages einfach einer vom Fernsehen an der Tür? So in der Art, sagt Thilo Holzer.

Das Haus aus den 1930 Jahren war wegen seines gelungenen Umbaus in Architekturzeitschriften abgebildet worden. In einer muss auch der Szenenbildner von Soko Stuttgart gelesen haben. Thilo Holzer: „Irgendwann klingelte es, und die Produktionsfirma fragte an.“

Die Architekten räumen ihr Haus für die Fernsehkommissarin

Für den ersten Dreh packten die Holzers ihr komplettes Mobiliar quer über die Terrasse in den Abstellraum, der sich oberhalb der Garage befindet, denn es musste der Einzug der Kommissarin gefilmt werden. Weil es bei den Holzers ziemlich schick ist – wenige, schöne Designerstücke, kein Nippes – bleiben seither die Möbel drin, wenn die Filmleute an ein bis zwei Tagen Szenen für mehrere Folgen drehen.

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Bei dem Umbau wurde aus kleinen Räumen ein großes Koch-, Ess- und Wohnzimmer. „Der offene Wohn- und Kochbereich mit der großen Fensterfront zur Terrasse eignet sich hier sehr gut“, sagt Dominic Hauschild: „Es ist immer schön, wenn man viel in einem Raum erzählen kann und auch das Spiel zwischen innen und außen gut funktioniert.“

Ein Hausboot auf dem Neckar und im Studio

Während hier Haus und Interieur am selben Ort sind, wird bei anderen Wohnorten schon mal kombiniert. Das Hausboot von Martina Seifferts Kollegen Joachim Stoll (Peter Ketnath) befindet sich auf dem Neckar. Im Inneren des Bootes wird aber nie gefilmt, schlicht weil es kein Hausboot ist. Die Szenen werden im Studio auf dem Römerkastell gedreht. Beim „Tatort“ ist es ähnlich: der ARD-Krimi wird in Baden-Baden produziert, die Häuser und Wohnungen werden von einem Scout oder dem Szenenbildner selbst gesucht.

„Alles, was nicht ortsspezifisch speziell ist, wird im Raum Baden-Baden gedreht, in Stuttgart dann die Außenmotive, Blicke über den Kessel oder Straßen, besondere Gebäude auch“, sagt die für den Stuttgarter „Tatort“ zuständige SWR-Redakteurin Brigitte Dithard.

Private Szenen funktionieren nicht immer

So oder so: Für eine Serie wie „Soko“ sind derlei private Szenen wichtig, für Krimiformate wie den „Tatort“ sieht es anders aus. Da pro Jahr nur zwei Stuttgart-„Tatorte“ gedreht werden, ist es schwieriger, eine private Erzählung aufrechtzuerhalten. So auch bei den Stuttgarter Kommissaren Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare). Lannert war schon lange nicht mehr mit seiner Nachbarin zu erleben. Und Bootz, der zu Anfang öfter daheim mit der Familie zu sehen war, wurde irgendwann von seiner Frau verlassen.

„Eine Zeit lang“, so „Tatort“-Redakteurin Brigitte Dithard, „war Bootz dann in einer Unterkunft parallel zu Bahngleisen zu sehen.“ Passt ja auch für einen Single, der Unterhalt zu bezahlen hat. Doch sei es auch eine bewusste Entscheidung gewesen, das Privatleben der Kommissare nicht mehr ausführlich zu zeigen, sagt Brigitte Dithard: „Szenen wie bei Lannert mit der Nachbarin, der er zuletzt mal einen Ikea-Schrank aufgebaut hat, laufen sich tot. Sofern die Frauen nicht gerade tragende Rollen bei der Entwicklung des Falles zum Beispiel haben, ist das für die Schauspielerinnen ja auch langweilig.“

Schön und realistisch soll es sein

Ob eine Wohnung bei den Bahngleisen oder ein schickes Haus auf der Halbhöhe für vermögende Opfer oder Täter, in der Regel findet ein Scout oder der Szenenbildner selbst das Passende. Oft schöne große Altbauwohnungen, geräumige Einfamilienhäuser. Der Vorwurf, die Behausungen seien zu groß, zu schick, „der begegnet uns öfter“ sagt Brigitte Dithard. „Das stimmt manchmal auch, hat aber verschiedene Gründe: Die Regie möchte einen Film drehen, der gut aussieht. Wir als Redakteure wollen das auch, wir schauen aber auch darauf, ob das glaubwürdig ist, und manchmal intervenieren wir. Ideal ist ein gutes Miteinander, dass es so schön wie realistisch wie möglich aussieht.“

Und manchmal gibt es handfeste Gründe für größere Räumlichkeiten: „Regie und Aufnahmeleitung sagen: wir brauchen Platz, für Licht, Kamera und die ganze Crew.“

Die Frage indes, Pool ja oder nein, wäre zumindest bei der Kommissarin der Soko Stuttgart keine, die mit dem Platz zu tun hat. Der Garten wäre schon groß genug für die Crew. Vielleicht bekommt die Kommissarin mal eine Gehaltserhöhung, damit der Pool zur Geschichte passt. Oder noch realistischer ihr Mann, der Architekt, erhält einen lukrativen Auftrag, gebaut wird ja in letzter Zeit genug - in Stuttgart und anderswo.

Hintergründe und Plattform

So finden Szenenbilder ihre Objekte
 „Egal ob bei Motiven für Opfer, Tatverdächtige oder Tatpersonen – wir greifen auf unser großes Archiv zurück, bei speziellen Anforderungen beginnt jedoch die Suche meist im Internet“, sagt Dominic Hauschild, Szenenbildner bei Soko Stuttgart. „Wenn wir etwa eine Kanzlei, einen Friseur oder einen Supermarkt suchen, recherchieren wir zunächst digital, wo es etwas Passenden geben könnte. Wenn uns das Objekt auf der Internetseite dann geeignet und spannend vorkommt, fragen wir an, ob generell überhaupt Dreharbeiten möglich wären.“

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