Der Viertelstunden-Takt der Schönbuchbahn rückt in greifbare Nähe, nach den Sommerferien soll es so weit sein – wenn das Eisenbahnbundesamt mitspielt.
Viel ist die Schönbuchbahn gescholten worden, doch jetzt gibt es Nachrichten, die nicht nur neu sind, sondern auch gut: Weswegen in der Sitzung des Zweckverbands Schönbuchbahn am Mittwoch Marucs Brüning, dem deutschen Geschäftsführer der CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles), dem spanischen Zughersteller mit Firmensitz in München, ein Lob ausgesprochen wurde: „Eine seltene Orchidee“, sagte dazu der Landrat Roland Bernhard.
Der Grund für die Preziose: Die Schönbuchbahn könnte nach Ende der Sommerferien in den seit Jahren geplanten 15- Minuten-Takt zwischen Böblingen und Holzgerlingen treten. „Das ist aber kein offizieller Termin“, warnte der Landrat vorsorglich. Es sei ein Zeitplan, der funktionieren könne, wenn das Eisenbahnbundesamt mitspiele.
Die Räder werden alle zwei Wochen kontrolliert
Gerade fahren sechs Züge auf der Strecke von Böblingen nach Dettenhausen und zwei dienen als Reserve, was für einen 15-Minuten-Takt noch nicht ausreicht. Es kommen nicht mehr Züge in den Einsatz, weil sie ständig in die Werkstatt müssen, um die Räder zu kontrollieren. Diese Räder müssen zur Zeit noch nach sieben Millimetern Verschleiß ausgetauscht werden, weswegen die Drehgestelle der Wagen nach Spanien geschickt werden zum Räderwechsel.
Das war eine der Voraussetzungen, warum die neuen Nexio-Züge des spanischen Herstellers CAF nach monatelangem Hickhack mit den deutschen Behörden genehmigt werden konnten.
Die CAF hat versucht, auch in Deutschland einen Anbieter zu finden, der Räder tauscht, aber das hätte noch mehr Zeit gebraucht als die Reise nach Spanien, erklärte Marcus Brüning, der Chef von CAF Deutschland, in der Versammlung. Zusätzlich bedeutet es auch einen extremen Zeitaufwand für das Wartungspersonal, weil die Räder alle 14 Tage geprüft werden müssen.
Die Schönbuchbahn schafft den 30-Minuten-Takt stabil
Etwa vier Monate lang dauert diese extra Prüfung, etwa bis Ende Juli. Dann können die Räder auf die normale Verschleißgrenze von 60 Millimetern Abrieb abgefahren werden und können dann etwa zweieinhalb Jahre im Einsatz bleiben.
Wenn man noch vier Wochen für die Umstellung der Software rechnet, dann wäre also der 15-Minuten-Takt nach den Sommerferien Mitte September möglich. Zwar sei man gerade noch im 30-Minuten-Takt, aber der laufe stabil, resümierte Marcus Brüning. Um das zu erreichen, hatte sich die CAF auf Druck des Landkreises stark angestrengt. Das Wartungsteam wurde von 9 auf 18 Mitarbeitern verdoppelt, ein sehr erfahrener Instandhaltungsingenieur wurde dem Team zugeteilt, und die Bremskraft der Züge wurde etwas verringert, um den Abrieb geringer zu halten.
„Blamabel“, sagt der Landrat
Ein enormer Aufwand, der natürlich die Fragen nach den Kosten aufwarf, „Wer zahlt den Rädertausch?“, wollte der Kreisrat Klaus Finger (CDU) wissen. „Die CAF“, sagte die CAF. Der Dettenhausener Bürgermeister Thomas Engesser hieb in die gleiche Kerbe: „Wer zahlt den Schienenersatzverkehr?“ „Nach unserer Rechtsauffassung die CAF“, sagte der Landrat Roland Bernhard, was die CAF wiederum bestätigte. Von den vorangegangenen Differenzen war in dieser Sitzung nicht mehr viel zu spüren. Man war sich einig, auch in der Bewertung der Vergangenheit: „Nicht schön“ wertete die CAF. „Blamabel“, nannte es der Landrat.
Im Keller des Zweckverbands stehen auch schon die neuen Fahrkartenautomaten. Sie werden in die Abteile eingebaut, weil sie auf den Bahnsteigen häufig von Randalierern zerstört werden. Das dauert allerdings noch, weil das Unternehmen zunächst die Züge komplett genehmigen lassen will. Weil das nicht sicherheitsrelevant ist, braucht das Eisenbahnbundesamt in Bonn nur eine Kenntnisnahme, die Anfang November erfolgen soll. Bis Weihnachten sind dann die Ticket-Spender an Bord.
„Lächerlich“, sagt der Bürgermeister
Warum man für die Automaten noch das Amt brauche, wollten die Mitglieder des Zweckverbands wissen, „Das liegt am Gewicht, das jetzt größer geworden ist um 160 Kilo“, sagte Marcus Brüning. „Das ist ja lächerlich“ fand Thomas Engesser. „Absolut“ ergänzte der CAF-Mann, „das ist ein gutes Beispiel um zu verdeutlichen, was wir mit der Behörde durchmachen.“
Schönbuchbahn
Langer Anlauf
Die Inbetriebnahme der neuen Elektro-Züge der Schönbuchbahn gleicht einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen. Ursprünglich sollten 2021 bereits die Züge zwischen Böblingen und Dettenhausen fahren, doch es gab enorme Probleme bei der Zulassung. Ab Mai 2024 wurden die Starttermine dann immer wieder angekündigt und verschoben.
Stotterstart
Im Sommer 2025 gingen die Züge der Firma CAF endlich auf die Strecke. Doch im Betrieb gab es immer wieder Pannen, insbesondere mit den Bremsen. Im Februar 2026 eskalierte die Lage, der Betrieb stand still. Die CAF besserte daraufhin mit größerem Aufwand nach, seitdem fahren die Bahnen im Halbstundentakt.