Auch Schulen im Kreis Böblingen trifft der Ausfall der Schönbuchbahn hart. Foto: Eibner/Edward Cheung

Viele Schülerinnen und Schüler im Kreis Böblingen sind auf die Schönbuchbahn angewiesen. Deren monatelange Unzuverlässigkeit hat gravierende Folgen für manche Schulen.

Der Ausfall der Schönbuchbahn zieht weite Kreise. Vor ein paar Tagen zog der Landrat die Reißleine und setzte den Betrieb der Bahnen für Februar komplett aus. Die Betroffenheit unter den Pendlern und Pendlerinnen ist hoch – erst zuletzt hatten sich drei Jugendgemeinderäte in einem gemeinsamen Statement über die Situation beschwert. Eine Schulleiterin aus dem Kreis Böblingen ist sogar davon überzeugt, dass sich weniger Familien für ihre Schule entscheiden, weil die Anbindung mit dem ÖPNV zu kompliziert ist.

 

Bis Ende Februar soll auf der Strecke der Schönbuchbahn der Schienenersatzverkehr fahren – und das nach Monaten chaotischer Zustände: Zuverlässig gefahren sind die Elektrozüge seit ihrer Jungfernfahrt im Oktober nämlich nicht. Zuletzt waren nur noch zwei Züge auf dem Gleis – um einen geregelten Zugverkehr zu gewährleisten, braucht es aber neun Züge. Bis Ende Februar hat Landrat Roland Bernhard dem Unternehmen CAF nun ein Ultimatum gestellt.

Stress, Verspätungen und verkürzte Unterrichtszeiten

Kinder, die zu spät zum Unterricht kommen, oder Stunden, die erst verspätet beginnen können, weil der Großteil der Kinder noch fehlt: Das ist am Otto-Hahn-Gymnasium in Böblingen momentan keine Seltenheit. „Die Unzuverlässigkeit der Schönbuchbahn ist für alle meine Fahrschüler eine enorme Belastung und stört auch das Unterrichtsgeschehen erheblich“, sagt Stefanie Bermanseder, die Schulleiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums in Böblingen. Ein Dauerthema ist die Unzuverlässigkeit der Schönbuchbahn auch entlang der Strecke an der Freien Evangelischen Schule in Holzgerlingen: „Durch die ständigen Ausfälle und den Schienenersatzverkehr kommt es regelmäßig zu Stress, Verspätungen und verkürzten Unterrichtszeiten“, ist aus der Schule zu hören.

Viele Familien schicken ihre Kinder auf Schulen mit besserer Anbindung

Stefanie Bermanseder nimmt kein Blatt vor den Mund: Die Verschlechterung der Anbindung ihrer Böblinger Schule führe dazu, dass sich viele Familien umorientieren. „War die Haltestelle Danziger Straße viele Jahre ein Vorteil für viele Kinder aus den anliegenden Gemeinden, wählt man nun lieber den Weg nach Herrenberg“, sagt die Schulleiterin. Die Anmeldezahlen der letzten Jahre würden dies deutlich abbilden. Von Eltern bekomme sie zu hören, dass der Schulweg einfach zu kompliziert sei.

„Wir haben Kinder, die sich zu Zeiten auf den Schulweg machen, wo manch erwachsener Arbeitnehmer noch weiterschlafen kann“, moniert Bermanseder. In den Fällen, in denen die Schönbuchbahn ausfalle, würden sich die Kinder vom Hauptbahnhof aus oder S-Bahn Haltestelle Hulb zu Fuß auf den Weg machen – ein rund 20-minütiger Fußmarsch. Im Sommer könnten einige noch aufs Fahrrad umsteigen, im Winter sei dies seltener.

Eltern bleibe in solchen Situationen oft nichts anderes übrig, als die Kinder mit dem Auto abzuliefern. Ein Umstand, der so nicht sein sollte, sagt die Schulleiterin: „Wir wollen, dass unsere Kinder den ÖPNV nutzen und nicht einzeln von Elterntaxis gebracht werden.“

Trotz vieler Beschwerden von Seiten der Eltern, den Schülern und der Schulleitung, habe sie nicht den Eindruck, dass die Schulweg-Situation am Otto-Hahn-Gymnasium und dem gesamten Schulzentrum Stockbrünnele Gehör finde. „Wir wollen, dass sich Kinder aufgrund des Profils oder der Qualität für eine Schule entscheiden können und diese Entscheidung nicht von Fahrplänen, Bauarbeiten oder Störungen abhängig machen müssen.“