Im Sommer 2025 fuhren die neuen CAF-Züge endlich – seitdem gab es etliche Pannen. Foto: Stefanie Schlecht

Die neuen Elektro-Züge der Schönbuchbahn machen weiterhin große Probleme und fahren derzeit nicht. Doch der Hersteller CAF sieht nur eine Teilverantwortung bei sich.

Seit Montag steht der Betrieb der Schönbuchbahn zwischen Böblingen und Dettenhausen still. Nachdem immer mehr Züge aus verschiedenen technischen Gründen ausgefallen waren, fahren aktuell nur noch Busse als Schienenersatzverkehr (SEV) – denn die sind wenigstens zuverlässig.

 

Für dieses Fiasko machte der Böblinger Landrat und Zweckverbandsvorsitzende Roland Bernhard (parteilos) zuletzt mit markigen Worten einmal mehr den Zughersteller CAF allein verantwortlich und will der Firma sämtliche SEV-Kosten in Rechnung stellen. Doch das spanische Unternehmen sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt, wie der deutsche CAF-Projektmanager Gerhard Ferstl gegenüber unserer Zeitung mitteilt.

CAF-Projektmanager spricht von „Kinderkrankheiten“

CAF habe inzwischen elf von zwölf bestellten Fahrzeugen an den Zweckverband Schönbuchbahn geliefert. Die Züge hätten die sicherheitsrelevanten Prüfungen erfolgreich durchlaufen und seien grundsätzlich voll funktionstüchtig. „Im realen Betrieb wurden jedoch einzelne betriebliche Kinderkrankheiten festgestellt, wie sie bei neuen Fahrzeugflotten erfahrungsgemäß auftreten können“, so Ferstl. Solche Probleme würden normalerweise in einem umfassenden Probebetrieb ohne Fahrgäste schrittweise behoben.

„Aufgrund des sehr engen Inbetriebnahmezeitplans“, so Ferstl, habe man den Probebetrieb nicht im üblichen Umfang durchführen können. „Dadurch wurden einige Punkte erst unter realen Betriebsbedingungen sichtbar, die unter normalen Testabläufen rechtzeitig identifiziert und korrigiert worden wären.“

Schönbuchbahn: Phänomen der „schlüpfrigen Schienen“

Dass einige Fahrzeuge aufgrund des feuchten Wetters nicht mehr einsatzbereit waren, hatte dem Hersteller viel Spott eingebracht – aus Ferstls Sicht zu Unrecht. Er spricht von dem saisonalen Phänomen der „schlüpfrigen Schienen“. An der Schönbuchbahn-Strecke könne es „in den Übergangszeiten aufgrund der umgebenden Waldlandschaft zu sehr hoher Luftfeuchtigkeit und vor allem im Herbst einer erheblichen Ansammlung von Laub kommen“, erläutert der CAF-Projektmanager, „diese Faktoren können die Haftung zwischen Rad und Schiene beeinträchtigen.“

Da war die Schönbuchbahn-Welt noch halbwegs in Ordnung: Gerhard Ferstl (gelbe Weste) mit Landrat Roland Bernhard (links) bei einer Probefahrt im Oktober 2024. Foto: Stefanie Schlecht

Man habe die Parameter des Bremssystems entsprechend angepasst, es müssten jedoch auch andere Faktoren berücksichtigt werden, „darunter die Erfahrung und das Können der Lokführer im Umgang mit dem Zug unter diesen Wetterbedingungen“. Insgesamt habe CAF hat „eine gründliche Analyse“ durchgeführt und „die Schlüsselbereiche identifiziert, in denen wir unsere Bemühungen verstärken und verbessern“.

Nun würden spezialisierte Ingenieure sowie zusätzliches qualifiziertes Personal im Depot Böblingen eingesetzt, um effizienter an den Optimierungen zu arbeiten. Ziel sei, dass – wie vom Zweckverband Schönbuchbahn vorgegeben – spätestens am 23. Februar mindestens sechs Nexio-Züge fahren könnten. Ferstl betont noch einmal: „Die Inbetriebnahme einer neuen Flotte ist nie ein einfacher Prozess, insbesondere unter den besonderen Umständen, die in diesem Fall vorliegen.“

Landrat kritisiert CAF scharf

Dass Landrat Roland Bernhard als Vorsitzender des Schönbuchbahn-Zweckverbands die Firma CAF zuletzt sehr scharf kritisiert und dem Unternehmen mit Entschädigungsforderungen gedroht hat, darauf will Gerhard Ferstl nicht direkt eingehen. „Die Abstimmung und Kommunikation mit dem Zweckverband verliefen bisher konstruktiv“, sagt er. „Unsere klare Priorität besteht darin, den stabilen Betrieb für alle Fahrgäste so schnell wie möglich wiederherzustellen.“ Darauf wolle man sich konzentrieren.

Dem Vernehmen nach soll es dieser Tage noch ein persönliches Krisengespräch zwischen den Parteien geben.

Schönbuchbahn-Fiasko

Langer Anlauf
Die Inbetriebnahme der neuen Elektro-Züge der Schönbuchbahn gleicht einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen. Ursprünglich sollten 2021 bereits die Züge zwischen Böblingen und Dettenhausen fahren, doch es gab enorme Probleme bei der Zulassung. Ab Mai 2024 wurden die Starttermine dann immer wieder angekündigt und verschoben.

Stotterstart
Im Sommer 2025 gingen die CAF-Züge endlich auf die Strecke. Doch im Betrieb gab es immer wieder Pannen, insbesondere mit den Bremsen. Zuletzt standen nur noch zwei funktionsfähige Fahrzeuge bereit, der Zweckverband legte den Betrieb daraufhin vorübergehend still. Es fahren Busse als Schienenersatzverkehr.