Jochen Schild hat Musik für Hollywoodfilme gemacht, mit Hans Zimmer und Helene Fischer gearbeitet. Nun hat er einen Foodtruck in seinem Heimatort Schönaich eröffnet.
„Irgendwann habe ich mir gesagt: Wenn mein Name mal auf einer goldenen Schallplatte steht, dann mache ich nen Imbiss auf!“ Jochen Schild ist es, der sich dies gesagt hat. Er wurde geboren in Böblingen, wuchs auf in Schönaich, lebte lange Zeit in den USA. Als Musiker arbeitete er mit an Blockbustern wie „Fluch der Karibik“, „Iron Man“ und „Shrek“. Zurückgekehrt nach Deutschland arbeitete er für Schlagergrößen wie Helene Fischer, Maite Kelly, Semino Rossi. Und er steht nun, jeden Dienstag von 11 bis 15 Uhr, im Schönaicher Industriegebiet in seiner Imbissbude und verkauft Currywurst, Pommes und Burger.
Die goldene Schlapplatte holte das Album „Jetzt erst recht“ von Ben Zucker, für das Jochen Schild Musik spielte, produzierte, komponierte. Den Vorsatz, seinen Foodtruck „Die goldene Schallplatte“ zu taufen, hat er nicht umgesetzt. Aber er hat den Truck „Goldfood“ genannt. In goldenen Buchstaben steht der Name auf dem Wagen.
„Die Idee“, sagt Jochen Schild, „hat mir jahrelang im Kopf herumgespukt. Ich koche leidenschaftlich gerne, ich bin begeisterter Hobbykoch, ich esse gerne, ich jage, ich mag einfach gute Lebensmittel.“ Eine Imbissbude – so nannte man Foodtrucks früher – ist kein Sterne-Restaurant. Das weiß Jochen Schild natürlich. Er hegt die allergrößte Bewunderung für große Köche, er hat Kurse besucht und viel ferngesehen. „Ich bin kein gelernter Koch“, sagt er, „aber ich habe mir viel draufgeschafft. Ich möchte mich auf wenige Sachen konzentrieren, aber die gut machen.“ Eine gute Currywurst bekommt man heute nur noch selten, will man für sie nicht nach Köln oder Berlin fahren. Jetzt findet man sie, in der Schönaicher Daimlerstraße.
In der Musikbranche ist Jochen Schild weiterhin aktiv. Er betreut die Giovanni Zarrella Show im ZDF, hat jüngst erst orchestrale Einspieler für Konzerte von Kerstin Ott geschaffen, und er tritt auf als Live-Act im Duo mit der Sängerin Isabell Plaue, die 2017 Kandidatin bei „The Voice of Germany“ war. Hier verbindet er die Musik mit seiner Leidenschaft fürs gute Essen, spielt Keyboard, singt, und trägt mit seiner Catering-Firma das Büffet auf.
So reich, dass er es nicht mehr nötig hat?
Dass sein Teilzeitwandel zum Koch und Caterer auch ganz profane Gründe hat, stellt er durchaus nicht in Abrede. Streamingangebote und Corona, sagt er, hätten die Musikbranche verändert: „Es ist schwieriger geworden. Die Verkaufszahlen sinken. Da muss man schon schauen, dass man sich ein zweites Stadtbein aufbaut. Das macht auch den Kopf frei. Manche Leute sagen nun: Ist er so reich geworden, dass er keine Musik mehr machen muss? Andere sagen: Er hat es nicht geschafft, jetzt muss er Pommes verkaufen. Ich lache über beides, weil ich weiß, dass es nicht stimmt. Ich stehe hier, weil das meine Leidenschaft ist, und weil ich sehe, dass die Musikbranche sich in eine Richtung bewegt, in der ich mich nicht mehr zu hundert Prozent wohlfühle, in die ich also auch nicht mehr hundert Prozent meiner Energie stecken will.“
So arm, dass er jetzt Currywurst verkaufen muss?
Jochen Schild ist nun 48 Jahre alt. Er denkt auch gerne zurück, an große Zeiten. „Mit 14“, sagt er, „gehst du auf die Bühne und willst ein Rockstar werden. So war das damals auch, mit meinen Bands Pjolaxy und eXact. Wir haben das ganze Land bespielt. Später habe ich auch exzessive Partys gefeiert, das war schon ein bisschen Rock’n’Roll. Und in den USA konnte ich von den Besten lernen – ich war sechs Jahre lang bei Hans Zimmer. Im SI-Center habe ich dann Keyboard im Orchester gespielt, bei Musicals wie ‚Mamma Mia‘ und ‚Wicked‘ – das war auch eine schöne Zeit. Und ich mache heute noch ungebremst Musik.“ Für die, die Hans Zimmer nicht kennen: Er ist einer der erfolgreichsten Filmkomponisten und Produzenten, zwölf Mal für einen Oscar nominiert, zweimal hat er gewonnen.
Ein wenig quatschen und lecker snacken
Bei der Zubereitung von Currywurst und Burgern gibt sich der Musiker detailverliebt. „Ich mag es, wenn es gut aussieht und schmeckt“, sagt er. „Ich verwende gute Zutaten und koche meine Soße ist immer frisch.“ In Schönaich ist er aufgewachsen, dort hat er seine Wurzeln, dort leben Familie und Freunde. „Mich freut das sehr, wenn die Leute hier vorbeikommen. Da quatschen wir ein wenig und essen was zusammen.“ Und also lässt Jochen Schild noch eine Currywurst durch die Maschine, taucht seine Kelle ein und gießt sehr gut gewürzte Soße über das Gericht.