Brigitte Sautter vom Schäferhundeverein Schönaich und ihre Hündin Asuka sind ein super Team: das haben sie zuletzt bei der Weltmeisterschaft der Rettungshunde bewiesen.
Der Wind pfeift über das Übungsgelände des Schäferhundevereins in Schönaich– irgendwo da draußen, zwischen Feld, Wald und Wiesen, sucht Asuka sonst nach einer versteckten Person. Doch heute nicht – denn es schüttet in Strömen. Heute darf es sich die Rettungshündin ausnahmsweise im Vereinsheim gemütlich machen. Freudig mit dem Schwanz wedelnd kommt die dunkle Schäferhund-Schönheit herbei gelaufen, holt sich ein paar Streicheleinheiten ab und legt sich dann brav auf den Boden zu Füßen ihres Frauchens.
Wenn Brigitte Sautter von ihrer Deutschen Schäferhündin Asuka erzählt, dann leuchten ihre Augen. Seit 16 Jahren ist die 64-Jährige im Rettungshundesport aktiv, seit acht Jahren in der Einsatzstaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes Esslingen – mit Leidenschaft, Geduld und einem feinen Gespür für die besondere Verbindung zwischen Mensch und Tier. Nun wurde ihre Arbeit auf höchstem Niveau belohnt: Gemeinsam mit Asuka hat sie bei der IRO (Abkürzung für: Internationale Rettungshunde Organisation) Weltmeisterschaft der Rettungshunde in Tschechien einen Weltmeistertitel in der Fährtensuche geholt. Einfach war das nicht – die Weltmeisterschaften gelten als sehr schwer. Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Teams beenden die Prüfungen nicht. Asuka und ihr Frauchen haben es geschafft, und so nach ihrem Vizeweltmeistertitel im vergangenen Jahr den ersehnten Weltmeistertitel gewonnen.
Mit acht Wochen mit dem Training angefangen
„So ein Hund muss schon etwas abkönnen“, weiß Brigitte Sautter. Bei der WM ging die rund 1,5 Kilometer lange Fährte durch unwegsames Gelände. „Überall waren große Distelbüsche, Kletten und Traktorspurrillen, und auch ein Bach musste überquert werden“, erzählt die Tierfreundin. Das alles hat das Team jedoch sehr gut gemeistert. Seit Asuka, die mit Spitznamen „Suki“ genannt wird, acht Wochen alt ist, trainiert Brigitte Sautter mit ihr. „Asuka ist mit sehr viel Antrieb ausgestattet“, erzählt die gebürtige Dagersheimerin, die 30 Jahre lang in Holzgerlingen gewohnt hat und vor ein paar Jahren mit ihrem Mann in den Schwarzwald nach Altensteig gezogen ist.
Ihrem Verein ist die 64-Jährige treu geblieben, trotz der langen Anfahrt. „Im Raum Altensteig gibt es keinen Verein wie den SV Schönaich“, erzählt Sautter, die als Tierarzthelferin in der früheren Holzgerlinger Praxis ihres Ehegatten Martin Sautter mitgearbeitet hat.
Trotz Wegzugs dem SV Schönaich treu geblieben
Sie lobt die Offenheit und die Unterstützung des Vereins. Im SV Schönaich ist die 64-Jährige für die Ausbildung und Förderung des Rettungshundebereichs zuständig. Und als ob das nicht schon genug wäre, hat Sautter vor acht Jahren bei der Rettungshundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) Esslingen angeheuert. Dort bildet sie zum Rettungshundeführer aus. Die Arbeit mache ihr großen Spaß, erklärt die fröhliche Tierfreundin. Rund acht bis zehn Mal pro Jahr werden sie und Asuka für Einsätze angefordert: Vermisste, Demente, Flüchtige, oder Personen, die sich in hilfloser Lage befinden. Sie können mit der feinen Spürnase der Hunde gefunden werden. „Wir suchen meist nachts, wenn Drohnen nicht zum Einsatz kommen können. Für mich ist die größte Motivation bei den Sucheinsätzen der Gedanke an die verzweifelten Angehörigen der vermissten Person“, erzählt die 64-jährige Mutter von fünf Kindern, die selbst mit Hunden groß geworden ist.
Die Nasenarbeit sei für den Hund sehr anstrengend, weiß Sautter. Um für den Ernstfall vorbereitet zu sein, trainieren Asuka und ihr Frauchen mindestens einmal pro Woche in der Fläche. Allerdings gestaltet sich das nicht so einfach. Denn vor dem Training muss die Hundeführerin jeweils Landwirte im Ort anfragen, ob die Rettungshunde auf einer der Wiesen oder Äcker trainieren dürfen. „Für unsere Trainingsarbeit sind wir auf die Hilfe der Bauern und Jagdpächter angewiesen“, betont die 64-Jährige.
2026 vielleicht der letzte große Auftritt
Im kommenden Jahr stehen für das eingespielte Team zwei weitere Höhepunkte an: die FCI WM in Slowenien und die IRO WM in Italien. Für Asuka, die im Dezember acht Jahre alt wird, werden es vermutlich ihre beiden letzten großen Einsätze sein. „2027 wird sie wahrscheinlich in den Ruhestand gehen“, verrät Frauchen Brigitte Sautter. Doch bis dahin ist sie mit ungebrochener Begeisterung bei der Sache.
Mit zwei älteren Hunden im Haus – der Bruder von Asuka lebt auch bei Sautters – und bald sechs Enkelkindern hat die Tierfreundin genug Trubel im Alltag – und doch bleibt die Leidenschaft für die Rettungshundearbeit ein wichtiger Teil ihres Lebens. Auch nach Asukas Abschied aus dem aktiven Dienst will sie als Ausbilderin weiter tätig bleiben und ihr Wissen an künftige Rettungshundeführer weitergeben. Denn für sie steht fest: Die Arbeit mit den Hunden wird sie noch lange begleiten.