Schreiben als Kunstform: Kalligraphie-Zubehör in der Ausstellung Foto: Gottfried Stoppel

„Schön Schreiben“ lautet der Titel der neuen Ausstellung im Welzheimer Museum, die am 14. Mai eröffnet. Sie geht der Geschichte der Schrift auf den Grund – mit allen Gerätschaften, die damit zu tun haben.

Welzheim - Sie sei ein Stück weit eine Reise in die Vergangenheit, sagt Roland Birkle über die neue Ausstellung „Schön Schreiben“, die am Sonntag, 14. Mai, im Museum Welzheim eröffnet. Ein Ausflug in Zeiten, zu denen das Fach „Schönschreiben“ noch auf dem Stundenplan stand, Schüler sich mit kratzenden Stahlfedern herumplagen mussten, der Tintenkiller längst nicht erfunden war und die Hausaufgaben mit Hilfe von „unzerstörbarer Deutscher Reichs-Tinte“ zu Papier gebracht wurden. Ein großes Fass derselben steht in einer Vitrine des Welzheimer Museums – sein Inhalt dürfte dem Besitzer wohl das ganze Schuljahr über gereicht haben.

Das Alphabet – eine wichtige Erfindung

Doch die Ausstellung, die Roland Birkle vom Historischen Verein Welzheimer Wald und der Rudersberger Sammler Michael Stock zusammengestellt haben, geht noch deutlich weiter zurück. Denn schon gut 3000 Jahre vor Christi Geburt ritzten die Sumerer ihre Bilderschrift in Tontafeln, trieben die Ägypter Hieroglyphen in den Stein. Das erste Alphabet mit 22 Zeichen können die Phönizier für sich reklamieren, es diente als Grundlage für viele andere. So finden sich seine ersten Buchstaben Aleph und Beth im griechischen Alpha und Beta oder im lateinischen A und B wieder. „Eine Riesenerfindung“, sagt Roland Birkle, „mit einigen wenigen Zeichen konnte man alles schreiben.“ Und ein klarer Vorteil gegenüber der ägyptischen Schrift, die bis zu 7000 Zeichen umfasste.

Da hatten es die Kinder, die einst die im Museum aufgebaute Schulbank mit integriertem Tintenfass drückten, mit 26 Buchstaben etwas einfacher. Allerdings wechselte deren Schreibweise des Öfteren – mal war die Kurrentschrift gefragt, mal die Deutsche Schreibschrift oder die von Ludwig Sütterlin entwickelte Schrift, die Kindern das Schreibenlernen erleichtern sollte. Kaum war letztere eingeführt, wurde sie per Erlass im Jahr 1941 wieder abgeschafft und durch die Deutsche Normalschrift ersetzt. Mancher Erwachsene musste deshalb nochmals neu schreiben lernen.

Eine Handschrift zeigt viel über den Schreiber

Mit welchen Gerätschaften geschrieben wurde, das ist natürlich ebenfalls ein Thema der Ausstellung. Griffel, Gänsekiel und Kalligraphie-Federn haben Roland Birkle und Michael Stock zusammengetragen, Bleistifte und Kolbenfüller oder edles Schreibgerät, das ganz aus Glas gefertigt ist. Poesiealben, Briefe und das handgeschriebene Rezeptbuch eines Bäckers zeigen anschaulich, dass eine Handschrift immens viel über ihren Besitzer aussagt.

Dass auch Nadeln als Schreibwerkzeug dienen können, beweist der Inhalt einer Vitrine gleich beim Eingang: Kunstvoll mit Buchstaben bestickte Tücher und Bettwäsche, versehen mit den Initialen der Besitzerin, sind darin zu sehen. Außerdem Zubehör wie Schablonen für die Stickerei oder Wäschetinte zum Beschriften. Schön anzuschauen sind auch die bunten Metalldosen, in denen einst Farbbänder für Schreib- und Rechenmaschinen aufbewahrt wurden.

Eine elektrische Schreibmaschine haben die Ausstellungsmacher auch aufgetrieben – ein echter Kaventsmann im Vergleich zum daneben stehenden Laptop. Ein anderes Gerät hatte Roland Birkle zunächst für eine Rechenmaschine gehalten: „Aber das ist einer der ersten PCs. Der Besitzer sagt, er hat damals 30 000 Mark dafür gezahlt.“ So ändern sich die Zeiten. Wobei manches sich doch irgendwie wiederholt. Roland Birkle weist auf ein modernes Tablet im A-4-Format und zeigt dann zur altmodischen Schüler-Schiefertafel: Die zwei sehen sich verblüffend ähnlich. Eröffnung: Die Ausstellung in der Pfarrstraße 8 ist bis 2. Juli sonntags von 11 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet, zudem am 25. Mai und 5. und 15. Juni. In der Werkstatt darf man mit Griffel, Feder und Co. schreiben, es gibt außerdem Kalligraphie-Vorführungen und Übungen.

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