Schöckingen hat eine große Dorfgemeinschaft. Damit das so bleibt, machen sich Bürger über Veränderungen Gedanken. Foto: factum/Bach

Schwächelnde Vereine und eine alternde Bevölkerung: Schöckingen geht es nicht besser als anderen Orten – aber die Bewohner des kleinsten Ditzinger Stadtteils haben viele Ideen und einen umtriebigen Ortsvorsteher. Das gibt Hoffnung.

Ditzingen - Kein Dorffest mehr? Für viele Schöckinger ist das kaum vorstellbar. Für Michael Schmid aber ist das gar undenkbar. Der Ortsvorsteher weiß um die Bedeutung der traditionellen Veranstaltung: Man nimmt sich nicht vor, dort hinzugehen, die Frage stellt sich einem Schöckinger gar nicht: Er ist dort. Doch das Fest steht und fällt mit den Vereinen. Wenn es diese nicht mehr gibt, „dann können wir das Dorffest nicht mehr machen“, konstatiert Schmid. Die beschlossene Auflösung des Obst-und Gartenbauvereins sollte nicht der Anfang einer Entwicklung sein, an deren Ende das Dorf verliert, was es ausmacht: seine Struktur, das Miteinander, die Gemeinschaft.

Großes Interesse in der Bevölkerung

Damit das Gute bleibt, wie es ist, hat die Ortsverwaltung vor wenigen Wochen zu einem Werkstatttag eingeladen. Von dem Ergebnis sind sowohl der Ortsvorsteher Schmid als auch Martina Bährle, in der Stadtverwaltung zuständig für das Bürgerschaftliche Engagement, positiv überrascht. 60 Schöckinger waren gekommen, um sich mit Ideen für den Ort zu befassen, aus allen Bevölkerungsgruppen: Schüler, Berufstätige, Senioren, Alleinstehende, Familien, Neu- und Altbürger.

„Am Anfang hatte ich schon Bedenken“, gibt Schmid zu. Er war skeptisch, ob sich die Schöckinger wirklich einen Tag lang mit ihrem Dorf befassen würden. Umso mehr freut ihn das Ergebnis. Am Ende des Tages gab es sieben Themenfelder. Die Projekte reichten von gemeinsamen Ausflügen über Wahlgroßeltern und Mittagstisch bis hin zu Barfußpark und Dorfladen. „Es sind Ideen“ betont Schmid. Nichts sei beschlossen, was Geld koste oder Organisationen dazu verpflichte, ungefragt ihren Beitrag zu leisten.

Doch Beobachter der Veranstaltung zweifeln nicht daran, dass das ein oder andere Projekt verwirklicht wird. Der Fokus der Ideen habe auf niederschwelligen Projektideen gelegen, die kurzfristig umzusetzen sind, sagt etwa der Chef der Bürgerstiftung, Herbert Hoffmann. „Ich denke, da wird das eine und andere in Gang kommen.

Mitstreiter werden weiterhin gesucht

Für jede Gruppe gibt es Verantwortliche, die nun Mitstreiter für ihre Ideen suchen müssen. Schmid selbst engagiert sich im Bereich „Kultur und Natur“. Ein Aspekt ist die Verwertung des nicht geernteten Obstes von privaten und städtischen Flächen, ein anderer die Anlage eines Barfuß- und Klangparks. Dass sich die einzelnen Gruppen zusammentun, weil sich Überschneidungen ergeben, ist dabei ausdrücklich erwünscht: Wenn Mütter mit ihren Kindern ebenso zum Mittagstisch kommen wie alleinstehende Senioren, können sich potenzielle Wahlgroßeltern und Enkel zwanglos kennenlernen.

Einerseits seien viele zu dem Treffen gekommen, die bisher noch nicht im Ort engagiert sind, sagt Schmid. Andererseits haben laut Bährle viele Verantwortung für die Projekte übernommen, die schon im Ort bekannt sind. „Vieles ist in Händen derer, die schon aktiv waren.“ Koordiniert werden die Projekte von Schmid, Bährle sowie zwei weiteren Mitarbeitern der Verwaltung. Doch um die Ideen voranzutreiben, sind weiterhin die Bürger in der Pflicht: „Wenn sich niemand findet, der es macht, machen wir es nicht.“ Es ginge nicht darum, die Stadtverwaltung mit der Erfüllung ihrer Wünsche zu beauftragen.

Schmid selbst spricht nicht darüber, aber Bährle nennt ihn einen „super engagierten Ortsvorsteher. Er hat getrommelt und engagiert sich auch selbst.“ Mit der Veranstaltung sei es gelungen, die Bürger „hinter dem Ofen vorzulocken mit überschaubaren Geschichten, die sie selbst betreffen“. Sie lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass dieses Format nicht automatisch eine Blaupause sei. Schon in der Kernstadt Ditzingen müsste man einen anderen Ansatz wählen. Dort gibt es nämlich diese große Dorfgemeinschaft nicht.

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