Immer wieder für eine Überraschung gut: das Moderatorenduo Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt hat mit der Sondersendung „Männerwelten“ über sexuelle Gewalt gegen Frauen viele Zuschauer aufgerüttelt. Foto: dpa/Marius Becker

Die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf überließen ihre Sendezeit Frauen, die Opfer von sexueller Belästigung und Gewalt wurden. Diese bittere Realität war nichts für schwache Nerven.

München - Fast die Hälfte aller Frauen in Deutschland ist schon einmal Opfer sexueller Gewalt geworden. Jede siebte Frau hat bereits strafrechtlich relevante sexuelle Gewalt erlebt. Diese und andere Sätze flimmerten im Abspann der Sondersendung „Männerwelten“ über den Schirm. Was diese Sätze tatsächlich bedeuten, wurde den Zuschauern in den 15 Minuten Sendezeit zuvor mehr als deutlich vor Augen geführt. Wieder einmal haben Klaas Heufer-Umlauf (36) und Joko Winterscheidt (41) von ihrem Haussender Pro Sieben diese Sendezeit gewonnen. Hintergrund ist die Show „Joko & Klaas gegen ProSieben“, bei der sie gegen ihren Arbeitgeber antreten und sich 15 Live-Minuten zur besten Sendezeit erspielen können – laut Pro Sieben eine Viertelstunde Fernsehen, bei der vorher niemand weiß, was passiert.

Das Feld den Frauen überlassen

Am Mittwoch widmeten sie die Zeit nun einem brisanten gesellschaftlichen Problem: der sexuellen Gewalt gegen Frauen. Die Moderatoren selbst traten nicht in Erscheinung, sondern überließen das Feld den Betroffenen. Moderiert wurde das Ganze von der Autorin Sophie Passmann (26, „Alte weiße Männer: Ein Schlichtungsversuch“). Wie Heufer-Umlauf vor der Sendung via Twitter angekündigt hatte, waren diese 15 Minuten nichts für schwache Nerven.

Gezeigt wurde die schockierende Realität von Frauen, die Opfer von sexueller Belästigung, Cyber-Mobbing, sexualisierter Gewalt oder Missbrauch wurden. „Es wird hart, es wird bitter und für manche kaum zu glauben, aber wir müssen da jetzt gemeinsam durch“, sagte Passmann. Gleich zu Beginn enthüllte die Schauspielerin und Moderatorin Palina Rojinski ein „Kunstwerk“. Es zeigte ein überdimensionales „Dick-Pic“, eines von zahlreichen solcher Nahaufnahmen von männlichen Genitalien, die die 35-Jährige und ihre Freundinnen zuhauf per Twitter oder Instagram zugeschickt bekommen haben. Sie finde dies „einfach unter aller Sau“ und „verstörend“ sagte Rojinski. „Das grenzt an virtuellen Missbrauch.“ Selbst wenn sie nur ein Foto ihrer Turnschuhe posten würde, sähen sich Männer dazu veranlasst, ihr diese Bilder „ungefragt zur Verfügung“ zu stellen, so Rojinski. Es würde auch nicht nur Frauen treffen, die in der Öffentlichkeit stehen würden.

Als nächstes lasen unter anderem die Moderatorinnen Jeannine Michaelsen (38) Visa Vie (32) und die Influencerin und ehemalige Teilnehmerin bei „Germany’s next Topmodel“ Stefanie Giesinger (23) sexistische Kommentare vor, die sie in den sozialen Medien aushalten mussten. Sophie Passmann ergänzte im Anschluss: „Unter den Videos von weiblichen Influencerinnen sind im Schnitt 16 von 100 Kommentaren sexistisch. Bei männlichen Influencern null.“

Vergewaltigungsopfer kommen zu Wort

Anschließend präsentierten die Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes (38) und die Journalistin und Autorin Katrin Bauerfeind (37) Chat-Verläufe, die auf der Instagram-Seite „Antiflirting 2“ gesammelt werden und die voller sexueller Belästigungen und schockierender Beleidigungen sind. Im nächsten „Ausstellungsraum“ berichten Frauen von ihren Erfahrungen mit sexueller Gewalt. Zum Schluss kamen Vergewaltigungsopfer zu Wort.

Mehr als 250 000 Mal wurde das Video bis 23 Uhr am Mittwochabend auf Youtube angesehen. Auf Twitter bekommt die Aktion große Unterstützung. „Konnte es mir als Mann kaum anschauen ... Unvorstellbar wie schlimm es erst für die betroffenen Frauen sein muss“, schreibt ein Nutzer:

Ein anderer Nutzer schreibt: „Das war hart. Aber verdammt nötig. Vielleicht die wichtigsten 15 Minuten des Jahres.“

In ihrem gemeinsamen Twitter-Account schrieben Joko und Klaas: „Fast die Hälfte aller Frauen in Deutschland wurde schon einmal sexuell belästigt. Auch in den aktuellen Krisenzeiten dürfen andere wichtige Themen nicht untergehen.“

Auch der Sender Pro Sieben scheint von der Aktion begeistert zu sein und schreibt: „Danke an die mutigen Frauen bei ‚Joko und Klaas live’. Danke.“

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