Noch nicht im Handel erhältlich: Schockbilder auf Zigarettenschachteln Foto: dpa

Seit vergangenem Freitag sollen Schockbilder auf Zigarettenschachteln vom Rauchen abschrecken. In der Praxis sieht es jedoch anders aus: Es könnte noch Monate dauern, bis die neuen Verpackungen tatsächlich in den Handel kommen.

Stuttgart - So manchem Raucher dürfte seit wenigen Tagen beim Zigarettenkauf mulmig zumute gewesen sein. Denn seitdem ist die neue EU-Verordnung in Kraft, die besagt, dass nur noch Zigarettenschachteln mit Schockbildern produziert werden dürfen. In Stuttgarter Kiosken ist davon jedoch nichts zu spüren. Und das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Restbestände reichen noch ein Weilchen

Die Tabakwarenlieferung, die Verena Seele vor wenigen Tagen aufgemacht hat, war genauso wie jede andere. Keine schwarzen Zähne oder kranke Lungen, die die Mitarbeiterin beim Kiosk Roller im Königsbau da zu Gesicht bekam, nur die bekannten schriftlichen Warnhinweise. Denn bevor die Gruselbilder die Verpackungen zieren, verkaufen Tabakindustrie und Kioske noch die Restbestände.

Und die dürften noch lange reichen – laut Gesetzgeber dürfen, sofern genug Nachschub vorhanden, noch ein Jahr lang Zigaretten ohne Schockbilder verkauft werden. „Ich schätze, dass es erst in einigen Monaten so weit sein wird, dass wir die ersten neuen Schachteln im Regal stehen haben werden“, sagt Seele.

Ähnliches berichtet der Kiosk Markovic am Olgaeck. „Wir schauen der Richtlinie gelassen entgegen“, sagt Mitarbeiterin Maria Horvath. Sie und ihr Chef glauben, dass weiter geraucht wird wie zuvor. „In meinem Heimatland Ungarn gibt es solche Schockbilder schon länger“, sagt Horvath. „Die Raucher stören sich aber nicht daran.“

Tabakkonsum hat sich halbiert

Während viele meinen, dass die Gruselbilder keinen Effekt hätten, glaubt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, dass Nichtraucher generell und Jugendliche speziell von den Bildern abgehalten würden und sie unglücklichen Rauchern erleichterten, das Qualmen aufzugeben. Mit den Schockbildern sind die Anstrengungen der EU, dem Rauchen in der Bevölkerung entgegenzuwirken, nicht erschöpft: Vom Jahr 2020 an sollen die Zigarettenwerbung auf Plakaten und im Kino sowie der Verkauf von Menthol-Zigaretten in der EU komplett verboten werden. Übrigens: Ex-Kanzler Helmut Schmidt (SPD) soll vor seinem Tod Hunderte Stangen dieser Geschmacksrichtung vorsorglich im Keller gebunkert haben.

Die Kampagnen gegen das Rauchen scheinen einen Effekt zu haben: In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Tabakkonsum laut Branchenangaben in etwa halbiert – was aber auch am deutlichen Preisanstieg in dieser Zeit liegen könnte.

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