Alfred Leiensetter zeigt die morschen Balken im Boden. Foto: Andreas Essig

Eine vermeintlich harmlose Absenkung des Bodens der Dorfbühne in Wolfsölden (Kreis Ludwigsburg) entpuppt sich als handfester Schaden. Das Gebäude darf nicht mehr genutzt werden.

Alfred Leiensetter, der erste Vorstand der Theaterfreunde Affalterbach, ist „nervlich am Ende“, wie er sagt. Dabei ist er ein zupackender Typ, der sich so leicht nicht aus der Ruhe bringen lässt. Der Grund für die Verzweiflung: Keiner weiß derzeit, ob und wie wie es mit der Dorfbühne im Ortsteil Wolfsölden weitergeht. Und die ist nun einmal seit rund 40 Jahren die Stamm-Spielstätte des Laientheatervereins, der das über hundert Jahre alte Gebäude, das der Gemeinde Affalterbach gehört und einst als Dorfturnhalle für Wolfsölden erbaut wurde, in Schuss hält. In der jeweiligen Spielsaison von Januar bis März oder April habe man bis zu 2000 Menschen aus der ganzen Region vergnügliche Abende bereitet, sagt Leiensetter. Doch damit könnte nun Schluss sein. „Wenn ich daran denke, könnte ich heulen.“

 

Dabei fing im Mai vergangenen Jahres alles recht harmlos an. Im Bereich der Küche hatte sich der Parkettboden ein wenig abgesenkt. Also sprach Leiensetter den Affalterbacher Bürgermeister Steffen Döttinger an und meinte, man müsse mal danach schauen. Kein Mensch sei damals von einem Super-Gau ausgegangen. Dann wurde das Problem von Fachleuten begutachtet – „und das Ganze ist uns um die Ohren geflogen“, fasst es Leiensetter zusammen.

Balken im Boden komplett morsch

Denn als der Boden in der Küche und in der Nähe des Notausgangs probeweise geöffnet wurde, fanden die Experten darunter komplett morsche Balken, die schon in Auflösung begriffen sind. Die waren beim Bau der kleinen Halle direkt auf dem Lehmboden verlegt worden. Möglicherweise hätte das alleine nichts ausgemacht. Doch mit den Jahren waren mehrere Schichten über die Balken gezogen worden, unter anderem eine mit Styropor, sodass keine Luft mehr herankam. Zudem ist der neben der Halle gelegene Spielplatz leicht abschüssig, sodass dort das Wasser herunterläuft.

Auf den ersten Blick ist alles tipptopp in der heimeligen Spielstätte. Foto: Andreas Essig

„Das Gebäude darf derzeit nicht mit mehreren Leuten gleichzeitig betreten werden“, sagt Döttinger. „Das wäre zu gefährlich.“ Vor vollem Haus und damit vor exakt 96 Menschen zu spielen, wie es die Theaterfreunde Affalterbach seit vielen Jahren getan haben, ist also völlig ausgeschlossen. Im März, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, soll die marode Dorfbühne Thema im Gemeinderat sein. Aktuell geht man bei einer Sanierung von Kosten in Höhe von einer halben Million Euro aus; ob sich der Gemeinderat dafür entscheidet, ist noch völlig offen. Schlimmstenfalls könnte ein Abriss drohen, so Döttinger.

In der Dorfbühne steckt viel Herzblut, Zeit und Geld

„Wir hätten nie gedacht, dass aus einer Maus so ein Elefant wird“, sagt der zweite Vorstand des Vereins, Dominic Stuis. „In der Dorfbühne steckt viel Herzblut von uns, wir haben hier viel Zeit verbracht und viel investiert.“ Allein in der Coronazeit hatte man das Gebäude mit 15.000 Euro und viel Eigenarbeit aufgehübscht. Zuletzt hatte man gar daran gedacht, eine Profiküche aus Edelstahl einbauen zu lassen. Glück im Unglück war es, dass noch nichts bestellt war, als der Schaden offenkundig wurde.

Alfred Leiensetter (links) und Dominic Stuis mit einem ganzen Ordner voller Erinnerungen. Foto: Andreas Essig

„Wenn es die Dorfbühne nicht mehr gäbe, wäre das für unseren Verein wirklich schlimm“, sagen die beiden Vereinsverantwortlichen. Aber noch schlimmer sei die derzeitige Hängepartie. „Wir könnten finanziell vielleicht eine Zeitlang überleben. Aber ich fürchte, dass die Schauspieler und die Leute in der Küche und im Service abspringen, wenn sie nicht wissen, ob und wie es weitergeht“, so Leiensetter. Dabei habe man gerade erst junge Schauspielerinnen und Schauspieler und auch Helfer bei der Bewirtung gefunden und könnte jetzt so richtig durchstarten.

Suche nach Alternativen gestaltet sich schwierig

Zudem geht Stuis, der als Elektriker viel auf Baustellen zu tun hat, davon aus, dass von einem möglichen Sanierungsbeschluss bis zur Fertigstellung der Halle drei Jahre ins Land gehen würden. „Das ist ein öffentliches Gebäude, bei dem viele Vorschriften zu beachten sind“, erklärt er. „So etwas dauert.“

Man habe auch Alternativen gesucht und mit dem Affalterbacher Bürgermeister erörtert. Die Lemberghalle, die Kelter, die Gaststätte Waldeck, das Schützenhaus, der Kleintierzüchterverein... „Ich hab mich jedes Mal gefreut wie ein Kind und dachte: ‚Jetzt klappt es’, aber immer hat etwas nicht gepasst“, sagt Leiensetter, der sich dabei vorkam „wie Don Quijote“. Aus seiner Sicht laufe es wahrscheinlich auf die Lemberghalle hinaus. Weil die deutlich größer ist als die Dorfbühne, könne man da auf einen Schlag 300 bis 400 Gäste unterbringen. Da könne man dann eben nur sechsmal spielen statt wie bisher zwischen 22-mal und 13-mal. „Und dann müssen wir schauen, ob wir überhaupt genügend Leute für Service und Bewirtung haben.“

Schauspiel finanziert sich durch Bewirtung

Stuis sieht das Ganze noch deutlich pessimistischer – oder vielmehr realistischer, wie er selbst sagt: „Wir bräuchten für die Lemberghalle nicht nur mobile Kulissen, sondern auch eine mobile Bühne. Die kostet nicht nur einiges an Geld, wir haben vor allem auch nicht genügend Helfer für den Auf- und Abbau.“ Und stehen lassen könne man eine solche Bühne auch nicht, da die Lemberghalle, anders als die Dorfbühne, auch noch für andere Dinge genutzt werde. Ein weiterer Punkt: „Wir müssen das Catering selbst machen, denn damit verdienen wir Geld. Eine Übergangslösung, bei der jemand anders die Bewirtung übernimmt, bringt uns nichts.“ Ob der gordische Knoten durchschlagen werden kann, bleibt abzuwarten.