Eine Nosferatu-Spinne sitzt im Wohnzimmer eines Reutlinger Paares. Mit einem Glas setzten sie das Tier im Garten aus. Foto: König

Im Wohnzimmer entdeckt ein Paar aus Reutlingen eine Nosferatu-Spinne. Ein Experte erklärt, wie gefährlich sie ist – und gibt Tipps für den richtigen Umgang mit dem „Fund“.

Man kommt nach Hause, schaltet das Licht im Wohnzimmer ein – und stellt fest, dass man nicht alleine ist: An der Wand sitzt eine Spinne. Keine zierliche Hauswinkelspinne, kein dünnbeiniger Weberknecht. Sondern ein zirka sieben Zentimeter großes Tier mit kräftigen Beinen und exotischem Muster.

 

Genau das ist einem Paar aus Reutlingen nach einem Bericht des Schwarzwälder Boten vergangenen Sonntag passiert. Statt sofort zum Staubsauger zu greifen, zückten die beiden ihr Smartphone und analysierten ein Foto der Spinne per KI. Die digitale „Diagnose“ brachte Gewissheit: eine Nosferatu-Spinne. Die Art wirkt bedrohlich und kann beißen, ihr Gift ist für Menschen allerdings ungefährlich.

Mit einem großen Glas bewaffnet, fasste sich das Paar schließlich ein Herz. Vorsichtig wurde die Spinne eingefangen und im Garten wieder ausgesetzt. Ihren Fund meldeten die beiden anschließend dem Naturschutzbund Deutschland (NABU). Doch war dieses Verhalten richtig?

So sollte man sich beim Fund einer exotischen Spinne verhalten

Sogar „vorbildlich“, weiß Roland Mühlethaler. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim NABU und hat die Ausbreitung der Nosferatu-Spinne im süddeutschen Raum in den 1990er Jahren selbst miterlebt. „Es ist genau das Vorgehen, das wir vom NABU empfehlen“, sagt Mühlethaler. Die Nosferatu-Spinne sei in Deutschland mittlerweile fest etabliert, besonders im Südwesten. „Daher spricht nichts gegen eine Entlassung in die Freiheit.“

Anders wäre es, wenn es sich um eine exotische Spinne handeln würde. Ist man sich unsicher, empfiehlt der Experte, ein Foto von dem Tier zu machen und es entweder mithilfe von KI analysieren zu lassen, oder dem NABU oder einem nahe gelegenen naturhistorischen Museum zu schicken, bei dem Fachleute Auskunft geben können.

Wann die Nosferatu-Spinne aggressiv wird

Richtig ist auch, dass die Nosferatu-Spinne ein Gift besitzt, um ihre Beutetiere zu lähmen und dann zu töten, erklärt der Experte weiter. Die menschliche Haut könnten aber nur wenige Arten mit ihren Giftzähnen durchdringen. „Aufgrund ihrer Größe gibt es tatsächlich einige wenige Bissmeldungen von der Nosferatu-Spinne, die Wirkung soll aber eher harmlos und mit einem leichten Wespenstich vergleichbar sein“, weiß Mühlethaler.

Zudem sei die Spinne uns Menschen gegenüber eher scheu und selten aggressiv. „Ausnahmen gibt es aber bei der Verteidigung des Eikokons“, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter.

Keine Gefahr für Haustiere

Auch für unsere Haustiere sei die Spinne keine Gefahr. Da Gift zeige bei Hunden und Katzen beispielsweise kaum Wirkung.

Über die Meldung eines Fundes einer Nosferatu-Spinne – oder auch eines anderen Tieres – freue sich der NABU immer: „Aus den gesammelten Funddaten lassen sich dann aktuelle Verbreitungsgebiete und Ausbreitungstendenzen ablesen“, begründet Mühlethaler. Das sei insbesondere bei Neuankömmlingen und eingeschleppten Arten auch aus wissenschaftlicher Sicht spannend.

Die KI ein Foto analysieren lassen – so gehts:

Um ein Foto – beispielsweise von einer Spinne – analysieren lassen zu können, lädt man dieses bei einem KI-Anbieter hoch. Das ist beispielsweise bei ChatGPT oder Google Lens möglich (auch als App nutzbar). Dazu stellt man die Frage, um welches Tier es sich bei dem auf dem Foto handeln könnte. Die KI beantwortet diese Frage dann – oder liefert zumindest eine grobe Einschätzung. Bei Unsicherheit ist es sinnvoll, sich von einem Experten eine Zweitmeinung einzuholen.