Stuttgarter Kickers Warum ist Paco Vaz zurückgetreten?

Von Joachim Klumpp 

Paco Vaz ist als Trainer der Stuttgarter Kickers zurückgetreten. Foto: Baumann
Paco Vaz ist als Trainer der Stuttgarter Kickers zurückgetreten. Foto: Baumann

Schreck in der Abendstunde: Kurz vor dem Abschlusstraining am Donnerstag ist Paco Vaz als Trainer der Stuttgarter Kickers zurückgetreten. Das Motiv ist noch unklar.

Stuttgart - Es ist kein verspäteter Aprilscherz, was sich am Donnerstagnachmittag auf Degerlochs Höhen abgespielt hat. Das Potenzial dazu hätte die Geschichte allerdings ohne Frage. Denn der Kickers-Trainer Paco Vaz hat etwa eine Stunde vor dem Abschlusstraining um 18 Uhr seinen Rücktritt erklärt. Auf Nachfrage wollte er danach nur so viel dazu sagen: „Es hat nichts mit der Mannschaft zu tun, es gibt andere Beweggründe“, erklärte der Spanier – was viel Raum für Spekulationen lässt. Welche Gründe das sind, wollte er nicht ­sagen, jedenfalls nicht zum aktuellen Zeitpunkt so kurz vor dem wichtigen Heimspiel an diesem Freitag (19 Uhr) gegen die SV ­Elversberg.

Wäre das Spiel unter dem Coach verloren gegangen, hätte es möglicherweise sowieso Konsequenzen in diese Richtung gegeben, das hatte der Präsident Rainer Lorz bereits nach der 0:3-Niederlage in Kassel angedeutet. Dennoch zeigte auch er sich völlig perplex. „Für mich kam dieser Schritt völlig überraschend, ich habe auch nicht mehr persönlich mit ihm gesprochen“, sagte der Kickers-Chef, der sich geschäftlich auf einer Auslandsreise befand, deutete zumindest aber mögliche Motive an. „Es gab intern zuletzt rege und konstruktive Diskussionen, auch mit dem Sportdirektor Martin Braun“, sagte Lorz, „da muss es dann auch mal gestattet sein, Vorschläge zu machen und Dinge zu hinterfragen.“

Motiv ist unklar

Nicht auszuschließen, dass es dabei zu nicht mehr zu kittenden Meinungsverschiedenheiten kam, auch wenn Vaz am Mittwoch bei der obligatorischen Pressekonferenz im Clubhaus keineswegs den Eindruck erweckte, als ob er den Bettel hinwerfen wolle. Im Gegenteil, er zeigte sich höchst motiviert, weil er den Gegner Elversberg aus dem Effeff kenne, nachdem er im Vorjahr für dessen ehemaligen und befreundeten Trainer Michael Wiesinger deren Relegationsgegner Unterhaching unter die Lupe genommen hatte. Auch Lorz hatte tags zuvor noch positive Rückmeldungen über den Gedankenaustausch unter den sportlich Verantwortlichen erhalten – offensichtlich eine Fehlinterpretation.

„Natürlich ist es äußerst unglücklich, wenn eine solche Entscheidung ganz kurzfristig fällt“, sagte der Präsident, der verständlicherweise besorgt ist, dass sich die Unruhe im Spiel gegen den Vorjahresmeister auf dem Platz niederschlägt. „Wir müssen versuchen, dass so wenig wie möglich an die Mannschaft herankommt.“ So sieht es auch der Sportdirektor Martin Braun. „Unsere Aufgabe ist es nun, den gesamten Fokus auf das wichtige Spiel gegen Elversberg zu lenken und die Mannschaft hierauf optimal vorzubereiten.“

Drei Mann auf der Bank

Mit „unsere“ meint er die bisherigen Co-Trainer Yannick Dreyer und Ümit Sahin, die zusammen mit Braun interimsweise auf der Trainerbank Platz nehmen werden. Ob daraus auch eine Lösung für die restlichen vier Spiele der Saison wird, dürfte nicht zuletzt von der Leistung und dem Ergebnis gegen die Saarländer abhängen. „Bedingt“, sagt Braun. „Wir müssen danach schauen, was das Beste für die Mannschaft ist.“ Vaz würde der Mannschaft im Gazi-Stadion zwar gerne die Daumen drücken, sagt aber: „Das kann ich auch aus der Ferne. Ich habe mich von jedem Spieler verabschiedet und ihm Glück gewünscht.“

Und er sei auch von sich aus zurückgetreten, weil er keine finanziellen Ansprüche an die nicht auf Rosen gebetteten Kickers stellen wolle. „Ich trage das Blau nicht nur auf dem Pullover, sondern auch im Herzen.“ Der Vertrag von Vaz galt zunächst einmal bis zum Ende der Saison – und hätte sich im Falle des Klassenverbleibs automatisch verlängert. Das ist jetzt kein Thema mehr, der Klassenverbleib umso mehr. Die 90 Minuten gegen Elversberg werden jetzt jedenfalls noch brisanter und wichtiger als zuvor schon.

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