Blick von der Stuttgarter Straße. Foto: Thomas Schüler Architekten

Vor acht Jahren meldete die Feuerbacher Firma Gebrüder Schoch GmbH Insolvenz an. Jetzt sollen die Fabrikgebäude abgerissen werden und auf dem 28.000 Quadratmeter großen Gelände an die 130 Wohnungen entstehen. Platz ist auch für Gewerbe, Handel und Büros.

Stuttgart - Das große Gelände des früheren Metallveredlers Schoch gegenüber dem Feuerbacher Bahnhof ist in mehrfacher Hinsicht eine Altlast. Seit der Insolvenz verfielen die Fabrikgebäude mehr und mehr, und in und vor allem unter den seit 1925 hochgezogenen Mauern schlummern Schadstoffe, zum Beispiel aus der Verchromerei. Die Entsorgung des giftigen Gemisches wird mindestens 16 Millionen Euro kosten und Jahre dauern. Stadt und Land teilen sich den Aufwand.

Die Stadt hat die Industriebrache nach einem Streit mit einer stark engagierten Investorengruppe um den Projektentwickler Jens Loewe erworben. Loewe und seien Mitstreiter hatten bereits gekauft, der Vertrag war aber laut Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) rückabgewickelt worden.

Am Dienstag stellten Föll und Detlef Kron, der Leiter des Stadtplanungsamtes, das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs vor. An ihm haben sich 17 von 24 eingeladenen Büros beteiligt. Das Preisgericht entschied sich einstimmig für den Entwurf des Düsseldorfer Planungsbüros Thomas Schüler Architekten. Zusammen mit faktogrün Martin Schedlbauer (Freiburg) schlägt Schüler zwei Baublöcke vor. Zum Wiener Platz hin ist ein Gewerbekomplex geplant, für den die gegenüber an der Dornbirner Straße heimische Friedrich Klumpp GmbH bereits Interesse angemeldet hat. Sie entwickelt hochwertige Beschichtungen für Holz und Kunststoff. „Klumpp hat bereits einige Planungsleistungen erbracht“, sagt Föll. Das Unternehmen platze „aus allen Nähten“ und habe großes Interesse an einer Erweiterung. Um den zum Klumpp-Bestand hin offenen Gewerbekomplex will die Stadt in eigener Regie eine „Mantelbebauung“ mit Büros, Praxen und Läden erstellen.

„Der Entwurf ist einfach, aber genial“

Teil zwei des Vorschlags sind mindestens vier Wohnblöcke, die sich um einen großen Innenhof gruppieren. Bis zu 130 Wohnungen sollen entstehen, Platz für 350 Menschen. Baugemeinschaften sollen bedacht werden, 20 Prozent der Wohnungen sollen gefördert werden, so Föll. Da nur ein Teil des Innenhofs mit einer Tiefgarage unterbaut wird, sei Platz für große Bäume. „Der Entwurf ist einfach, aber genial“, sagt Kron. Es könne in drei Abschnitten gebaut werden. Die Burgenlandstraße, die heute vor dem Fabrikgelände endet, soll nach historischem Vorbild zwischen den zwei Neubaukomplexen bis zum Bahnhof weiter geführt werden – allerdings nicht als Straße, sondern als breitere Grünzone, vielleicht mit einem Wasserspiel.

Auch Schlüter selbst, der in Stuttgart bereis beim Wettbewerb um die Neubebauung des Geländes des Olga-Hospitals erfolgreich war, sieht in der Stufenlösung einen großen Vorteil: „Dieses Quartier muss nicht nur an einen Investor vergeben werden.“

Bis es so weit ist, muss abgerissen und vom Gemeinderat ein Bebauungsplan verabschiedet werden. 2013 soll der Abbruch beginnen, die Grundwasser-Reinigung, die den Neubau allerdings nicht behindert, wird weiter laufen. 2015, rechnet Föll, kann mit den ersten Neubauten gegenüber dem Feuerbacher Bahnhof begonnen werden.

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