Mit stoischer Ruhe zum Premierensieg: Mindblower (li.) hatte in all seinen Duellen am Ende die Nase vorn. Foto: Eibner/Andreas Ulmer

Teilnehmer mit Kampfnamen wie „Krawallbruder“, „Berserker“ oder „Killermachine“, spannende Duelle, markige Sprüche und jede Menge Lachen – die Schnick-Schnack-Schnuck-Ortsmeisterschaft in der Aidlinger Kneipe Rössle war ein Erfolg. Und sie hatte einen Sieger, der sich auf seinen Stein verlassen konnte.

„Wo ist mein erstes Opfer?“ Der Spieler, der sich den Kampfnamen „Krawallbruder“ gegeben hat, wirkt ziemlich siegessicher. Auch seine Gegnerin „Fräulein Smilla“ tritt nun hervor. Das Licht ist gedimmt. Durch das Rössle in Aidlingen wabert der blau-graue Zigarettendunst. Außerdem liegt Neugierde in der Luft.

 

Alle Augen richten sich gespannt auf den Tisch in der vorderen Ecke der Kultkneipe. Schiedsrichter Florian Schuhbauer ruft: „Let’s get ready to rumble!“ Plötzlich wird es ganz leise. Das Gemurmel endet. Die Musik rockt nur noch im Hintergrund. Die Kontrahenten schauen sich tief in die Augen. Sie zücken ihre Hände. Der Unparteiische sagt die magischen drei Worte: „Schnick, schnack, schnuck.“ Und dann umwickelt das Papier den Stein.

Eine „kranke Idee“ mit Potenzial

Am Ende behält „Fräulein Smilla“ bei diesem Auftaktduell der Ortsmeisterschaft klar in drei Sätzen die Oberhand. Applaus brandet auf. Die nächsten zwei der insgesamt 32 Teilnehmer sind nun an der Reihe, während die ersten beiden ihr Duell rekapitulieren. „Eine im positiven Sinn kranke Idee. Das hat Potenzial“, schwärmt Krawallbruder trotz seines frühen Ausscheidens. Seine siegreiche Rivalin scheint erleichtert. „Ich war aufgeregt. Auch weil ich ungern im Mittelpunkt stehe“, pustet sie tief durch. Ob sie eine Taktik hatte? „Die meisten nehmen nicht zweimal hintereinander dasselbe“, hatte sie im Vorfeld gelesen und das für sich genutzt.

Fachsimpeln an der Theke Foto: Eibner/Andreas Ulmer

„Gerd“ hingegen hatte keine konkrete Vorgehenweise ausgetüftelt. „Einfach spontan machen“, lacht er. Dennoch habe er sich bei der ungewohnten Veranstaltung selbst ein wenig unter Druck gesetzt, denn „man will ja gewinnen“. „Schnack“ hatte eigentlich gar nicht eingeplant, bei dem Turnier mitzumischen. Doch seine Mutter „Schnuck“ und seine Tante „Schnick“ haben den jungen Mann „liebevoll dazu genötigt“, wie letztere es ausdrückt.

Bereut hat der Sohnemann und Neffe es hinterher sicherlich nicht. Der Spaß ist bei allen spürbar groß. Egal, ob jetzt „Killermachine“, „Berserker“, „Ballermann“ oder „Woodstock“ an der Reihe ist – häufig schallt ein Lachen durch den Raum. „Was ist das denn jetzt, eine Pistole?!“, fragt der Referee, als eine Geste im Eifer des Gefechts alles andere als klar erkennbar ist. „Hauptsache, es ist kein Stinkefinger“, tönt es prustend aus der Menge.

Mitinitiator Florian Schuhbauer übernahm auch die Rolle als Schiedsrichter. Foto: Eibner/Andreas Ulmer

Die beiden Initiatoren des Ganzen sind jedenfalls überglücklich mit der Resonanz. „Es sind neben vielen alten Bekannten ein Haufen neue Gesichter da, die ich noch nie gesehen habe“, freut sich Pächter Andy Schütz, der später die letzten Gäste erst um 7 Uhr in der Früh verabschiedet. „Wir wussten ja nicht, was auf uns zukommt, aber es war vom Besuch her mega“, zeigen auch bei Florian Schuhbauer beide Daumen nach oben.

Pächter Andy Schütz verabschiedete die letzten Gäste um 7 Uhr morgens. Foto: Eibner/Andreas Ulmer

Das Duo hat sich so einiges einfallen lassen, um sein Event zu etwas Besonderem zu machen. Die angedachten Nummerngirls finden zwar kurzfristig keinen Fahrer, die Übertragung des Turnierbaums auf den Fernseher klappt aus technischen Gründen nicht, und auf dem zum Glück noch rechtzeitig ausgetauschten Siegerpokal hatte der Hersteller fälschlicherweise eine „2“ angebracht. Doch das stört niemanden.

Der Abend ist schon weit vorangeschritten, als sich „Mindblower“ und „Schorsch“ fürs Finale gegenübersitzen. Es geht hin und her. Nach einer Weile braucht letzterer nur noch einen Punkt für den großen Triumph. Matchball. Doch seine Schere zerschellt am Stein, und es steht 2:2 nach Sätzen. Der finale Durchgang muss die Entscheidung bringen. Spannung pur. Beide Kontrahenten nehmen jetzt gleich fünfmal hintereinander das gleiche Symbol. Dann ist es wieder der Stein von „Mindblower“, der die Schere von „Schorsch“ in die Knie zwingt. Auf den Fels in der Faust ist halt doch Verlass.

Einige Gratulationen und Umarmungen später kann der Premierensieger seine Trophäe mit der großen „1“ darauf in die Höhe strecken. „Damit ist er für die deutsche Meisterschaft qualifiziert“, verkündet Florian Schuhbauer unter Beifall. Wo die stattfinden wird? Natürlich im Rössle im Aidlingen. Denn das Ortschampionat soll nur der Anfang gewesen sein. Vielleicht lösen Schere, Stein und Papier ja eine Welle aus.