Schnelles Internet in der Region Stuttgart Widerstand gegen die Telekom formiert sich

Von Holger Gayer 

Schnelles Internet hat nicht jeder in Stuttgart und der Region. Foto: dpa
Schnelles Internet hat nicht jeder in Stuttgart und der Region. Foto: dpa

Vertreter von Stadtwerken und kommunalen Unternehmen halten die Telekom für unzuverlässig. Die Erklärung zum Breitbandausbau in der Region sei nur „ein supergemachter Werbe-Gag“. Erste Vorsichtsmaßnahmen sind schon getroffen.

Stuttgart - Die Deutsche Telekom steckt offenbar in einer tiefen Vertrauenskrise. Wenige Tage nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zum Ausbau des Glasfasernetzes in der Region Stuttgart, formiert sich eine Gruppe namhafter Skeptiker. „Bislang wirft das Angebot mehr Fragen auf. Alles vage, alles nur Absichtserklärungen, aber darin ist die Telekom erfahren. Nur tun sie danach nicht das, was sie sagen!“, twitterte etwa der Geschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Tobias Bringmann, nachdem Telekom-Chef Dirk Wössner und Vertreter der Städte und Gemeinden in der Region sich am Montag auf den 1,6-Milliarden-Euro-Plan zum Ausbau des Glasfaser- und Mobilfunknetzes verständigt hatten. Bisher sei die Telekom „Ankündigungsweltmeister, versteckt sich aber wenn’s ernst wird hinter den Büschen“, schimpfte Bringmann. Der Konzern verteidige „sein Monopol mit allen Mitteln“ und überbaue die bereits vorhandene Glasfaserkabel der Städte lieber, statt mit diesen zu kooperieren.

Auf Gedeih und Verderb auf die Telekom angewiesen

Auch Karl-Peter Hoffmann lässt kein gutes Haar an der Telekom. „Das ist ein supergemachter Werbe-Gag“, betont der Geschäftsführer der Stadtwerke Sindelfingen auf Anfrage unserer Zeitung. Das Unternehmen biete nur an, was es ohnehin hätte machen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben: „Danach suchen sie sich die lukrativen Gegenden aus. Die anderen Kommunen, die am Schluss kommen, sind dann auf Gedeih und Verderb auf die Telekom angewiesen.“ Seiner Ansicht nach reichen die 1,1 Milliarden Euro, die der Konzern in der Region investieren wolle, samt den 500 Millionen Euro, welche die Kommunen in Eigenleistungen bringen sollten, „nie und nimmer für den flächendeckenden Ausbau des Netzes mit Anschlüssen in den Häusern“. Eher sei mit dem Dreifachen zu rechnen, sagt Hoffmann. Diese Einschätzung gründe auf Erfahrungswerten aus Sindelfingen, wo die Stadtwerke fast ein Drittel der Haushalte bereits mit Glasfaser ausgestattet habe. „Für den Gesamtausbau rechnen wir bei 65 000 Einwohnern mit 109 Millionen Euro“, betont Hoffmann. Diese Zahlen zugrunde gelegt, koste das Projekt mindestens 4,5 Milliarden Euro – und habe nur einen Profiteur: die Telekom. Es stehe aber nicht in der Gemeindeordnung, „dass es Aufgabe der Kommunen wäre, die Gewinnen börsennotierter Unternehmen zu maximieren“.

Hoffmann leitet die Stadtwerke seit elf Jahren und hat schlechte Erfahrungen mit dem Branchenriesen gemacht. So habe er es noch nie erlebt, dass die Telekom den in der Ausschreibung geforderten diskriminierungsfreien Zugang zu ihrem Netz (Open Access) zugelassen hätte. „Seit dem Jahr 2010 erzählen sie immer, dass Open Access schon technisch nicht möglich sei“, sagt Hoffmann, „und angemietet haben sie auch noch nie ein schon gelegtes Kabel, sondern immer die vorhandenen überbaut und so eine Doppelstruktur geschaffen“, sagt der Stadtwerke-Chef und fragt: „Warum sollte sich das plötzlich ändern?“

Telekom-Chef nennt sein Unternehmen einen „verlässlichen Partner“

Vielleicht weil Wössner es bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung versprochen hat? „Die Telekom ist ein verlässlicher Partner“, sprach der Konzernchef am Montag. Und: „Wir werden uns auch mit Stadtwerken und anderen Carriern austauschen. Wir denken gemeinsam in allen möglichen Modellen: Miete, Pacht, Kauf oder Ausbaupartnerschaften. Denn wenn es um die Digitalisierung Deutschlands geht, sitzen wir alle im selben Boot.“

Das hofft der Ludwigsburger Landrat Rainer Haas auch. Sicherheitshalber weist er aber auch darauf hin, dass die Absichtserklärung mit der Telekom erstens unverbindlich sei und zweitens bereits den Hinweis auf Strafzahlungen enthalte – „für den Fall, dass die Telekom ihre Vertragspflichten nicht oder nicht rechtzeitig erbringt“.

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