Bis zum Jahr 2030 sollen 90 Prozent aller Haushalte in der Region einen Glasfaseranschluss erhalten. Foto: dpa/Uwe Anspach

Die Region Stuttgart und die Telekom drücken beim Breitbandausbau aufs Tempo. Das ehrgeizige Ziel: Bis 2030 sollen 90 Prozent aller Privatpersonen Zugang zu einem Glasfaseranschluss haben – und die Zuwachsraten in den Kreisen sind erfreulich.

Region Stuttgart - Zumindest in einigen ganz wenigen Dingen hat die Pandemie auch ihre positiven Effekte: „Durch Corona ist wirklich jedem bewusst geworden, welch zentrale Bedeutung einem überall verfügbaren schnellen Internet in der heutigen Zeit zukommt – und wie wichtig deshalb der Ausbau des Glasfasernetzes ist“, sagt Thomas Bopp, der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart (VRS).

 

Dieses Bewusstsein hat in Deutschland insgesamt, aber besonders in der Region Stuttgart lange gefehlt – um nicht zu sagen sehr lange. Als Anfang 2019 die Gigabit Region Stuttgart als VRS-Tochter gegründet wurde, hatten in der gesamten Region Stuttgart gerade einmal 2,1 Prozent der Haushalte die Chance, via Glasfaserkabel auf die Datenautobahn einzubiegen.

Bis 2030 sollen 90 Prozent der Haushalte Glasfaser haben

Mitte 2019 hat die Gigabit Region, der mit Ausnahme von Sindelfingen, Böblingen, Schorndorf, Göppingen und Bietigheim-Bissingen alle anderen 174 Städte und Gemeinden der Region angehören, dann einen milliardenschweren Vertrag mit der deutschen Telekom als Kooperationspartner abgeschlossen. Das Ziel: Bis 2025 sollen alle Unternehmen und Schulen sowie 50 Prozent aller Haushalte in der Region schnell ins Internet kommen, bis 2030 sollen dann 90 Prozent aller Privatpersonen Zugang zu einem Glasfaseranschluss haben.

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Diese Kooperation beginnt nun Früchte zu tragen. Die Region Stuttgart hat ihre Aufholjagd beim Glasfaserausbau begonnen und ist im vergangenen Jahr auf die Überholspur der Datenautobahn gewechselt. Im gerade aktualisierten Breitbandatlas des Bundes steht, dass Ende 2020 exakt 113 587 Haushalte und Unternehmensstandorte in der Region Stuttgart eine Zugangsmöglichkeit zum Glasfasernetz hatten. Das entspricht einem Anteil von 8,6 Prozent der Haushalte in der Region. Ende 2019 waren es laut Breitbandatlas erst knapp 70 000 Anschlüsse. Das waren 5,2 Prozent aller Haushalte.

Göppingen liegt in der Region vorne

Den größten Zuwachs verbuchte demnach der Rems-Murr-Kreis, dessen Versorgungsrate von 1,2 auf 8,1 Prozent gestiegen ist. Ihm folgt der Landkreis Esslingen: Hier gibt es nun mit 5,2 Prozent mehr als doppelt so viele Anschlüsse wie Ende 2019, als die Quote bei 2,1 Prozent lag. Spitzenreiter in der Region bleibt der Landkreis Göppingen, wo die Stadtwerke Göppingen frühzeitig mit dem Glasfaserausbau begonnen hatten. Dort stieg die Quote moderat von 15,6 (2019) auf 16,2 Prozent. Der Landkreis Ludwigsburg konnte sich von 9,7 auf 13,3 Prozent steigern. Für den Landkreis Böblingen notiert der Breitbandatlas zum Jahresende 2020 rund 8,7 (2019: 5,4) Prozent. In Stuttgart führen nun Glasfasern in 5,1 (2019: 2,8 Prozent) der Gebäude.

Insgesamt hinkt die Region Stuttgart damit immer noch der bundesweiten Entwicklung hinterher. Laut Informationen der Bundesregierung lag die bundesweite Versorgungsquote mit Glasfaseranschlüssen Ende 2020 bei 13,9 Prozent. Und den internationalen Vergleich zieht man lieber gar nicht erst heran: Die weltweit führenden Glasfasernationen Südkorea und Japan melden Versorgungsquoten von 83,9 und 80,8 Prozent – auch Litauen liegt mit 75,7 Prozent beispielsweise weit vorne.

Zwei Drittel nutzen die Chance auf einen Anschluss

Dennoch ist Hans-Jürgen Bahde, der Breitbandbeauftragte der Region und Geschäftsführer der Gigabit Region Stuttgart, mit den nun veröffentlichten Zahlen hochzufrieden. „Unser Ziel ist es, zusammen mit der Telekom pro Jahr 80 000 Menschen und möglichst vielen Unternehmen und Schulen in der Region – und dabei vor allem auch in ländlichen Gebieten – die Möglichkeit zu bieten, sich mithilfe von Glasfasern das schnelle Internet ins Haus zu holen“, erklärt er. Und ergänzt: „Das ist zwar ehrgeizig, aber wir sind auf einem guten Weg.“

Auch die Quote derjenigen, die dieses Angebot dann in Anspruch nehmen, sei in der Region Stuttgart groß. Rund zwei Drittel der Angesprochenen nutzen die Chance auf den für sie kostenlosen Anschluss. Normalerweise, sagt Bahde, liege der Anteil derjenigen, die vom Glasfaserangebot Gebrauch machten, bei 30 bis 40 Prozent.

Neue Partner sind durchaus erwünscht

Um die Ausbauziele bis 2030 zu erreichen, das räumt Bahde offen ein, wird die Zusammenarbeit mit der Telekom alleine nicht ausreichen. „Wir müssen Kooperationen mit weiteren Akteuren suchen“, sagt Bahde. Er denkt konkret an jene Stadtwerke der Gigabit-Mitgliedskommunen, die aktuell schon im Breitbandausbau aktiv sind. Es gehe darum, sich über ein „abgestimmtes Vorgehen“ zu verständigen. Mit Filderstadt hat die Gigabit Region bereits eine solche Kooperation vereinbart. Ähnliche Vereinbarungen strebt Bahde nun mit Ludwigsburg, Waiblingen, Leinfelden-Echterdingen und mit Nürtingen an.

Aber auch sonst stimmt die allgemeine Entwicklung den Gigabit-Chef zuversichtlich: Es gebe eine enorme Marktdynamik, viele Breitbandanbieter wollten vom Ausbau in den kommenden Jahren profitieren. Bahde stellt klar: „Wir haben zwar einen Vertrag mit der Telekom, mit dessen Hilfe wir sonst benachteiligte Gebiete in der Region versorgen wollen. Wir begrüßen aber grundsätzlich jeden Glasfaserausbau in der Region.“

Viele Projekt sollen den Ausbau voranbringen

Im Mai 2019 haben die Gigabit Region Stuttgart und die Telekom einen Vertrag unterzeichnet, der den Glasfaserausbau in der Landeshauptstadt und den fünf Kreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr beschleunigen soll. 174 der 179 Gemeinden in der Region machen aktuell mit. Lediglich Böblingen, Sindelfingen, Göppingen, Schorndorf und Bietigheim-Bissingen setzen beim Ausbau des Glasfasernetzes auf ihre eigenen Stadtwerke.

Aktuell werden in der Region rund 20 Standorte ausgebaut. Dabei handelt es sich um Gebiete in Stuttgart-Süd, -West, -Vogelsang, -Neugereut/Hofen, -Möhringen, in der Esslinger Innenstadt, Wendlingen, Filderstadt, Backnang, Winnenden-Hanweiler, Fellbach-Nord/Schmiden-Süd, Schönaich, Steinenbronn, Leonberg-Kernstadt und Leonberg-Eltingen, Vaihingen/Enz-Horrheim, Renningen-Malmsheim und in Markgröningen-Unterriexingen.

Wer sich im Rahmen des Kooperationsvertrags der Gigabit Region Stuttgart mit der Telekom für einen Glasfaseranschluss entscheidet, bekommt diesen kostenlos zur Verfügung gestellt. Normalerweise werden dafür 799 Euro berechnet. Die monatlichen Nutzungsgebühren seien, das betont ein Sprecher der Gigabit Region Stuttgart, „absolut vergleichbar mit denen für einen Kupferdraht-Zugang“. Allerdings gebe es in einzelnen Tarifen absolut kleine Unterschiede.