Langsame Internetverbindungen zu Hause führen bei vielen Bürgern zu Verdruss. Das Homeoffice hat die Situation verschärft. Foto:  

Wenn sich genügend Interessenten finden, baut die Telekom das schnelle Internet in Stuttgart-Möhringen aus. Doch ist den Menschen vor Ort das überhaupt bewusst? Eine Postwurfsendung des Unternehmens gibt zumindest nur wenig Aufschluss.

Möhringen - Einige Möhringer haben in den vergangenen Tagen Post von der Telekom bekommen. „Glasfaserausbau in Stuttgart-Möhringen“, lautet der Titel. Ein Glasfaseranschluss sei besser als herkömmliche Kupferleitungen und biete bis zu 1000 Megabit pro Sekunde im Download – so wird im Brief und auf dem beiliegenden Flyer geworben. Was genau die Telekom den Möhringern damit sagen will, ist Hansbert Bertsch nicht klar.

Also wählt er die Nummer, die auf dem Schreiben angegeben ist. „Dort hat man mir gesagt, man wisse nichts von einem Ausbau in Möhringen, nur VDSL sei geplant“, sagt Bertsch. Als er sich auf das Schreiben beruft, heißt es, eine andere Abteilung des Unternehmens sei für solche Wurfsendungen verantwortlich.

Eine wichtige Information ist in dem Flyer nicht zu finden

Hansbert Bertsch surft mit etwa 60 Megabit pro Sekunde im Internet. „Das ist schon relativ schnell, aber manchmal schicke ich auch größere Datenmengen hin und her, da könnte ich eine schnellere Leitung brauchen“, sagt der Rentner. Deshalb gibt er nach dem wenig auskunftsreichen Telefonat mit der Telekom nicht auf und sucht im Internet weitere Informationen zu einem möglichen Glasfaserausbau im Stadtteil Möhringen. Dort bekommt er verschiedene Tarife vorgeschlagen, die er für eine bessere Internetgeschwindigkeit buchen soll.

Was er nicht sieht: In ziemlich kleinen Buchstaben erklärt die Telekom, was es mit dem Glasfaserausbau auf sich hat. „Wenn sich 600 Einwohner von Stuttgart-Möhringen bis zum 15.12.2020 für einen unserer superschnellen Glasfaser-Tarife entscheiden, bauen wir das schnellste Netz in Stuttgart-Möhringen“, steht dort. Eine wichtige Information also, die im Brief und auf dem Flyer allerdings nicht zu finden ist. Was dort auch nicht steht: Sollten die 600 Buchungen fristgerecht bei der Telekom eingehen, entfallen für die Kunden die Kosten für den Hausanschluss in Höhe von knapp 800 Euro. Das gleiche Angebot gibt es laut Website derzeit im Stuttgarter Westen und Neugereut.

Eine klare Auskunft wäre wünschenswert

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt die Telekom, dass der Glasfaserausbau in Möhringen kommen soll und die Hausanschlusskosten wegfallen. Allerdings ist nun die Rede von mindestens 650 Aufträgen aus dem Ausbaugebiet – kommen die nicht zusammen, wird auch nicht gebaut.

Die Kosten für eine Glasfaserverbindung bis ins Haus setzen sich normalerweise aus mehreren Komponenten zusammen. Die Telekom beispielsweise schreibt auf ihrer Website, dass „für den notwendigen Verteiler, Hausanschluss und das Gebäudenetz in der Regel Kosten in Höhe von durchschnittlich 15 000 Euro anfallen, je nach Tiefbauaufwand unter Umständen mehr“. Auf Nachfrage bei der Pressestelle, welche Kosten die Möhringer im Fall eines Ausbaus noch selbst tragen müssten, wird erneut auf die Hausanschlusskosten verwiesen, die entfallen. „Sollte der Kunde darüber hinaus Unterstützung bei der Einrichtung seines Heimnetzwerks benötigen, fallen die üblichen Gebühren an.“ Von kostenlos ist also nirgendwo die Rede.

Hansbert Bertsch findet es unmöglich, dass die Telekom ihren Plan nicht deutlicher kommuniziert. „Gerade jetzt, wo jeder wegen Homeoffice schnelleres Internet brauchen könnte, wäre eine klare Auskunft für jeden wünschenswert“, sagt der Rentner.

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