Auch Stettener Unternehmen in der Frauenländerstraße bekommen Glasfaserkabel ans Haus gelegt. Foto: Patricia Sigerist

Beim Ausbau von schnellem Internet für zwei Gewerbegebiete kommt die Telekom nicht zum Zuge – auch wenn sie auf bestehende Infrastruktur setzen könnte. Der Mitbewerber Netcom muss eigene Kabel legen – überzeugt aber beim Faktor Zeit.

Kernen - Es kann in manchen Dingen nicht schnell genug gehen. Etwa in Sachen Internet, wo immer größere Datenmengen flott durch die Leitung fließen sollen. In Kernens Gewerbegebieten Frauenländerstraße (Stetten) und Lange Äcker/Lange Furchäcker in Rommelshausen könnte es im kommenden Jahr einen Geschwindigkeitsschub geben: Die Firma Netcom BW soll für knapp 560 000 Euro Glasfaserkabel verlegen. So hat es der Gemeinderat abgesegnet. Bis dahin war es aber ein langer Weg.

Gleichwohl wurde im Gemeinderat eine längere Debatte über die Vergabe an Netcom geführt

Mitte 2017 hatte die Gemeinde ein sogenanntes Markterkundungsverfahren gestartet, begleitet von der W2K Rechtsanwaltskanzlei. Denn es geht dabei um Zuschüsse von Bund und Land, deren Richtlinien zur Vergabe komplex sind und sich immer wieder verändern. So stehen für Kernen im Moment gut 111 000 Euro als nötige Eigenmittel an, eine Summe, die sich aber noch halbieren könnte – wenn sich die Förderquote des Landes wie erhofft erhöhen lässt. Unabhängig davon muss die Gemeinde etwa 80 000 Euro an W2K überweisen. Günstiger kommen derweil Kernens Gewerbetreibende weg: War vor Jahren noch von Eigenanteilen für den Anschluss die Rede, um die „weißen Flächen“ auf der Landkarte zu tilgen, wie Sandra Maier von W2K sagte, gebe es nun die Leitung ans Haus „für lau“, also gratis.

Gleichwohl wurde im Gemeinderat eine längere Debatte über die Vergabe an Netcom geführt. Es wurde an alte und verworfene Ideen erinnert, ob die Gemeinde nicht das Glasfasernetz selbst betreiben und damit Geld verdienen könne. „Wir haben keine Stadtwerke, das wäre zu umständlich“, sagte der Beigeordnete Peter Mauch zu jenem Betreibermodell.

Das Unternehmen konnte nicht zusagen, das Glasfasernetz bis Ende 2020 verbindlich auszubauen

Grundsätzliche Probleme hatten einige Räte mit dem Punktesystem, bei dem Netcom, einer von drei Anbietern, die zum Ende der Frist finale Angebote vorlegten, als wirtschaftlichster hervorging. Während die Firma Inexio klar hinten lag, fehlten der Telekom nur wenige Punkte, um sich an die Spitze zu setzen. Und die fehlten in Sachen Geschwindigkeit des Ausbaus: Das Unternehmen konnte laut Sandra Maier nicht zusagen, das Glasfasernetz bis Ende 2020 verbindlich auszubauen. Dafür gab es null Punkte. Eberhard Kögel (PFB) äußerte „großes Bauchweh“ bei der Vergabe an Netcom als Tochterfirma der EnBW, das „kein befreundetes Unternehmen“ sei. Er hinterfragte auch, warum die Telekom den Ausbau bis 2020 nicht schaffen solle. Immerhin könnte das Unternehmen auf eine bereits bestehende Infrastruktur zurückgreifen, während Netcom neue Glasfaserkabel verlegen muss. Hier konnte sich die Telekom im Vergleich in der Bewertung auch an die Spitze setzen: Die Wirtschaftlichkeitslücke wäre hier geringer gewesen als bei der Netcom. Aber das konnte das Manko der Terminzusage nicht ausgleichen.

Ein technischer Außendienst sei ebenfalls gewährleistet

Letztlich wird es eine „Doppelstruktur“ bei den Kabeln geben, wie Sandra Maier bestätigt. Allerdings sei sogenanntes Open Access verpflichtend. Sprich: Auch andere Anbieter von Internetdienstleistungen werden die Netcom-Kabel nutzen dürfen. Und dass die dafür entsprechend verlangten Durchleitungsgebühren nicht aus dem Ruder laufen, das regele die Bundesnetzagentur. Für sichere Verbindungen sorgten derweil zwei geografische Zugangspunkte, so gebe es für Notfälle ein Backup. Und ein technischer Außendienst sei ebenfalls gewährleistet. Der Antrag des PFB-Fraktionsvorsitzenden Andreas Colosi, das Thema nochmals zu vertagen, wurde zwar mehrheitlich abgelehnt, einmütig war das Votum für Netcom gleichwohl nicht: Zehn Räte stimmten dafür, fünf dagegen, fünf enthielten sich: Zankapfel war die nicht vorgesehene Konventionalstrafe, sollte Netcom seine Zusage nicht einhalten, und Ende 2020 kein schnelles Internet in den beiden Gewerbegebieten verfügbar sein. „Die Zusage von Netcom ist belastbar, auch wenn es keine explizite Strafe gibt“, ist der Hauptamtsleiter Stefan Reichmann überzeugt. „Die Gemeinde könnte kündigen, falls der Termin nicht klappt“, erklärte Peter Mauch nach der Debatte. Die Netcom müsse dann die Fördermittel zurückzahlen. „Diese Rückzahlung ist ein scharfes Schwert.“ Die „Verlässlichkeit“ habe bei der Ausschreibung ein großes Gewicht gehabt, präzisierte der Beigeordnete Mauch, und da habe die Telekom von vornherein nichts zugesichert.

Der „erste Step des Ausbaus“ sei nötig, hatte Mauch bei den Gemeinderäten um Zustimmung geworben, nach Jahren der Vorbereitung sei es gut, „einen Knopf dran zu machen.“ Die „Vergabe der Dienstleistungskonzession“, wie es offiziell heißt, sei eine „große Chance, die zwei Gebiete schnell mit Glasfaser zu versorgen“.

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