Glasfasern vor einer sogenannten Speedpipe (Leerrohr) für ein Glasfasernetzwerk Foto: dpa/Jan Woitas

Das Aus für das Kupfernetz in Deutschland rückt näher. Wo in Stuttgart schon Glasfaser liegt, was die Arbeiten behindert – und in welchen Bezirken demnächst ausgebaut wird.

Zwei Unternehmen ziehen die Fasern für schnelles Internet derzeit in den Untergrund Stuttgarts. Mit Blick in die Zukunft gilt die Technologie als unverzichtbar, das Bundesdigitalministerium rechnet mit einer vollständigen Abschaltung des Kupfernetzes in Deutschland zwischen 2035 bis 2040. Wichtige Fragen und Antworten zum Thema.

 

Wie geht der Glasfaserausbau in Stuttgart voran?

41,1 Prozent der Haushalte in Stuttgart waren im November 2025 erschlossen, das geht aus Angaben der Gigabit Region Stuttgart hervor, die den Ausbau steuert. Mit Blick auf die Stadtbezirke gibt es dabei teils große Unterschiede. Während der Ausbaustatus in Sillenbuch Ende 2024 beispielsweise bei 98,8 Prozent lag, kam Plieningen lediglich auf 0,7 Prozent.

Was bedeuten die Ausbauzahlen konkret?

Die Ausbauzahlen sagen allerdings nichts darüber aus, ob die Glasfasern in den Gebieten auch schon bis in die Wohnungen verlegt sind. Sie bedeuten lediglich, dass sie direkt vor den Häusern liegen („Homes passed“) und diese schnell angeschlossen werden können. Anwohner müssen den Anschluss jedoch selbst beauftragen. Wer zur Miete wohnt, braucht dafür die Zustimmung des Eigentümers.

Warum geht der Ausbau im Land und in Stuttgart nicht schneller voran?

Einer Analyse des Vergleichsportals Verivox zufolge bildet Baden-Württemberg beim Glasfaserausbau in Deutschland das Schlusslicht, zusammen mit dem Saarland und Thüringen. Unter den 50 größten Städten im Land wiederum landet Stuttgart demnach auf Platz 16, während das fast vollständig ausgebaute Fellbach den ersten Platz belegt.

Ein Grund dafür ist die Topografie, wie Stuttgarts Breitbandkoordinator Christian Beck mitteilt. Bergige und hügelige Gegenden sind schwieriger auszubauen als flache. „Die Großstadt ist besonders komplex; allein eine Baustelle an einer viel befahrenen Straße bedarf großer Planung“, sagt Helmut Haag, Sprecher der Gigabit Region Stuttgart, und nennt ein Beispiel: „Während der Fußball-Europameisterschaft konnte in Stuttgart sechs Wochen lang kein Glasfaser ausgebaut werden, weil die Straßen ohnehin schon hoch belastet waren. Man kann nicht beliebig viele Bautrupps in eine Stadt schicken – sonst sind die Leute nicht mehr mobil.“

Wer ist für den Glasfaserausbau zuständig?

„Durch den vollständig liberalisierten Telekommunikationsmarkt ist der Glasfaserausbau keine Aufgabe von Kommunen“, sagt der Breitbandkoordinator Beck. Das wüssten viele nicht. In Stuttgart bauen die Deutsche Telekom und die Vodafone-Tochter OXG Glasfaser das Netz für Privatkunden aus, wobei der Bärenanteil auf die Telekom entfällt. Sie hat in der Stadt bislang fast 133 000 Haushalte und Gewerbe angeschlossen.

„Dessen ungeachtet ist es der Stadt aber natürlich ein Anliegen, den Ausbau voranzubringen“, sagt Beck. Deshalb gibt es die Gigabit Region Stuttgart, die den Ausbau zusätzlich vorantreibt – eine Gesellschaft der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, der Landeshauptstadt sowie der Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr.

Glasfaserkabel werden häufig unter dem Gehweg verlegt. (Symbolbild) Foto: Imago/Rainer Weisflog

Wie entscheiden die Unternehmen, wo sie ausbauen?

Die Firmen bauen in der Regel dort aus, wo es sich für sie wirtschaftlich rentiert. Viele versuchen, durch Haustürbesuche Kunden zu gewinnen. „Ohne Direktvermarktung wäre der Glasfaserausbau nicht denkbar“, sagt Helmut Haag. Die Verbraucherzentrale rät jedoch, Angebote erst in Ruhe anzusehen und nichts an der Haustür zu unterschreiben. Auch unseriöse Anbieter sind unterwegs. In Stuttgart gilt die Situation als entspannter als in einigen kleineren Kommunen: Dort bauen die Unternehmen auch ohne Vorvermarktungsquote aus.

Was ist mit den Adressen, die außen vor sind?

Der Ausbau in Stuttgart erfolgt fast ausschließlich eigenwirtschaftlich, wie Christian Beck mitteilt. Für besonders schlecht versorgte Adressen können Kommunen Fördergeld beim Bund und beim Land beantragen. In Stuttgart werden auf diesem Wege 826 Gebäude, 30 Bildungseinrichtungen und drei Krankenhäuser erschlossen. Generell seien die durch den Bund festgelegten Förderkriterien aber eher auf den ländlichen Raum zugeschnitten, sagt Beck. Zudem haben Gegenden mit dem leistungsfähigeren TV-Kabelanschluss – anders als jene mit den schwächeren Telefonkabeln – bislang keine Chance auf eine Förderung. Die Möglichkeiten, für Stuttgart Fördergeld zu erhalten, sind aus diesen Gründen laut Beck „recht begrenzt“.

In welchen Bezirken wird 2026 ausgebaut?

Die Telekom hat für das kommende Jahr 17 Gebiete in Stuttgart benannt, in denen sie ausbauen will: Sie liegen in den Stadtbezirken Mitte, West, Süd, Ost, Feuerbach, Obertürkheim, Untertürkheim, Degerloch, Mühlhausen, Hedelfingen, Birkach, Bad Cannstatt, Weilimdorf und Vaihingen. OXG wiederum will zeitnah in Bad Cannstatt, Stammheim, Zuffenhausen, Nord, Mitte, Süd, West, Ost und Wangen ausbauen.

Wie ist der Ausblick in Stuttgart?

Nimmt man zu den bereits erschlossenen Haushalten jene dazu, für die es bereits eine konkrete Ausbauzusage gibt, kommt Stuttgart auf 72 Prozent, so der Breitbandkoordinator Beck. Dieser Anteil hat also entweder bereits die Option, schnell an einen Glasfaseranschluss zu kommen – oder wird sie bald haben.

Bis zum Jahr 2030 sollen mindestens 90 Prozent der Haushalte in der Stadt und in der Region mit Glasfaser erschlossen sein. Ist das realistisch? „Es wird eine Herausforderung“, sagt Helmut Haag. „Aber wir sind auf einem sehr guten Weg – in der Landeshauptstadt wie auch in der gesamten Region“.

Was für Glasfaser spricht, welche Anbieter in Stuttgart aktiv sind und weitere Informationen zum Thema haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Datenstände in der Grafik

Aktuell
In unserer Grafik haben wir die Ausbaustände in den verschiedenen Stadtbezirken dargestellt. Wichtig: Für die einzelnen Stadtbezirke sind – anders als für die Stadt insgesamt – lediglich Daten verfügbar, die den Stand Ende 2024 wiedergeben. Da seitdem aber weiter ausgebaut wurde, liegt der tatsächliche Ausbauanteil inzwischen höher, wie der Breitbandkoordinator der Stadt Stuttgart, Christian Beck, mitteilt.

Perspektivisch
Auch die Ausbauperspektive in den einzelnen Stadtbezirken ist inzwischen besser als in der Karte dargestellt. Hier mussten wir uns mit Zahlen aus dem Juli 2025 begnügen.