Im Dornröschenschlaf: Die Villa Berg. Mehr Fotos in unserer Bildergalerie. Foto: Leif Piechowski

Bezirksvorsteher des Ostens fordert von Bürgermeistern nach ihrem Bekenntnis zur Sanierung schnelle Taten.

Stuttgart - Der Druck für eine schnelle Rettung der historischen Villa Berg nimmt zu – vor allem im Stuttgarter Osten, wo das hochrangige Kulturdenkmal steht.

Bezirksvorsteher Martin Körner (SPD) hat jetzt gefordert, dass die Stadt bei der Sanierung der Villa und bei der Renaturierung des Parks „endlich Nägel mit Köpfen macht“. Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) und Städtebaubürgermeister Matthias Hahn (SPD) sollten schnell ein Finanzierungs- und Nutzungskonzept vorlegen. Dieses Vorgehen ist für Körner die Konsequenz daraus, dass sich Föll und Hahn bei der Veranstaltung „Mittendrin“ unserer Zeitung am 8. Mai eindeutig zur Sanierung der Villa und der Renaturierung des Parks bekannt hatten.

Bei der Veranstaltung in der Domsingschule Stuttgart hatten die beiden die Absicht der Düsseldorfer Firmengruppe PDI abgelehnt, die Villa mit einem Teil der Erlöse vor dem Verfall zu retten, die sie durch den Einbau von rund 150 Mietwohnungen in die bisherigen Fernsehstudios des Südwestrundfunks generieren wollen. Während PDI auf eine Zustimmung der Stadt und einen entsprechenden Bebauungsplan hofft, rechnen Föll und Hahn mit einer entschiedenen Absage des Gemeinderats. Sie wollen warten, bis PDI ein Rücktrittsrecht wahrnimmt und die vor wenigen Monaten gekauften Immobilien an den zuständigen Insolvenzverwalter der Stuttgarter Häussler-Gruppe zurückgibt – dann wollen sie zugreifen.

"Herumspekulieren mit dem Park" beenden

Ihre Erwartung ist, dass der Preis dann deutlich geringer ist als der Preis, den PDI bezahlte. Dieser sei durch die spekulative Bauabsicht auf einem bisher nur für eine öffentlich-rechtliche Nutzung durch den Südwestrundfunk freigegebenen Gelände hochgetrieben worden. Die Stadt will die Studios, die demnächst vom SWR verlassen werden, ersatzlos abbrechen.

Er freue sich ja über Fölls und Hahns Bekenntnis, erklärte Körner, den Worten müssten nun aber auch Taten folgen. Das „Herumspekulieren mit dem Park“ müsse ein Ende haben.

Bei dem Nutzungskonzept, das er anmahnt, könnte es nach Körners Auffassung um eine Versammlungsstätte gehen. Ein Saal für rund 300 Besucher wie der einstige Sendesaal des SWR in der Villa fehle im Stadtbezirk. Der Bezirksvorsteher könnte sich aber auch eine Nutzung als kommunales Kino vorstellen. Die Merz-Akademie, die Mitglied des Vereins Neues Kommunales Kino Stuttgart sei, habe ihren Sitz in unmittelbarer Nachbarschaft der Villa.

Für die Sanierung der Villa könne man sicherlich mit Zuschüssen der Stiftung Denkmalschutz rechnen, glaubt Körner. Der SWR als ehemaliger Mieter von Parkflächen sollte seiner Meinung nach die Renaturierung mitbezahlen, beispielsweise dort, wo der Sender eine Tankstelle nutzte. Der Verkauf von Flächen des Abfallwirtschaftsbetriebs am Rand des Parks könne außerdem mindestens rund drei Millionen Euro erlösen.

Klare Vorstellungen von den Nutzungsmöglichkeiten im Fall der Villa Berg, aber auch anderer Bauten in Berg, fordert auch die Gemeinderatsfraktion der FDP. Man brauche einen Gesamt- oder Masterplan für Berg, in dem man alles zusammen betrachte und die Eigenart und Geschichte des Stadtteils wieder herausarbeite.

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