Alle fünf Minuten fährt der Schnellbus X1 von Bad Cannstatt in die Innenstadt. Trotz überfüllter Stadtbahnen wird die Alternative aber nur von wenigen genutzt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der neue Schnellbus X1 verspricht, der Schnellste seiner Art zu sein. Sein Versprechen, hält er nur bedingt. Für die Fahrgäste hat die neue Buslinie aber einen anderen Vorteil, der zum Umsteigen bewegt. Wir haben mit einigen Fahrgästen gesprochen.

Stuttgart - Montagmorgen, 8.07 Uhr: Im Schnellbus X1, der alle fünf Minuten von Bad Cannstatt Wilhelmsplatz in die Stuttgarter Innenstadt fährt, sitzen sechs Fahrgäste. Für die Buslinie haben sie sich bewusst entschieden – „weil es viel Platz gibt“, sagt die Passagierin Kristina Popovic. Früher habe die 28-Jährige, die am Wilhelmsbau aussteigen wird, die U-Bahn oder die S-Bahn genutzt. Der Schnellbus brauche für die Strecke zwar etwas mehr Zeit, auf das Angebot sei sie aber umgestiegen, weil sie dort bequem sitzen könne. „Und weil es Wi-Fi gibt; da kann ich meine Lieblingsmusik hören.“

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Uwe Grein findet es schade, dass nur wenige den neuen Schnellbus nutzen. „Die Fahrt dauert zwar etwas länger, ist aber entspannter“, sagt der Handwerker, der mit dem X1 täglich zu einer Baustelle am Wilhelmsbau fährt. Die Stadtbahnlinie U1, die durch den neuen Bus entlastet werden soll, sei schon früh morgens überfüllt. Dieser drangvollen Enge will der 56- Jährige ausweichen. „Schließlich ist mein ganzer Tag schon stressig genug. Da brauche ich nicht morgens schon Stress in der Bahn.“ Deshalb steigt Grein am Wilhelmsplatz von der U1 auf den Schnellbus um und legt den Rest seiner Strecke abseits der Gleise zurück. „Vor allem früh morgens bin ich da aber oft ganz alleine“, sagt er. Das Angebot solle die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) trotzdem beibehalten. „Vielleicht aber nicht mehr alle fünf, sondern alle acht bis neun Minuten.“

Es ist schön, Platz zu haben

Für eine Passagierin ist das Verkehrsaufkommen am Wilhelmsplatz das größte Problem der neuen Buslinie: „Der Wilhelmsplatz ist ein richtiges Nadelöhr.“ In den Herbstferien sei das kein Problem, außerhalb der Ferien könne es aber schon mal zehn Minuten dauern, bis der Bus überhaupt die Kreuzung König-Karls-Brücke/Mercedesstraße passiert. Dabei soll man gemäß Fahrplan eigentlich nach nur zehn Minuten an der Haltestelle Rathaus ankommen. Bis zum Charlottenplatz davor habe die Frau, die den Schnellbus seit zwei Wochen regelmäßig nutzt, aber auch schon 20 bis 25 Minuten gebraucht. Trotzdem findet sie: „Wenn man genug Zeit hat, ist es schön, Platz zu haben.“ Ob sie den Bus auch dann nutzen würde, wenn er überfüllt wäre, weiß sie nicht. „Um eine wirkliche Alternative zur Stadtbahn zu sein, müsste der Bus einfach schneller durchkommen.“ Zeitlich sei die U-Bahn die bessere Möglichkeit – „wenn sie fährt“.

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Auch ein anderer Fahrgast nutzt den X1 aus Platzgründen: „Ich bin jahrelang U-Bahn gefahren und die war immer überfüllt. Deshalb bin ich auf den Bus umgestiegen.“ Für den Mann, der in der Nähe vom Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt wohnt, mache es zeitlich keinen Unterschied, ob er zur Bus- oder Bahnhaltenstelle gehe. Seiner Auffassung nach, braucht der Bus bis zur Dorotheenstraße – dort steigt er aus – gleich lang wie die Stadtbahn. „Außer am Freitag. Da stand der Bus im Vollstau.“ Selbst auf der eigens für den Schnellbus geschaffenen Busspur in der Cannstatter Straße seien die Autos gestanden.

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