Die Gemeinde Ehningen ist um ein Schmuckstück reicher: Runderneuert blickt der mächtige Fachwerkgiebel des alten Löwen auf die Königsstraße. In dem ehemaligen Wirtshaus befinden sich jetzt sechs Mietwohnungen sowie ein Ladengeschäft.
Ehningen - Man erkennt ihn sofort, den alten Löwen in der Ortsdurchfahrt von Ehingen an der Königstraße: Das an sich schon stattliche Fachwerkhaus funkelt geradezu mit seinen weißen Fächern, dem grauen Gebälk und den grünen Fensterläden.
Nach anderthalb Jahren Renovierung ist der alte Löwen fertig. Anstatt mühsam nach einer Nutzung der ehemaligen Gaststätte zu suchen, haben die Stadt, die Kommunale Wohnbaugesellschaft Ehningen (KWE) und nicht zuletzt der Förderverein Denkmal Ehningen die naheliegendste Nutzung gewählt: Das barocke Wirtshaus wurde zum Wohngebäude, zu einer Wohnung gehört ein Ladengeschäft direkt zur Straße hin.
Gerade legen die Handwerker die allerletzte Hand an: Der Aufzug muss noch gerichtet werden und die Eingangstüre verfugt. Doch sind die Wohnungen inzwischen bezugsfähig, wie sich bei der Begehung am Mittwoch zeigte. Unter anderen begutachteten Lukas Rosengrün, der Bürgermeister von Ehingen, und Verena Lutz, die Architektin vom Bau-Sanierer Jako-Bau und der Vorstand des Fördervereins „Denkmal Ehingen“ die Bauarbeiten.
Der Teufel steckt im Detail
Der Teufel steckte, wie so oft, im Detail. An vielen Stellen hat sich Verena Lutz einiges einfallen lassen müssen. In eine mitten im Raum stehende Bundsandsteinmauer installierte sie ein stilles Örtchen, in die Nische daneben eine Wendeltreppe, die höchstens einen halben Meter Radius hat. In den Wohnungen, besonders im Dach, biegen sich die Balken quer durch die Räume, die auch für große Menschen noch gut betretbar sind.
Ein großes Augenmerk legten die Planer auf die Raumhöhen. Fast alle Zimmer sind recht niedrig, „Wir mussten mit unterschiedlichen Bodenaufbauten ziemlich jonglieren“, berichtet Verena Lutz. Im Dachgeschoss wurden Decken geöffnet, um eine luftige Atmosphäre zu schaffen. Ein weiteres Detail ist eine historische Wandvertäfelung sowie eine Kassettendecke im zweiten Obergeschoss. Sie wurde vor Ort restauriert und anschließend weiß gestrichen. Aufwendig renoviert wurden auch die historischen Fenster. In mühsamer Kleinarbeit wurden die alten Rahmen zerlegt und neues schallschluckendes Glas eingebaut, um die Geräusche der Autos aus der Königstraße fernzuhalten.
Neben einem Eingang mit Jugendstilglas haben die Rekonstrukteure eine barocke Treppe entdeckt, mit Herzchen im Geländer und unverwüstlichen Stufen aus längs durchgesägten Balken, einer sogenannten Keilstufentreppe. Die weiße Wandfarbe lässt manchmal ein Sichtfenster offen auf den dahinter liegenden Putz. Dort zeigen sich florale Wandmalereien, die wohl mit der Schablone aufgebracht wurden, zu einer Zeit als Tapeten noch unerschwinglich für die Normalbürger waren.
Nur durch das Engagement der Stadt, der KWE und des Fördervereins ist das historische Gebäude gerettet worden. „Ein Stück Heimatgeschichte ist in unserem Ort erhalten geblieben“, urteilt der Förderverein Denkmalpflege, „wir freuen uns!“ Schon im Jahr 1928 wurde das mächtige Gebäude in seiner baulichen Bedeutung erkannt und deswegen in das Landesverzeichnis der Baudenkmale des Königreichs Württemberg aufgenommen. 1685 war es von Franz Lutz errichtet worden, und es reiht sich damit in die Kette der wichtigsten und ältesten Zeitzeugen der Gemeinde ein.
Die Zeit ging nicht spurlos vorbei
Die vergangenen 300 Jahre sind nicht spurlos am Haus vorübergegangen. Besonders das Holz war kurz davor, so morsch zu werden, dass ein Erhalt des Gebäudes sinnlos gewesen wäre. Etwa im Jahr 2016 dachten die Ehninger über eine Sanierung nach. Zu diesem Zeitpunkt war das Gebäude schon im Besitz der KWE. Kurz zuvor hatte der Förderverein Denkmal Ehningen die Jako-Bau als Sanierungsfirma kennengelernt und mit ins Boot genommen. 2017 kam es zur Zusammenarbeit zwischen Jako-Bau und der KWE, 2018 wurde das Gebäude an einen Investor verkauft. Im November 2019 begann Jako mit den Renovierungsarbeiten, die eineinhalb Jahre dauern sollten.