Partystimmung nach dem Narrengericht mit Bürgermeister Hans-Georg Sigel (Mitte) und den Bürgerausschuss-Mitgliedern. Foto: Roberto Bulgrin

Mit der Esslinger Kommunalpolitik gehen die Berkheimer Narren hart ins Gericht. Das zeigte sich am Schmotzigen Donnerstag beim Narrengericht.

Der Abriss des Fußgängerstegs im Stadtteil Berkheim grämt die Narren. Deshalb kam das Reizthema beim Narrengericht im Hasenheim immer wieder aufs Tapet. Dem strengen Urteil der Hästräger stellen sich Esslingens Bürgermeister Hans-Georg Sigel und die Mitglieder des Bürgerausschusses. Die trugen schwarze Trauerkleidung, denn die kommunalen Kassen sind leer.

 

Im Zelt beim Hasenheim am Ende der Christian-Knayer-Straße feierten die Narren in dem Esslinger Stadtteil ausgelassen den Schmotzigen Donnerstag. Mit fünf Maskengruppen wird die Tradition der schwäbisch-alemannischen Fasnet in dem Esslinger Stadtteil, der rund 8000 Einwohner hat, intensiv gepflegt. Flegga Kaschber, Erlenwölf, Stoiriegel-Goischter, Berk-Hexen und Berkheimer Waschweiber feiern nicht nur in der närrischen Zeit viele Feste. Was das Ehrenamt da leistet, ist bemerkenswert. Ihre gemeinsame Symbolfigur ist der „KaWoGoHeWa“, zusammengesetzt aus den ersten Silben der Zünfte. Diese Rolle verkörpert Oliver Ramsch mit viel Hintersinn. Wie närrisch die Menschen unterwegs sind, zeigt sich an den Narrenfiguren, die an der Ortsdurchfahrt stehen.

Die Mitglieder des Bürgerausschusses und Bürgermeister Hans-Georg Sigel (2. von links) vor dem Narrengericht. Foto: privat

Harsche Kritik am Esslinger „Rotlichtmilieu“

Der Verwaltung auf die Finger zu schauen, hat in Berkheim Tradition. In einem Kummerkasten sammeln die Narren das ganze Jahr über die Kritik der Bürgerinnen und Bürger im Stadtteil. Neben dem Dauerärger um den verlorenen Steg ärgern sich die Berkheimer über fehlende Parkplätze, Schlaglöcher auf den Straßen und den aus ihrer Sicht viel zu kleinen Einkaufsmarkt.

Harsche Kritik gab es auch am „Rotlichtmilieu“ in Esslingen. Die Stadt verdiene sich mit Strafzetteln wegen zu schnellen Fahrens eine goldene Nase. Die Anklageschrift trugen Sprecher der Zünfte humorvoll und doch kritisch vor. Bei den gereimten Bütten hatten die vielen Gäste, die ins Zelt gekommen waren, manches zu lachen.

Dass Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer finanziell keine „Hopfer“ mehr machen kann, ärgert die Narren besonders. Denn ein neuer Steg über die Köngener Straße wird wohl auf lange Sicht ein Wunschtraum bleiben. Um doch wieder einen sicheren Übergang hinzubekommen, sind sie sogar bereit, ihre traditionellen Fasnetskacheln für ein neues Bauwerk zu stiften. Das wird die Lücken im leeren Stadtsäckel allerdings kaum stopfen.

Selbst der Bürgermeister klagt in Berkheim über die Parkplatznot

Die Anklagepunkte der Narren konterten Baubürgermeister Hans-Georg Sigel und die Mitglieder des Bürgerausschusses gelassen. Im Müllwerker-Kostüm klagte Sigel den Narren sein eigenes Leid bei der Parkplatzsuche im Stadtteil. Ein kurzer Zwischenstopp beim Bäcker könne da ganz schön teuer werden, weil es Strafzettel gibt. Auch die Schlaglochpisten im Berkheimer Ortskern kann und will Sigel nicht leugnen. Der Bürgermeister hatte sichtlich Spaß in der Berkheimer Bütt.

Doch obwohl die Narren ein gewisses Verständnis für die Nöte der Verwaltung und ihrer politischen Vertreter hatten, sprach der „KaWoGoHeWa“ am Ende doch ein Machtwort. Bürgermeister Sigel wurde verurteilt, 2027 mit den Narren die Wäsche und die Wimpel im Ortskern aufzuhängen. Auch da pflegen die Berkheimer das schwäbisch-alemannische Brauchtum. Doch damit nicht genug. Sigel muss bei allen Familien klingeln, an deren Häusern die närrische Wäsche hängt, sich bedanken und Fasnetsküchle verteilen. Auf den Bürgerausschuss wartet eine besondere Aufgabe – die traurigen Überbleibsel des Stegs gemeinsam mit Kindern verschönern.