Vandalismusfälle macht man in Weil der Stadt häufig publik. Das löst immer wieder pauschalen Ärger über Jugendliche aus. Dabei zeigen viele von ihnen auch oft: Eigeninitiative.
Wenige Wochen blieb sie unbefleckt, dann war die neue Sitzgelegenheit – zwei Bänke, Tisch und Unterstand – schon zerstört: Im Frühjahr dieses Jahres hatte die Stadtverwaltung von Weil der Stadt eine Sitzecke beim Brühlwiesenpark installiert, im Rahmen einer millionenschweren, naturnahen Umgestaltung der nahen Würm. Ende April dann die Entdeckung: Die Holzmöbel waren schon nach kurzer Zeit übersät von geschmierten und eingeritzten Schimpfwörtern, rechten Slogans und kruden Zeichnungen.
Nicht einmal zwei Wochen später folgte dann schon der nächste Fall, der laut Verwaltung „eine neue Dimension des Vandalismus“ erreichte: Im Sägewerk wurde ein einbetonierter Lichtmast aus Stahl umgeknickt. Wie genau man das angestellt hatte, ist der Verwaltung bis heute ein Rätsel – klar ist aber, dass diese Reparatur aufwendig war für die Mitarbeitenden des Bauhofs. 2800 Euro soll das die Stadt demnach gekostet haben.
Wegen Vandalismus: 188 Arbeitsstunden, 15 000 Euro
Den Unmut darüber macht man bei der Weiler Stadtverwaltung häufig öffentlich. So sehr ärgerte sich der Weiler Bürgermeister Christian Walter darüber, dass er persönlich mehrfach dazu in den Sozialen Medien postete. „Extrem bitter“ seien solche Vorfälle für die Stadtverwaltung, deklarierte er in einem Video. Nicht nur für die Rathausspitze – sondern auch für die Mitarbeitenden des Bauhofs, die die Schäden beseitigen müssten. 12 bis 13 Wochenstunden Arbeit verbringe der in der Woche damit, Vandalismus zu beseitigen, so Pia Preuß aus dem Sachgebiet Baubetriebshof und Tief- und Straßenbau. Jährlich käme man auf 188 Stunden und Kosten von bis zu 15 000 Euro.
Seitens der Stadtverwaltung werden Vandalismusfälle inzwischen regelmäßig zur Anzeige gebracht, in diesem Jahr sind es bisher 25, so Ordnungsamtsleiter Daniel Grömminger. Ein dezidiert Weiler Problem sei Vandalismus aber nicht: „Alle Kommunen kämpfen zunehmend mit Vandalismus“, sagt Grömminger. „Der Eindruck könnte dadurch entstehen, dass die Stadtverwaltung Vandalismus konsequent anzeigt, die Zahlen in der Kriminalstatistik also entsprechend hoch sind.“
Problem zieht sich durch alle Altersgruppen
Auch, wenn schwerwiegende Fälle inzwischen sogar veröffentlicht werden, wie bei der Sitzgelegenheit oder dem Laternenpfahl – gefunden werden die Verantwortlichen in der Regel nie. „Das große Problem bei Vandalismus und Vermüllung ist, dass die Verantwortlichen meist unentdeckt bleiben“, so Grömminger. In der öffentlichen Debatte ist der Täter derweil oft schnell gefunden: Die Jugend. Bestätigen kann das die Verwaltung aber nicht. „Das Problem zieht sich vermutlich durch alle Altersgruppen“, sagt der Ordnungsamtsleiter.
Und was sagt die Jugend dazu? Leonie Kolberger, die Öffentlichkeitsbeauftragte für den Jugendbeirat ist, entdeckte den Schaden an der Sitzgelegenheit an der Würm vor einigen Wochen. „Mein Freundkreis und ich wollten da chillen“, sagt sie. „Wir haben dann beschlossen, wir wollen das wegmachen.“ Mit dem Segen der Stadtverwaltung haben die Jugendlichen die Sitzgelegenheit also wieder in Schuss gebracht, schliffen das Holz ab und behandelten es mit Lack von zuhause. In den Sozialen Medien blieb dieses Engagement weitestgehend unerwähnt. Stattdessen wurde die ursprüngliche Zerstörung heiß diskutiert – und kräftig über einen Kamm geschert, über schlechte Erziehung und wilde Jugendliche geschimpft.
Schaden beseitigt mit Eigeninitiative
Dass die Jugend in solchen Fällen, etwa auch, wenn es um Vermüllung geht, gerne pauschal zum Täter verurteilt wird, beobachtet auch Leonie Kolberger. Sie kann aber nur von Fällen berichten, in denen Jugendliche eben nicht vermüllen und verschmutzen: Sie und ihre Freunde hätten bis vor kurzem eigene Mülltüten zur Sitzgelegenheit an der Würm gebracht, weil es dort einige Zeit keinen Abfalleimer gab. Das Angebot an Chillplätzen in Weil der Stadt findet sie schon gut, sagt aber auch: „Es gibt noch Ausbesserungsbedarf“. Der Jugendbeirat arbeite gerade an Ideen, wie man das Angebot im Brühlpark noch ausbauen kann. Kolbergers Sorge: Werden bestehende Plätze verschmutzt, sinkt auch die Chance, dass neue geschaffen werden. „Das kostet ja auch Geld“, so die Sprecherin des Jugendbeirats.
Differenziert sieht es auch der Bürgermeister: „Es gibt nicht die Jugendlichen, ist eh klar“, kommentiert er in einem Videobeitrag auf Facebook und lobt die Eigeninitiative bei der Schadensbeseitigung. „Es gibt da sehr große Unterschiede in den Verhaltensweisen.“ Er erwähnt auch, dass seit einigen Wochen wieder die City-Streife unterwegs ist. Die schaffe zwar keinen Rückgang beim Vandalismus, heißt es auf Nachfrage aus der Verwaltung. Aber immerhin: Von der Bürgerschaft gibt es dafür positive Rückmeldung.