Der verschmierte Glemstalpavillon im Rotwildpark. Foto: jse

Der Rotwildpark ist eines der beliebtesten Stuttgarter Ausflugsziele. Jetzt herrscht dort Unruhe. Unbekannte haben einen Pavillon beschmiert und Hochsitze umgestoßen. Der Staatsschutz der Stuttgarter Polizei ermittelt.

„Unverschämtheit“, schimpft eine Leserin und fügt ihrem Schreiben einen Packen Fotos hinzu, die den Grund ihres Ärgers dokumentieren: Unbekannte haben den historischen Glemstalpavillon am Schaugehege im Rotwildpark beschmiert. In roter Farbe ist dort zu lesen: „Support the Animal Liberation Front“ und: „Jagd ist unnötige Gewalt“.

 

Wie der Leserin geht es auch anderen Spaziergängern beim Anblick der Schmiererei an dem zentral gelegenen Pavillon. Revierförster Ralf Noack berichtet von etlichen Beschwerden. Die Forstbehörde hat die Polizei eingeschaltet. Der Vorfall sei ärgerlich und teuer, sagt die für die Presse zuständige Försterin Kathrin Klein auf Anfrage. Die rote Farbe sei tief in den Sandstein des denkmalgeschützte Pavillons eingedrungen und müsse aufwendig entfernt werden. Die Zuständigkeit dafür liegt beim Landesbetrieb Vermögen und Bau.

Die Aktion richtet sich offensichtlich gegen die Jagd

Noch bedenklicher finden es die Verantwortlichen des Forstbezirks Schönbuch, der den 520 Hektar großen Rotwildpark betreut, dass zeitgleich offenkundig „Sabotageakte“ begangen wurden. Ähnlich wie im Frühjahr 2021 seien im Oktober drei Hochsitze umgestoßen worden, berichtet Försterin Klein. Insgesamt gibt es im Rotwildpark 40 derartige „Jagdeinrichtungen“. Auch das wurde zur Anzeige gebracht.

Schmiererei am Glemstalpavillon. Foto: privat

Wer hinter den Aktionen steckt ist unklar. Weil ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden könne, ermittle in dem Fall die Staatsschutzabteilung, erklärt ein Sprecher der Stuttgarter Polizei. Die „Animal Liberation Front“ gilt als eine international agierende Gruppe der militanten Tierbefreiungsbewegung.

Förster betonten: Jagd ist notwendig

Wer auch immer verantwortlich sei, die Stoßrichtung richte sich offensichtlich gegen die Jagd, die aus försterlicher Sicht jedoch notwendig sei, meint Försterin Klein. „Ansonsten vermehren sich die Wildschweine und auch das Rehwild mehr, als es der Lebensraum Wald fassen kann.“ Baumarten wie die Eiche würden unter dem Verbiss leiden. „Wir wollen einen gemischten, klimaangepassten Wald“, betont sie. Deshalb müsse der Wildbestand reguliert werden. Gejagt würde bewusst artgerecht. Sie stellt klar: Die Tiere im Schaugehege des Rotwildparks würden nicht geschossen. Diese Einrichtung diene dazu, „die Wildart für den Waldbesucher erfahrbar zu machen“.