Oberbürgermeister Christoph Palm (rechts) bei der Kranzniederlegung. Foto: Sascha Sauer

Bürger haben am Volkstrauertag auch der Anschläge in Paris gedacht. Auf dem Schmidener Friedhof wurden nach dem ökumenischen Gottesdienst Kränze am Ehrenmal des Ersten Weltkrieges niedergelegt.

Schmiden - Ohnmacht und Schock, das waren die ersten Worte, die Jens-Uwe Schwab zu dem Terrorangriff auf Paris in den Sinn kamen. Der katholische Pfarrer betete am Sonntag in der Diony-siuskirche für die Opfer, Angehörigen und Beteiligten wie den Rettungssanitätern. „Gott sei bei allen Menschen, die in Bars, Clubs und Fußballstadien gehen“, sagte er.

Während des ökumenischen Gottesdienstes war die Betroffenheit über die Anschläge in Frankreich auch bei den Kirchenbesuchern deutlich zu spüren. Als die Worte von Pfarrer Schwab verhallt waren, blieben sie beim anschließenden Lied „Wir glauben Gott im höchsten Ton“ stehen, um so ihre Geschlossenheit zu demonstrieren.

Es wird an die Opfer der Kriege gedacht

Am Volkstrauertag wird der Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht. Ursprünglicher Anlass waren die im Ersten Weltkrieg rund zwei Millionen gefallenen Deutschen. Auch an die Toten des Zweiten Weltkrieges wurde immer wieder in der fast voll besetzten Dionysiuskirche erinnert.

Der „Extrachor“ des Gustav-Stresemann-Gymnasiums (GSG) beteiligte sich an der musikalischen Gestaltung des Gottesdiensts. Unter der Leitung von Nele Gerhard wurde unter anderem der Song „Orinoco Flow“ der Sängerin Enya gesungen. Ebenfalls für emotionale Momente sorgte der Cellist Till Schuler mit der Sarabande aus der ersten Bachsuite.

Flüchtlingen soll Hilfe angeboten werden

Für Bernd Friedrich von der evangelischen Kirchengemeinde handelt es sich bei den Anschlägen in Frankreich um selbstgefällige und menschenverachtende Gewalt. Und das werde nicht ohne Folgen bleiben, sagte der Pfarrer in seiner Predigt. „Wir werden einmal danach beurteilt, wie wir uns im Leben verhalten haben.“ Deshalb müsse man für Menschen, die Hilfe brauchen, die Arme ausstrecken. Momentan seien besonders die Flüchtlinge darauf angewiesen.

Für Oberbürgermeister Christoph Palm ist der Volkstrauertag nach eigener Aussage ein Anti-Kriegstag. „Mit dem Auftrag, dass wir den Frieden wahren müssen“, sagte das Stadtoberhaupt. Wenn er diesen Tag unter ein Motto stellen könnte, würde er es „Zusammenhalt“ nennen, so Palm. Zehntklässler des GSG trugen unter der Leitung ihres Lehrers Achim Pantle ihre Gedanken zum Volkstrauertag vor. Kluge Sätze wie „Kriege entwickeln einen Sog der Gewalt“ oder „Die Weltkriege bekommen einen Sinn, wenn wir von ihnen lernen“ waren in der Kirche zu hören. Auch Fluchtgeschichten der Großeltern und Liebesbeziehungen im Krieg wurden von den Gymnasiasten thematisiert.

Bei der anschließenden Kranzniederlegung am Ehrenmal des Ersten Weltkrieges sagte Palm angesichts des jugendlichen Alters einiger Attentäter von Paris: „Wir dürfen den Krieg erst gar nicht in unsere Köpfe lassen.“ Dafür seien aber Anstrengungen nötig. „Vielleicht müssen wir sogar Bürgerrechte opfern“, sagte der Oberbürgermeister.

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