In Fellbach ist die Albert-Schweitzer-Schule die erste und bislang einzige Schule, die diese Zertifizierung erfolgreich durchlaufen hat. Foto: Sigerist

Die Albert-Schweitzer-Schule hat erstmals das Zertifizierungs-Siegel „Boris“ erhalten. Mit diesem Siegel wurde die Schule jetzt für ihre „herausragende Leistung bei der Berufswahl-vorbereitung“ ausgezeichnet.

Schmiden - Die Freude an der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) in Schmiden ist groß. Sie gilt „Boris“. Mit diesem Siegel wurde die Schule jetzt für ihre „herausragende Leistung bei der Berufswahlvorbereitung“ ausgezeichnet. Außer ihr haben die Zertifizierung in diesem Jahr noch weitere 18 Schulen in der Region Stuttgart erhalten. In ganz Baden-Württemberg sind derzeit 519 Schulen berechtigt, das Siegel zu führen.

Ein langer und aufwendiger Weg

In Fellbach ist die ASS die erste und bislang einzige Schule, die diese Zertifizierung erfolgreich durchlaufen hat. Ein langer und aufwendiger Weg, „der sich lohnt“, wie ASS-Schulleiterin Renate Czischek sagt und stolz auf die Urkunde und wetterfeste Wandplakette zeigt. Spätestens nach den Sommerferien wird die Tafel an einer frisch gestrichenen Außenfassade der Schule angebracht. „Die Schrauben dazu haben wir bei der Preisverleihung Ende Juni in Stuttgart gleich mitgeliefert bekommen,“ sagt Renate Czischek schmunzelnd.

„Was brauchen unsere Schüler?“

„Schon in der fünften Klasse beginnen wir, unsere Schüler auf das Thema Berufswahl vorzubereiten,“ sagt Martin Tomes, Klassenlehrer in einer zehnten Klasse der ASS. Er blättert durch ein knapp 30 Seiten starkes Papier, das er unter anderem mit seinem Kollegen Timo Wolf erarbeitet hat. Es diente der Jury für die Boris-Zertifizierung als Grundlage. Außerdem kamen die drei Juroren von der IHK einen Vormittag lang in die Schule, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Das Papier mit dem Titel „Berufsorientierung in der Albert-Schweitzer-Schule“ ist nicht entstanden, um damit am Projekt „Boris-Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg“ teilzunehmen. „Was brauchen unsere Schüler?“ Diese Frage begleitet die ASS permanent. Spätestens seit dem Bildungsplan 2004 war klar, dass die Vorbereitung auf die Berufswahl und ganz spezifisch auf die Bewerbung um eine Lehrstelle ein zentrales Thema über die vorgeschriebenen Pflichtfächer hinaus sein würde. „In den vergangenen Jahren hat sich viel getan“, sagt Renate Czischek und denkt dabei auch an die Form der Bewerbung.

„Erst mal gilt es zu wissen, was man später einmal beruflich machen will und welcher Beruf zu mir passt“, sagt die Rektorin. Um diese Frage beantworten zu können, arbeitet die ASS mit vielen Partnern eng zusammen. Ein spezielles Training mit Sozialpädagoginnen und die Kompetenzwerkstatt werden in Klasse 7 angeboten, in Klasse 9 gibt es zum Beispiel den Job-Club. Bei Elternberufstagen und einem Azubi-Tag in der Schule, an dem die vier Bildungspartner der Schule – die Firma AMF, Bäckerei Grau, Stadtwerke Fellbach und Pflanzen Kölle – teilnehmen, kann man Infos aus erster Hand einholen.

Azubi-Paten unterstützen

Seit über zehn Jahren gibt es an der ASS Azubi-Paten. Das sind ehrenamtliche Bürger aus Fellbach, die sich um die Schüler kümmern und ihnen ihre Erfahrungen aus dem Beruf schildern. „Einen Praktikumsplatz zu finden ist eher unproblematisch“, sagt Timo Wolf. Schwieriger ist es, „Berufsvorstellungen, die nicht zu den Schülern passen“, herauszufinden. Das alles muss neben dem normalen Unterricht passieren, denn vieles sollte schon vor der zehnten Klasse, wenn das Fach BOB, die berufsorientierte Bildung, zum Pflichtfach wird, geklärt sein.

Drei Jahre lang hat das Siegel Gültigkeit, „dann kann man sich um eine Rezertifizierung bewerben“, sagt Renate Czischek. Boris ist nicht mit einer Geldzuwendung verbunden, „aber es erleichtert uns den Zugang zu Firmen und Partnern bei der Berufsorientierung,“ ist die Schulleiterin überzeugt. „Berufsorientierung wird für Schüler immer schwieriger. Familiäre, regionale und überlieferte Traditionen befinden sich im Umbruch, und die Wirtschaft entwickelt eine Dynamik, in der Berufe in schneller Folge veralten, sich verändern oder ganz verschwinden.“