Kevin Kuranyi bestätigt den Wechsel zu Dynamo Moskau. Foto: dpa

Am Sonntag bestätigte der 28-Jährige seinen Wechsel von Schalke 04 zu Dynamo Moskau.

Gelsenkirchen - Nach dem frustrierenden Aus für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika hat Kevin Kuranyi den erwarteten Schlussstrich unter das Kapitel FC Schalke 04 gezogen.

Einen Tag nach dem Bundesliga-Saisonfinale beim FSV Mainz 05 (0:0) bestätigte der 28 Jahre alte Stürmer seinen Wechsel zum russischen Club Dynamo Moskau. "Nach sorgfältigem Abwägen aller Argumente und vielen Gesprächen habe ich mich dazu entschieden, nach Russland zu Dynamo zu wechseln", schrieb der Stürmer auf seiner Internetseite. Nach fünf Jahren beim Revierclub und insgesamt 260 Bundesliga-Spielen (111 Tore) für Schalke und den VfB Stuttgart (2002-2005) erliegt Kuranyi dem Lockruf des Rubels und wagt den Sprung in eine andere Fußball-Welt.

"Ich habe immer gesagt, dass am Ende das Gesamtpaket stimmen muss. Das Gefühl habe ich bei Dynamo. Ein Aspekt ist sicher der finanzielle. Alles andere zu behaupten wäre heuchlerisch ­ und ich habe nicht vor, euch für dumm zu verkaufen", erläuterte der ehemalige Nationalstürmer, der in der Vorwoche trotz einer überragenden Saison mit 18 Toren für Vizemeister Schalke nicht von Bundestrainer Joachim Löw in das vorläufige WM-Aufgebot berufen worden war. Kuranyis Position auf Schalke könnten in der kommenden Saison Marko Pantelic (Ajax Amsterdam) oder Aristide Bancé (Mainz) übernehmen. Beide stehen auf dem Wunschzettel von Trainer-Manager Felix Magath.

Ausdrücklich wandte Kuranyi sich in dem offenen Brief auf seiner Homepage an die "königsblauen" Anhänger und bedankte sich für die Unterstützung. "Ich werde die letzte Zeit auf Schalke ganz bestimmt als eine der besten meiner Karriere in Erinnerung behalten. Ihr habt mich in den letzten Monaten auf eine Art und Weise durch die Saison getragen, wie ich sie als Fußballer noch nie erleben durfte", so Kuranyi, der in Mainz mit Ausnahme der Unterhose sein gesamtes Schalke-Outfit an die Fans verschenkt hatte.

Der ablösefreie Weggang von Kuranyi, dem Magath angesichts der finanziellen Engpässe und des enormen Schuldenstandes von 135 Millionen Euro kein vergleichbares Angebot machen konnte oder wollte, hatte sich seit Wochen angedeutet. Angeblich hatte Kuranyi, der in Moskau einen Dreijahresvertrag erhalten soll, noch andere lukrative Offerten von europäischen Spitzenclubs, darunter Fenerbahce und Besiktas Istanbul und Manchester City.

Russischen Medien zufolge soll der Angreifer beim schwach in die Saison gestarteten derzeitigen Tabellen-Zehnten der russischen Premier-Liga rund fünf Millionen Euro pro Jahr verdienen und an der Seite des ehemaligen Bundesliga-Profis Andrej Woronin stürmen. "Er hat mich ausführlich zu Dynamo befragt" berichtete Woronin vor einigen Tagen der Zeitung "Sport Express".

Laut Kuranyi haben ihn nicht nur finanzielle Argumente überzeugt: "Es wäre falsch und arrogant, den russischen Fußball zu unterschätzen. Es gibt sehr wohl auch sportliche Gründe für einen Wechsel in die Premier-Liga. Auch wenn sie hier in Deutschland nur am Rande wahrgenommen wird", erläuterte er den Sprung zum elfmaligen nationalen Titelträger. Allerdings gewann Dynamo seinen letzten Meistertitel noch zu Sowjet-Zeiten im Jahr 1976 und ist nicht auf der internationalen Bühne vertreten.

Bei "russischen Freunden" habe er sich über den Club und das neue Umfeld informiert. Er könne zwar kein Russisch und habe auch noch keine russischen Bücher gelesen, sagte Kuranyi nach seiner Abschiedsvorstellung in Mainz, aber: "Wodka habe ich früher mal probiert. Geht so." Statt mit Schalke in der Champions League zu spielen, könnte er seinen nächsten Einsatz am 10. Juli bei Sibir Nowosibirsk haben: "Ich mache jetzt auf jeden Fall erstmal Urlaub."

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