Der Pavillon auf dem Schlossplatz ist immer noch eingerüstet. Foto: Jürgen Brand

Das Land investiert 150 000 Euro in die Komplettsanierung des Bauwerks aus dem Jahr 1871. Das Dach war undicht, die Eisenkonstruktion stark verwittert.

Stuttgart-Mitte - Die Zeit der Grabesruhe auf dem Schlossplatz ist glücklicherweise vorbei. Hier herrscht endlich wieder Leben fast wie eh und je, manchmal leider auch mehr als erwünscht. Aber das ist nicht das Thema. Was fehlt, ist Musik. Konzerte aus dem Musikpavillon mit Jazz, Swing, Salsa, mitreißenden oder einschmeichelnden Melodien, die über den Platz wehen und ein animiert lauschendes Publikum anziehen. Was man derzeit und schon seit langem stattdessen aus dem Musikpavillon hört, klingt weniger melodiös: Klopfen, Hämmern, Bohren, Schleifen. Gedämmt und gedämpft durch die Verhüllung des filigranen, eleganten und hochdekorativen Bauwerks.

Sandsteinsockel und Fliesenboden wurden gereinigt

„Der Pavillon wird komplett saniert“, gibt Roland Wenk, der Leiter der Abteilung Vermögen und Hochbau im Finanzministerium, Auskunft. Und das hatte er auch bitter nötig. Denn bei Regen ging es den Musikern oder auch den Gästen des Lokals Terrazza, das den Pavillon ebenfalls nutzt, schon mal nass rein. „Das Dach war undicht und musste komplett neu mit Zinkblech eingedeckt werden“, so Wenk. Aber das ist längst nicht alles, die Liste der Mängel, die repariert werden mussten, ist lang: „Im Inneren der Kuppel waren Schäden am Holzwerk, die behoben werden mussten, um dann das Holz neu zu beschichten.“ Eine aufwendige Behandlung habe auch die stark verwitterte Eisenkonstruktion erfordert: „Dafür mussten alle demontierbaren Eisenteile abgebaut, vom Lack befreit, aufgeraut und mit vier Lackschichten neu überarbeitet werden.“ Dazu wurden Sandsteinsockel und Fliesenboden gereinigt und wo nötig, ergänzt. Die Restaurierung kostet laut Wenk 150 000 Euro.

Das Schmuckstück stammt aus dem Jahr 1871. König Karl hatte den Pavillon aufstellen lassen: Eine achtseitige gusseiserne Laube mit maurisch dekorierten Bögen und Schwanenmotiv. Eisen graziös, sozusagen. Wer ihn entworfen hat, ist erstaunlicherweise nirgendwo in den Denkmalunterlagen festgehalten. „Aber alles spricht für den Hofbaumeister Christian Friedrich von Leins“, versichert Herbert Medek, der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Stadtplanungsamt. Denn Leins, der Architekt des Königsbaus, hatte für die Verwandlung des bis dahin steinigen Schlossplatzes in eine anmutige Anlage mit Bäumen, Blumen und den beiden Springbrunnen gesorgt. Die Gestaltung vervollständigte der Pavillon vor dem Neuen Schloss, um den Militärkapellen einen grandiosen Auftritt zu verleihen, vermutlich im Siegesrausch nach dem gewonnenen Krieg über Frankreich. Über Jahrzehnte freuten sich die Stuttgarter an den sonntäglichen Platzkonzerten der Militärkapellen. Angefertigt worden war der Pavillon, genau wie die beiden Brunnen, in den Königlichen Hüttenwerken von Wasseralfingen. „Das ist ein Stück Württemberger Industriegeschichte“, sagt Wenk. Seinen heutigen Platz bekam der Pavillon, als der Schlossplatz anlässlich der Bundesgartenschau 1977 und der Verlegung der Straßenbahn unter die Erde ganz neu gestaltet wurde.

Ende Juli soll alles fertig sein

Von den Hüllen befreit und wie neu erstrahlen sollte der Pavillon eigentlich schon Ende Mai, wird beim Land versichert. Aber auch hier habe Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil zwar auf der Baustelle weiter gearbeitet wurde, aber die Abstandsregeln andere Arbeitsabläufe erzwangen. Und dann ist es wohl wie immer bei einem historischen Bauwerk: Vieles ist aufwendiger als gedacht, hier war es die Beschichtung. Die Lieferzeit für die neue LED-Innenbeleuchtung habe sich ebenfalls verzögert. Wenn nun alles gestrichen werden kann und auch der Taubenschutz erneuert ist, ist der Pavillon wieder eine Zierde des Schlossplatzes. Ungeduldig warten vor allem die Musiker auf diese Bühne. Beim Land, das die Vermietung wieder selbst übernommen hat, häufen sich die Anfragen. Und Musik wäre sicher auch ein probates Mittel, die gefürchteten Samstag-Nacht-Aggressionen zu vermeiden und die Gemüter heiter zu stimmen. Ende Juli, wird versprochen, soll die Restaurierung abgeschlossen sein.

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