13 Gastronomen, Essen aus aller Welt: Wir haben uns in der neuen Food Lounge in den Königsbau Passagen umgesehen. Klicken Sie sich durch die Bilder. Foto: Peter Petsch

Aus soll es sein mit dem Dornröschenschlaf im zweiten und dritten Obergeschoss der Königsbau Passagen. Nicht des Prinzen Kuss, sondern Kulinarisches die Geschäfte beleben. Mit der Eröffnung der Food Lounge, einem Esstempel feiner Art, kümmern sich 13 Gastronomen ums Wohl der Kunden.

Stuttgart - Kurz vor 11 Uhr ist am Eröffnungstag am Freitag in der neuen Food Lounge der Königsbau Passagen noch nicht viel los. Zeit für Center-Manager Christian Langsdorff, die neuen Mieter mit einem Blumenstrauß zu begrüßen und ihnen viel Glück zu wünschen für die Feuerprobe am ersten Tag. Die Ruhe: Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Als hätten sich die Passanten verabredet, wird es ab 11.30 Uhr an voll und voller. Gegen 13 Uhr sind nur noch wenige der 650 Sitzplätze auf den 1200 Quadratmetern des neuen Fresstempels im zweiten Obergeschoss frei.

Japan, Thailand oder Indien: Beim Schlendern entlang der Stände entsteht der Eindruck, man sei im Urlaub irgendwo in Asien. Die fernöstliche Küche dominiert eindeutig. „Die Portionen beim Thailänder sind riesig und mit höchstens 7,90 Euro supergünstig“, schwärmt eine junge Frau und gabelt begeistert ihre gebratenen Nudeln mit Gemüse aus ihrer Box.

Schwäbisch bei Todis? Zum Beispiel Maultaschen mit Kartoffelsalat oder Linsen und Spätzle. Oder doch lieber das süße amerikanische Kontrastprogramm mit frozen Yoghurt und einem von 40 verschiedenen Donuts bei Happy Donazz? Das junge Paar entscheidet sich situativ für süß. Denn beim Amerikaner läuft es erst später, zur Kaffeezeit, richtig rund. An den Ständen mit Deftigem sind die Warteschlangen in der Mittagszeit dagegen meterlang. Ein Durchkommen mit voll beladenem Tablett zu einem Sitzplatz gleicht einem Balanceakt.

Etagen wirkten über lange Zeit wie ausgestorben

Für die Gastronomie umgebaut wurde das zweite Obergeschoss in den Königsbau Passagen in sechs Monaten. In das Projekt, das von der ECE Projektmanagement GmbH und Co. KG gemanagt wird, hat der Londoner Eigentümer und Investor Evans Randall zehn Millionen Euro gesteckt. Der Grund für die Investition war, dass das ursprüngliche Konzept, im zweiten und dritten Obergeschoss des Gebäudes ausschließlich auf hochwertige Einrichtungsgeschäfte zu setzen, nicht aufgegangen war. Nur wenige Passanten haben die Rolltreppen in die beiden oberen Geschosse genommen. Die Etagen wirkten über lange Zeit wie ausgestorben. Dazu kamen hohe Leerstände. „Sex und Essen, das zieht immer“, sagt Axel Winkel. Der Berliner hat 2006 den Bang-und-Olufsen-Shop (Fernsehgräte und Musikanlagen) von seinem Vorgänger übernommen und ist überzeugt: „Mit der Food Lounge ist die lange Durststrecke vorbei. Das Essen wird mehr Kundschaft in die Passagen ziehen.“

Volker Hensel von 123 Gold.de geht ebenfalls davon aus, dass sich die Kundenfrequenz in den oberen Etagen erhöhen wird. Dass das große Auswirkungen auf sein Geschäft vor allem mit Trauringen haben wird, bezweifelt er. „Wir haben einen hohen Bekanntheitsgrad und konnten uns noch nie über zu wenig Zulauf beklagen“, sagt er, schließt aber nicht aus, dass der eine oder andere doch zufällig auf 123 Gold aufmerksam wird. Und Klaus Treiber, Inhaber des Einrichtungshauses und Wasserbettenstudios Bretz, sieht es ganz pragmatisch: „Im dritten Obergeschoss sind die Toiletten. Da kommen bestimmt mehr Leute bei uns vorbei. Und zwar ganz normale Menschen, Menschen wie unsere Kunden“, sagt er. Auch er ist bereits seit 2006 in den Passagen und will nicht klagen. „Unseren Umsatz hatten wir immer.“

Vier von acht Verkaufsflächen stehen leer

Ein Filialleiter dagegen atmet hörbar auf. „Wir haben alle so auf die Food Lounge gewartet. Das Konzept hat vorher nicht gestimmt. Doch trotz Food Lounge muss Werbung gemacht werden“, sagt er.

So sieht es auch Center-Manager Christian Langsdorff. Denn im dritten Obergeschoss stehen derzeit vier von acht Verkaufsflächen leer. Er räumt ein: „Vor allem in ­dieser Etage müssen wir noch unsere Hausaufgaben machen.“ Das heißt: Mieter finden und Gespräche führen. Die Mieter sollen wieder aus dem Bereich Einrichtung kommen. Und dann weist Langsdorf auf die zwei hohen Rundplakate hin: „Haben Sie die gesehen. Die Werbung im Haus ist doch schon besser geworden, und übersichtliche Hinweistafeln sind auch aufgestellt“, sagt er.

Es ist 13.30 Uhr und die Schlangen vor den Schlemmerständen in der Food Lounge sind immer noch lang. Doch beim Schlemmen durch die Küchen der Welt fällt eins auf: Italien fehlt. Der italienische Gastronom soll der 13. Anbieter in der Food Lounge werden. Ist er noch nicht da aus Angst davor, dass die Zahl 13 am Geburtstag Unglück bringt. Schließlich war es 13. Fee, die Dornröschen an ihrem Geburtstag verwünscht und später in den Tiefschlaf hat fallen lassen. Center- Manager Christian Langsdorff winkt ab und lacht. „Der Umbau von Ciao Bella, einem italienischen Restaurant, ziehe sich nur noch etwas hin.“

Wir haben uns bei der Eröffnung der Food Lounge umgesehen. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie.

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