Rudern müssen Besucher heute selbst – der Herzog ließ sich bei Schloss Monrepos von Gondolieri aus Venedig über den Teich schippern Foto: dpa

Beim Schlosserlebnistag am Sonntag will das Land  sein historisches Erbe von der besten Seite präsentieren. In diesem Jahr steht der gemeinsame Feiertag der Schlösser, Klöster und Burgen unter dem Titel „Höhlen, Grotten und Gräben“.

Beim Schlosserlebnistag am Sonntag will das Land  sein historisches Erbe von der besten Seite präsentieren. In diesem Jahr steht der gemeinsame Feiertag der Schlösser, Klöster und Burgen unter dem Titel „Höhlen, Grotten und Gräben“.

Stuttgart - Wenn der Südwesten am Sonntag seine Schlösser und Gärten feiert, stehen Prachtbauten wie Schloss Solitude oder die Ludwigsburger Residenz im Fokus. Auch Publikumsmagneten wie das Kloster Maulbronn oder die Grabkapelle auf dem Württemberg werden mit ihrem Angebot für Familien viel Aufmerksamkeit erhalten.

Etwas In Vergessenheit gerät dabei ein Bauwerk, das sich auch ohne besondere Programmpunkte als gern besuchtes Ausflugsziel darstellt – und in diesem Jahr ein kaum beachtetes Jubiläum feiert: Schloss Monrepos vor den Toren Ludwigsburgs. Dabei kann der fürstliche Rückzugsort am idyllisch angelegten See viel über die wechselhaften Launen der einstigen Herrscher und ihre berüchtigte Bauwut erzählen.

Sehr beliebt bei den württembergischen Herzögen war das Gelände im Schatten des Hohenaspergs schon im 16. Jahrhundert. Lange vor der Stadtgründung Ludwigsburgs nutzten die Fürsten die waldreiche Gegend in der Nähe des Dorfes Eglosheim für Jagdausflüge. Der künstlich gestaute See wurde gern für die Rast im Grünen genutzt. Herzog Eberhard Ludwig fand Gefallen an dem idyllischen Ort – und ließ parallel zur barocken Residenz auch ein vergleichsweise bescheidenes Seehäuschen errichten.

Unter seinem baufreudigen Nachfolger Carl Eugen erfuhr der kleine Pavillon mit dem bezeichnenden Namen „Rendezvous“ eine tiefgreifende Umgestaltung: Nach den Plänen des französische Architekten Philippe de la Guêpière wurde vor 250 Jahren ein frühklassizistischer Sandsteinbau errichtet. Auf der Uferseite entstand ein ausladender Treppenaufgang, um dem Herzog das bequeme Einsteigen in die aus Venedig beschafften Gondeln zu ermöglichen. Die Boote hatte der karnevalsbegeisterte Fürst bei einer seiner Italienreisen beschafft – selbstredend mitsamt den Gondolieri am Ruder. Keine Frage auch, dass der Herzog die zuvor unregelmäßig geformte Uferlinie in eine streng geometrische Form bringen ließ – das Rechteck entsprach dem Idealtypus der barocken Landschaftsgestaltung.

Dass der verwendete Sandstein für den ständigen Kontakt mit dem Wasser gar nicht geeignet war und das Mauerwerk nach den Recherchen der Historikerin Catharina Raible ernsthaften Schaden nahm, spielte für den Herzog keine Rolle. Der Fürst verlor ohnehin schnell die Lust an seinem Lustschloss: 1764 bereits wurden die Arbeiten an Schloss Monrepos eingestellt, Carl Eugen wandte sich neuen Ideen zu und legte den Grundstein für Schloss Solitude – auch da wird dieses Jahr ein Jubiläum gefeiert.

Erst sein Neffe Friedrich II. sah sich nach seinem Regierungsantritt im Jahr 1797 zum Weiterbau gezwungen. Um den feucht gewordenen Bau wirklich nutzen zu können, wurden bis 1804 unter der Leitung des Hofbaumeisters Nikolaus Friedrich von Thouret nicht nur die unvollendeten Innenräume eingerichtet, sondern vor allem das Seeniveau deutlich abgesenkt, damit die Fundamente nicht mehr im Wasser standen. Die ursprüngliche Treppenanlage wurde durch eine Terrasse mitmächtigen Pfeilerarkaden ersetzt, der See nach nun englischer Mode erneut umgestaltet – mit natürlich wirkenden Felseninseln und effektvoll in Szene gesetzten Kirchenbauten. Friedrich II. gab dem Schloss auch den Namen Monrepos. Für beschauliche Bootsfahrten lockt der See inzwischen jährlich zigtausende Besucher an – nur steuern müssen sie mittlerweile selbst.

Weitere Informationen zum Schlosserlebnistags gibt es hier.

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