Die Kreissparkasse Waiblingen hat im vergangenen Jahr etliche Filialen im Rems-Murr-Kreis geschlossen. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv

Die Neuausrichtung des Filialnetzes hat der Kreissparkasse Waiblingen viel Kritik eingebracht. 13 Filialen wurden im Jahr 2018 geschlossen. Nun gibt es an manchen Standorten nicht mal mehr einen Geldautomaten.

Waiblingen - Noch im Februar vergangenen Jahres hatte Ines Dietze, die Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse (KSK) Waiblingen, gesagt, es sei aktuell keiner der insgesamt 81 Standorte von einer Schließung bedroht. Im Juni hingegen gab die KSK bekannt, 13 Filialen im Rems-Murr-Kreis schließen sowie weitere fünf in SB-Filialen umwandeln zu wollen. Die Verantwortlichen begründeten die so genannte Neuausrichtung des Filialnetzes mit dem veränderten Kundenverhalten – Bankgeschäfte würden zunehmend online erledigt. Die Pläne des Geldinstituts stießen jedoch insbesondere bei einigen Lokalpolitikern auf viel Kritik.

So appellierte etwa der Bürgermeister von Leutenbach, Jürgen Kiesl, an die Verantwortlichen, doch zumindest die Geldautomaten in Nellmersbach und Weiler zum Stein zu erhalten. Dort, wie auch in Murrhardt (Hörschbachstraße) und Backnang (Stettiner Ring), schlossen die personenbesetzten Filialen zum 31. August. Die SB-Filialen in Lippoldsweiler und Maubach machten im Sommer ebenfalls zu.

Teure Geldautomaten

Die Sparkasse erklärte hingegen, dass es sehr kostenintensiv sei, Geldautomaten zu betreiben. „Seitdem viele Discounter die Auszahlung von Bargeld anbieten, ist die Nutzung von Geldautomaten stark rückläufig“, betonte Dietze im Juni. Bürgermeister Kiesl hatte zunächst darauf gehofft, dass die Sparkassenkunden in Nellmersbach und Weiler zum Stein über eine Kooperation zwischen der Volksbank Stuttgart und der KSK kostenfrei vor Ort an ihr Geld kommen könnten. „Eine endgültige Aussage zu einer möglichen Kooperation Geldautomat zwischen Volksbank und Sparkasse steht noch aus“, teilte der Bürgermeister nun kurz vor Weihnachten mit.

Bei der Sparkasse fällt die Bilanz der Neuausrichtung positiv aus: Laut einem Sprecher zeigten die Erfahrungen der ersten Wochen, dass das neue Angebot von den Kunden angenommen werde – „unter anderem auch deshalb, weil die neue Filialstruktur von unseren Mitarbeitern vollumfänglich mitgetragen wird. Daher sehen wir aktuell auch keinen Anpassungsbedarf.“

Die Kunden der betroffenen Filialen – neben den bereits genannten schlossen Schorndorf (Fuchshof), Miedelsbach, Schnait, Schornbach, Urbach-Nord sowie die SB-Filialen in Pfahlbronn und Fellbach (Cannstatter Platz) am 30. November – seien größeren Geschäftsstellen für die Beratung zugeordnet worden. Neben neuen Service- und Beratungszeiten gebe es nun den Bargeldversand zum Selbstkostenpreis. „Schließlich startet im Januar 2019 die sogenannte Direktfiliale der Kreissparkasse – mit einem ausgebauten telefonischen und medialen Service- und Beratungsangebot. Alle Leistungen werden dort montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr angeboten“, so der Sprecher der Sparkasse.

Drohen weitere Schließungen?

Dem Vorstand sei durchaus bewusst gewesen, dass die Neuausrichtung und die damit verbundene Schließung von Geschäftsstellen auf Kritik und Nachfragen bei Kunden und Kommunen stoßen werde. „Wir haben uns dieser Kritik und Fragen, die uns hauptsächlich im Sommer erreicht haben, gestellt. Mit guten Argumenten und der festen Überzeugung, dass die getroffenen Entscheidungen für die Zukunftsfähigkeit der Kreissparkasse ein wichtiger und notwendiger Schritt waren und sind“, betont der Sprecher. Das sieht der SPD-Kreisrat Alexander Bauer anders: Er spricht von einer Salami-Taktik der KSK und befürchtet für die Zukunft weitere Schließungen. Auch er hatte sich im Sommer in einem Offenen Brief an Ines Dietze gewandt und zudem auf den Protest der Kunden gehofft. Der sei allerdings weitgehend ausgeblieben – zumindest öffentlich.

„Insgesamt können wir festhalten, dass die meisten Kunden und Gesprächspartner unsere Argumente und Maßnahmen nachvollziehen konnten und können“, erklärt dazu der Sparkassensprecher. Doch vielleicht, meint Alexander Bauer, seien die Auswirkungen der Schließungen bislang auch einfach noch nicht richtig spürbar. Er selbst halte es nach wie vor für wichtig, ein Zeichen gegen das Vorgehen der Kreissparkasse Waiblingen gesetzt zu haben.

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