Die Kreissparkasse Waiblingen schließt trotz Protesten einige ihrer Filialen. Foto: Gottfried Stoppel

Mit der Ankündigung, Filialen im Rems-Murr-Kreis zu schließen, erntete die Kreissparkasse Waiblingen viel Kritik. Obwohl sich mehrere Kommunalpolitiker an die Verantwortlichen wandten, hat das Geldinstitut seine Pläne nicht geändert.

Waiblingen - Als die Kreissparkasse Waiblingen (KSK) im Juni ankündigte, mehrere Filialen in der Region zu schließen, gab es viel Kritik. Wie ein Sprecher des Geldinstituts mitteilt, habe sich dadurch an der Neuausrichtung des Filialnetzes aber nichts geändert. Die Sparkassenfilialen Hörschbachstraße (Murrhardt), Stettiner Ring (Backnang) sowie die Filialen in den Leutenbacher Teilorten Nellmersbach und Weiler zum Stein schließen folglich an diesem Freitag. Auch die beiden SB-Filialen Lippoldsweiler (Auenwald) und Maubach (Backnang) werden geschlossen.

„Das bewegt die Menschen“, sagt Jürgen Kiesl, der Leutenbacher Bürgermeister. „Die Verbundenheit der Leute mit der Sparkasse ist schon hoch.“ Wohl auch deshalb habe mancher Bürger sehr emotional auf die Ankündigung der Schließung reagiert – Kiesl spricht von Fassungslosigkeit und Wut. Für alle Kunden bedeute das Aus der Filialen einen „deutlichen Komfortverlust“, manche – etwa ältere Bürger – stelle es gar vor gravierende Probleme. „Gerade für diese Menschen wurde die Sparkasse ursprünglich gegründet“, erinnert Kiesl.

Verändertes Kundenverhalten

Er könne durchaus nachvollziehen, dass das Geldinstitut das Filialnetz verändert, aber dass die Einschnitte so radikal seien, verstehe er nicht. Kiesl hatte, ebenso wie einige Kreis- und Gemeinderäte, an die Verantwortlichen appelliert, zumindest die Geldautomaten der Filialen zu erhalten. „Ich bedaure sehr, dass nicht wenigstens der Versuch unternommen wurde, Geldautomaten an höher frequentierteren Orten aufzustellen und das Kundenverhalten dort zu beobachten“, sagt er. Doch die Sparkassenverantwortlichen seien in den Gesprächen kompromisslos gewesen.

Immerhin habe man ihm schriftlich versichert, den Standort Leutenbach zu stärken. „Dafür bin ich dankbar“, sagt Kiesl. Noch gibt er die Hoffnung nicht auf, dass die Menschen in Nellmersbach und Weiler zum Stein über eine Kooperation zwischen der Volksbank Stuttgart und der KSK kostenfrei vor Ort an ihr Geld kommen. Das hatte auch der SPD-Kreisrat Alexander Bauer gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Leutenbacher SPD, Pierre Orthen, in einem offenen Brief an die Vorstandsvorsitzende der KSK, Ines Dietze, angeregt. In ihrem Antwortschreiben ging Dietze Bauer zufolge jedoch nicht darauf ein. Sie verwies stattdessen auf das veränderte Kundenverhalten: Ein überwiegender Teil der Menschen erledige Bankgeschäfte online.

Kooperation mit der Volksbank?

„Es gab kein Entgegenkommen“, kritisiert Bauer. „Ich habe den Eindruck, hier passiert nur was, wenn die Kunden protestieren. Das ist der einzige Weg, doch noch etwas zu ändern.“ In anderen Gemeinden gebe es Kooperationen mit der Volksbank. Ein KSK-Sprecher bestätigt auf Anfrage, dass man an drei Standorten – Hertmannsweiler, Winnenden Rotweg, Schorndorf-Aichenbach – sowie in den Rems-Murr-Kliniken kooperiere. „Eine Kooperation mit der Volksbank Stuttgart in Nellmersbach bzw. Weiler zum Stein ist nicht geplant“, teilt er mit.

Alexander Bauer befürchtet indes, dass es zukünftig noch weitere Schließungen geben wird. „Wenn die Kreissparkasse sich künftig verstärkt auf Premiumkunden konzentrieren will, sollte sie dabei nicht die Bodenhaftung verlieren. Ihr Markt ist hier vor Ort“, betont er. Das Vertrauen in das Institut habe durch die Pläne gelitten. „Im Februar hat Frau Dietze noch gesagt, es werde keine Schließungen geben– im Juni hat sie das Gegenteil verkündet.“

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