Die Schließfächer sind per Code zu öffnen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Neue Schließfächer im Sleep Inn sollen den Nutzern der Notübernachtung das Leben ein wenig leichter machen. Es ist die fünfte Anlage in Stuttgart, die durch die Möhler-Stiftung ermöglicht wurde.

Stuttgart - Schmuck sehen sie aus, die acht Schließfächer im Sleep Inn, der Drogenhilfe-Einrichtung der Caritas in der Hauptstätter Straße. Furniertes Holz, moderner, elektronischer Schließmechanismus – die Schränke, in denen Nutzer der Notübernachtung künftig ihre Habe unterbringen können, machen etwas her. „Früher hatten wir hier Metallspinde stehen“, erinnert sich Katharina Meier von der Caritas. „Die waren aber eigentlich zu schmal und wurden immer wieder aufgebogen oder verbeult. Das sah dann entsprechend aus.“

Katharina Meier ist überzeugt, dass eine gepflegte Einrichtung dazu motiviert, sie auch schonend zu behandeln. Zumal, wenn sie von persönlichem Nutzen ist. Klaus Möhler, Vorsitzender der Möhler-Stiftung für Menschen in Not, die die neuen Schließfächer ermöglicht hat, verweist darauf, dass es um mehr geht als um nächtliche Gepäckverwahrung: „Ein Obdachloser, der sich in der Stadt mit all seinen Habseligkeiten bewegt, wird viel stärker stigmatisiert“, erklärt er. Das sei ganz anders der Fall, wenn er ohne Gepäck unterwegs ist. Taschen, Tüten und Isomatte im Sleep Inn lassen zu können ermögliche es den Nutzern, sich freier in der Stadt zu bewegen. Das, so Möhler, könne bereits ein erster Schritt zu mehr sozialer Teilhabe sein.

Die Schließfächer werden per Code geöffnet

Die Abmessung der 50 Zentimeter tiefen Fächer fußen auf Gesprächen, die Möhler mit wohnungslosen Menschen geführt hat. Gefertigt wurden sie in der JVA Heilbronn. Die Schreinerei der Vollzugsanstalt hat bereits Erfahrung mit den Anforderungen der Stiftung. Aktuell stehen in Stuttgart 54 Schließfächer für Obdachlose zur Verfügung. 2020 sollen weitere 30 hinzukommen. „Meine Frau und ich wollten uns unbedingt sozial engagieren“, sagt Möhler. Ihnen sei allerdings schnell klar geworden, dass sie manche Projekte alleine nicht stemmen könnten. „Die Caritas brachte uns dann auf den Gedanken, uns der Schließfächer anzunehmen.“ Katharina Meier freut sich besonders, dass keine Schlüssel benötigt werden. „Man kann die Codes leicht zurücksetzen oder den Klienten helfen, wenn sie ihre Kombination vergessen haben. Schlüssel sind immer schnell verloren gegangen“, berichtet sie aus der Praxis.

Das Notübernachtungsangebot für Drogenabhängige wird stark frequentiert. Die vier Betten für Männer seien durchgehend belegt, so Meier. Jan Peter vom Stuttgarter Sozialamt hebt die Bedeutung des Projekts hervor: „Es gibt im sozialen Bereich Themen, für die man leicht Unterstützung findet, etwa wenn es um Kinder oder alte Menschen geht“, sagt er „Obdachlosigkeit und Sucht werden gerne verdrängt.“ Das Engagement der Stiftung würdigte er als „wichtigen Beitrag der Zivilgesellschaft“ zum Miteinander.

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