Für fünf Tage wurden die Ufer des Unteren Sees in Böblingen zur Genussmeile. An diesem Sonntag geht Schlemmen am See zu Ende. Rund 60 000 Besucherinnen und Besucher hat das Event angelockt. Die haben teils jedoch einen Kritikpunkt: die Preise.
Laue bis heiße Sommerabende haben die diesjährige Auflage von Schlemmen am See in Böblingen geprägt. An diesem Sonntag geht das Genussevent nach fünf Tagen zu Ende. 21 Gastronomen aus dem Kreis Böblingen und darüber hinaus sowie ihre Teams haben die Besucher dabei mit Gerichten von Apfelstrudel und Matjes bis Sauerbraten-Burritos mit Bergkäse bekocht.
Voller Abend Kaum ein Durchkommen ist am Samstagabend zwischen Stadtgarten und Albabrücke rund um den Unteren See. Sommerlich-schick gekleidete Gäste jeden Alters drängen sich um die Stände und auf den Bierbänken oder auf der Seetreppe. Für das Planer-Trio Timo Böckle (Zum Reussenstein, Böblingen), Tim Hornung (Krone, Steinenbronn) und Nunzio Chiumenti (Schönbuch Brauhaus, Böblingen) ist die 32. Auflage schon jetzt ein voller Erfolg. „Wir können uns absolut nicht beschweren“, sagt Böckle am Samstag. „Man merkt, die Leute sind heiß, wir hatten lange genug schlechtes Wetter.“
Auch Chiumenti ist hochzufrieden. „Die Bilanz ist perfekt.“ Er lobt die Zusammenarbeit mit dem Congress Center Böblingen/Sindelfingen (CCBS), das sei in diesem Jahr erstmals in größerem Umfang beteiligt gewesen. „Die haben das ganze Aufbautechnische und die Vor-Ort-Betreuung bei technischen Fragen übernommen“, sagt Chiumenti. So hätten er und die anderen Gastronomen sich auf ihre eigentlichen Kompetenzen konzentrieren können.
Startschwierigkeiten Von einer kleinen Panne zum Start des Schlemmens am See in Böblingen berichtet Thomas Heiling, der mit seiner Gastronomie sonst die Therme in Böblingen bewirtet. Heilings See-Lounge kam in diesem Jahr etwas verstreut daher. Es habe Probleme bei der Absprache gegeben. Statt wie sonst eine Kette aus mehreren Zelten am Ufer hat Heiling dieses Jahr mit mehreren einzelnen Plätzen für die Zelte Vorlieb nehmen müssen. Diese „schwierigen Gegebenheiten“ hätten der allgemeinen Zufriedenheit aber keinen Abbruch getan.
Von der Besucherin zur Festwirtin
Newcomer Zum ersten Mal dabei sind dieses Jahr Ruth Tesfamariam und ihr Team aus Stuttgart. Mit ihrem Ambiente Afrika hat die Gastronomin, deren Familie in der Landeshauptstadt auch das Madagascar betreibt, überwiegend ost- und nordafrikanische Gerichte angeboten. „Wir waren im vergangenen Jahr als Besucher hier und haben gefeiert“, erzählt sie. Ein afrikanischer Stand habe ihnen dabei gefehlt. Umso mehr habe sie sich gefreut, als die Organisatoren ihr festivalerprobtes Team angenommen hätten. „Es ist ein sehr schönes Fest“, sagt sie.
Hohe Preise Als „das beste Straßenfest des Jahres“ bezeichnet die 60-jährige Böblingerin Andrea das Schlemmen am See – es sei aber auch das teuerste, schiebt sie hinterher. Das findet auch Bernd, ebenfalls aus Böblingen. Der 57-Jährige kommt zwar jedes Jahr her. „Das Preisniveau ist aber sportlich, selbst für Doppelverdiener“, sagt er. „Das ist der aktuellen Situation geschuldet“, bestätigt Nunzio Chiumenti eine Preissteigerung. Ein Grund sei die Mehrwertsteuer, die in diesem Jahr wieder bei 19 Prozent liegt. Ein weiterer Grund seien die vielen Auflagen, die dem Genussfest von Behördenseite gemacht würden. Allerdings sagt Chiumenti auch: „Wir werden nie ein Rote-Wurst-Fest sein.“ Wer günstigeres Essen wolle, müsse es anderswo kaufen.
Eine Mischung aus Geheimtipp und offenem Geheimnis
Trotz der stolzen Preise von nicht selten mehr als 20 Euro für ein Gericht – die Besucher kommen in Scharen. Für einige ist Schlemmen am See eine Mischung aus Geheimtipp und offenem Geheimnis. Eine 32-jährige Böblingerin etwa schätzt die Gelegenheit, ortsansässige Gastronomen zu testen, ohne viel fahren zu müssen. Für ein in Herrenberg heimisches Ehepaar aus Schleswig-Holstein sind es die Kutteln, der Champagner und das Meeresfrüchte-Angebot, die Jahr um Jahr locken.
Die Organisatoren schätzen, dass ihr Festival insgesamt wieder rund 60 000 Besucher angelockt haben wird.
Tag der Rettung Auch rund um das Schlemmen am See gibt es allerhand zu erleben. Am Sonntag etwa den „Tag der Rettung“ mit dem DRK, dem THW und der DLRG, den am Oberen See viele junge Familien besuchen. Marco Witzmann und seine Kollegen vom DRK-Ortsverband Böblingen thematisieren mit dem ausgestellten Gerätewagen Sanität den Bevölkerungsschutz, nebenan liegt eine Reanimationspuppe. „Wir versuchen natürlich auch, Berührungsängste abzubauen“, sagt der Bereitschaftsleiter.
Beim DRK-Ortsverbands Sindelfingen erfahren die Besucher etwas über die tierischen Unterstützer bei einer Rettungsmission. „Die Hunde sind ein Publikumsmagnet“, sagt Staffelleiter Sascha Gössel, der um das Interesse am Hindernislauf weiß.
Auch am Ufer verfolgen mehrere Besucher eine Aufführung: Die DLRG zeigt, wie eine Rettung abläuft. Rei Yuki sowie Felix und Dirk Lück retten ihre Kollegin Carolin Hospozky, die eine Verunfallte spielt. Zurück an Land übernimmt das DRK. Einen weiten Weg zum Einsatzort hat es nicht.