Schlecker Verein soll Schlecker retten

Von Anne Guhlich 

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Mitarbeiter sollen Verein zur Rettung des Unternehmens beitreten, den es rechtlich gar nicht gibt.

Stuttgart/Ehingen - Anton Schlecker aus Ehingen sagt, er habe nie angefangen, vom Reichtum zu träumen. Auch nicht, als Banken ihm Briefe schickten und ihn dazu bringen wollten, Millionen in Häuser oder Schiffe zu stecken. Aber Anton Schlecker hat gar keine Millionen. Der 55-Jährige arbeitet als Betriebselektriker beim Maschinenbauer Liebherr. Am Standort Ehingen werden Kräne hergestellt. Mit dem berühmten Drogeriechef teilt er nur den Namen.

Doch seit jenem Freitag im Januar, als die Kommunikationsabteilung der Drogerie­ket­te Schlecker angekündigt hatte, die Firma müsse Insolvenz anmelden, passiert es wieder häufiger, dass die Menschen bei den Schleckers anrufen und Anton Schlecker sprechen wollen – den 67 Jahre alten Eigentümer der gleichnamigen Drogeriekette. So häufig hat das Telefon nur nach der Wende geklingelt, sagt Anton Schlecker, der Betriebselektriker. Dabei hat er mit dem Drogeriekettenchef nichts zu tun. „ Auch mein Vater und mein Großvater hießen schon Anton Schlecker.“

Wirbel um Drogeriekette wird nicht kleiner

Der Wirbel um die Drogeriekette Schlecker nimmt nicht ab. Seit Mittwoch ziehen Führungskräfte des Unternehmens durch die Filialen im Raum Stuttgart. Sie fordern die Mitarbeiter auf, einen Mitgliedschaftsantrag auszufüllen. Es geht um einen Verein, der auf dem Papier, das unserer Zeitung vorliegt, als „Wir wollen Schlecker retten e. V.“ bezeichnet wird. „Die Vereinssatzung erkenne ich an“, heißt es auf dem Antrag. Die Mitarbeiter bestätigen dies mit ihrer Unterschrift.

Doch damit könnten den Mitarbeitern im schlimmsten Fall finanzielle Einbußen drohen. Denn was genau gefordert wird, um Schlecker zu retten, ist noch gar nicht klar. Den Verein „Wir wollen Schlecker retten“ gibt es rechtlich gesehen gar nicht. „Der Verein ist noch nicht eingetragen und existiert somit nicht“, sagt eine Sprecherin des Amtsgerichts in Nürtingen unserer Zeitung. Am 7. Februar sei dort zwar ein Antrag auf die Vereinsgründung eingegangen, das Gericht habe jedoch Nachbesserungen an der Satzung verlangt, so die Sprecherin.

Initiatoren des Vereins sind offenbar einige Führungskräfte aus der Region Stuttgart. „Möglicherweise wollen diese Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz sichern“, mutmaßt ein Mitglied der Gewerkschaft Verdi, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Ich glaube nicht, dass es hier eine breite Basis gibt.“ Vom Unternehmen war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Arbeitsrechtler sehen Verein kritisch

Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht, der ebenfalls nicht genannt werden will, warnt jedoch davor, den Mitgliedsantrag zu unterschreiben. „ Jeder, der einem Verein beitritt, ohne dessen Satzung zu kennen, könnte ernsthafte Probleme bekommen“, sagt er. „In der Vereinssatzung könnte möglicherweise stehen, dass jedes Mitglied einen einmaligen Jahresbeitrag in fast beliebiger Höhe zu zahlen hat.“ Es sei außerdem nicht auszuschließen, dass „es die Überlegung gibt, ob man durch so einen Verein möglicherweise eine sanierungstarifliche Regelung zu umgehen versucht“, erklärt er. „Unabhängig davon, ob dies dann wirksam ist oder nicht.“ Mitarbeitern, die den Antrag bereits unterschrieben haben, bliebe dann wohl nur noch, schriftlich zu kündigen beziehungsweise den Antrag auf Mitgliedschaft zurückzunehmen. Ein Verdi-Mitglied bezeichnet die Vermutung, den Tarifvertrag umgehen zu wollen, als „völligen Quatsch“. Schlecker habe schließlich angekündigt, auch in der Insolvenz mit der Gewerkschaft zusammenzuarbeiten.

Für den Betriebselektriker Anton Schlecker spielen solche Geschichten keine Rolle. Für ihn gibt es im Moment nur ein Thema: Fasching. Es ist leise in Ehingen. Abends ist im Ort nur ein Geräusch zu hören: Rollladen, die scheppernd nach unten sausen. Zwischen dem Haus des Betriebselektrikers Anton Schlecker und dem des Firmengründers liegen acht Kilometer und eine hohe Mauer. Der Firmengründer hat einen Wall um sein Anwesen gezogen. Niemand kann hinübersehen. Den Bürgern aus Ehingen ist er ein Geheimnis. Kaum einer hat ihn je gesehen. Früher seien regelmäßig morgens um halb sieben ein oder zwei Luxusautos aus dem Hintereingang gefahren, sagen sie. „Doch seit einiger Zeit nicht mehr.“ Manche kritisieren Schlecker. Sie sagen, dass er jetzt ein zweites Mal das Leben seiner Kinder belastet, weil er sich aus dem Geschäft zurückziehen und die Verantwortung in ihre Hände legen will.

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